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Geschichte erleben: Von Kaisern, Königen, Kirchenschätzen

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Karl der Große im Fokus: Im historischen Krönungssaal der Stadt Aachen findet ein Teil der Ausstellungstrilogie zum 1200. Todestag des Karolingerherrschers statt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Aachen greift 2014 den 1200. Todestag von Karl dem Großen in einem Themenjahr auf, Köln erinnert im 2000. Todesjahr des römischen Kaisers Augustus an seine Wurzeln, und auch der Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren wird in NRW vielerorts auf verschiedene Weise thematisiert.

Unser Schwerpunkt zeigt, an welchen Orten in NRW weitere besondere Begebenheiten aus der Vergangenheit anschaulich und lebendig werden.

Und es geht weit zurück in die Geschichte: Die Römer haben an vielen Stellen in NRW ihre Spuren hinterlassen. Zum 2000. Todesjahr des römischen Kaisers Augustus widmet das Römisch-Germanische Museum der römischen Herrschaft am Rhein um 14 nach Christus eine Ausstellung: Von Mai bis September 2014 beleuchtet die Schau das zivile und militärische Leben in Köln und den benachbarten Siedlungen der frühen Kaiserzeit. Neuere archäologische Funde zeugen von der dynamischen Entwicklung Kölns als regionalem Machtzentrum an der Grenze des römischen Imperiums (www.museenkoeln.de).

Das unterirdische Köln

Beeindruckende Zeugnisse aus dieser Epoche sind auf einer öffentlichen Führung durch das unterirdische Köln zu sehen. Dazu zählen zum Beispiel das Praetorium, der Statthalterpalast unter dem Rathaus oder ein Stück des römischen Abwasserkanals (www.koelntourismus.de). Einen direkten Vergleich zwischen historischen und heutigen Ansichten bietet die Videobus-Tour durch Köln. In diesem Bus wird der Blick aus dem Fenster durch teils historische Film-, Bild- und Tondokumente ergänzt. Römerturm, Millowitsch-Theater, Rheinauhafen, Gürzenich, Rathaus, Zoo und Flora gehören beispielsweise zu den Stationen der Multimedia-Tour (www.koelntourismus.de). Auf weitere Relikte römischer Baukunst stoßen Wanderer, die dem Römerkanal-Wanderweg folgen. Auf rund 100 Kilometern folgt er der Trasse einer antiken Wasserleitung von Nettersheim nach Köln. Auf insgesamt sieben Etappen von der Eifel über den Rhein-Erft-Kreis bis nach Köln gewähren etwa 70 Stationen Einblick in die Technik des Römerkanals (www.roemerkanal-wanderweg.de).

Das Jahr Karls des Großen

Wie groß der Einfluss eines Einzelnen auf den Verlauf der Geschichte sein kann, macht das Karlsjahr in Aachen deutlich: Anlässlich des 1200. Todesjahres Karls des Großen präsentieren drei Teilausstellungen unter der Überschrift „Karl der Große. Macht. Kunst. Schätze“ vom 20. Juni bis 21. September 2014 das Leben und Wirken des Frankenkönigs. Ausstellungsorte sind neben dem neuen Centre Charlemagne, das am 24. Januar 2014 eröffnet, der historische Krönungssaal des Rathauses sowie die Domschatzkammer (www.karldergrosse2014.de).

Zu den Heiligtümern, die sich seit Karl dem Großen im Besitz des Aachener Doms befinden, gehören das Marienkleid, das Enthauptungstuch Johannes des Täufers sowie die Windeln und das Lendentuch Jesu. Seit 1349 werden sie alle sieben Jahre den Gläubigen gezeigt und für den Zeitraum von zehn Tagen dem goldenen Marienschrein entnommen – vom 20. bis 29. Juni 2014 ist es wieder soweit. Zur Verehrung dieser vier Reliquien kommen weit über 660 Jahren Pilger aus Deutschland, Europa und der übrigen Welt in die Kaiserstadt (www.heiligtumsfahrt2014.de).

Verlorener Kirchenschatz

Ein verlorener Kirchenschatz steht im Widukind-Museum Enger im Mittelpunkt: Vor 600 Jahren, am 16. Januar 1414, verließ das Stift St. Dionysius den Ort im Teutoburger Wald. Die Stiftsherren zogen aus Sicherheitsgründen in die befestigte Nachbarstadt Herford. Im Gepäck hatten sie auch ihren Dionysius-Kirchenschatz. Bis 21. April 2014 sind Teile des alten Schatzes zu sehen, darunter auch eine Taufschale, die Sachsenherzog Widukind von Kaiser Karl bekommen haben soll. Das Kunstgewerbemuseum Berlin leiht einige seiner Stücke aus diesem berühmten Kirchenschatz an das Widukind-Museum aus (www.widukind-museum-enger.de).

Mit dem Projekt „Geschichte neu erleben in NRW – Minden 2011-2014“ wendet sich die Stadt Minden an historisch interessierte Touristen. Im nächsten Jahr stehen in diesem Rahmen drei weitere Großereignisse an: Am 14. und 15. Juni 2014 lassen die „Mindener Zeitinseln“ an verschiedenen Standorten in der Innenstadt Geschichten und Geschichte der 1200-jährigen Weserstadt Minden lebendig werden. Von Römern und Germanen an der Weserpromenade über die Epochen des Mittelalters am Mindener Dom bis hin zum historischen Japan des 16. Jahrhunderts erstreckt sich der Reigen historischer Inszenierungen. Vom 31. Juli bis 3. August 2014 erwartet die Stadt hohen Besuch zum historischen Freischießen: Wie schon im Jahr 1682 ist der Große Kurfürst erneut in Minden zu Gast, um dem besten Schützen die Talerprämie zu überreichen. Auf der 4. Internationalen Reenactor-Messe schließlich, Deutschlands einziger epochenübergreifender History-Messe, präsentieren Händler und Handwerker am 4. und 5. Oktober 2014 Waren von der Antike bis 1918. Mittelalterliche Musik, Jonglage und Akrobatik sorgen für historische Unterhaltung (www.minden-erleben.de).

800 Jahre Bielefeld

Eine Stadt feiert Geburtstag: Bielefeld wird 2014 800 Jahre alt. Festivals, Konzerte, historische Rundgänge, Ausstellungen, Theateraufführungen, Jubiläumsveröffentlichungen und viele weitere Geburtstagsgeschenke stehen unter dem Motto: „800 Jahre Bielefeld - Das gibt‘s doch gar nicht!“ auf dem Programm. Zu den Höhepunkten gehören die große Eröffnungsgala am 11. Januar 2014 im Stadttheater, der NRW-Tag, mit dem das Land vom 27. bis 29. Juni 2014 parallel seinen Geburtstag feiert, und das Wissenschaftsfestival „Geniale“ vom 8. bis 16. August 2014 (www.bielefeld800.de).

Ein genialer Wissenschaftler des 16. Jahrhunderts steht in Duisburg im Fokus verschiedener Touren: Der Kartograf und Globenhersteller Gerhard Mercator hatte die Stadt zu seiner Wahlheimat gemacht. Besuchergruppen erfahren auf Kostümführungen oder Stadtspaziergängen nicht nur Wissenswertes über Leben und Werk. Sie lernen auch die Bedeutung seiner Arbeiten für unseren heutigen Alltag kennen (www.gerhard-mercator.de).

Münster schreibt Geschichte

Krieg und Frieden prägten seit jeher die Geschichte des Menschen. In Münster wurde mit dem Westfälischen Frieden europäische Geschichte geschrieben, die bis heute auf vielfältige Weise erlebt werden kann. Der Friedenssaal im Historischen Rathaus zählt mit seinen prunkvollen Renaissancevertäfelungen aus der Zeit um 1577, dem riesigen Kronleuchter, der geschichtsträchtigen Porträtgalerie der Gesandten und der Gerichtsschranke zu den Highlights eines jeden Münster-Besuchs. Seinen Namen verdankt er dem Spanisch-Niederländischen Frieden, mit dem hier am 15. Mai 1648 als Teil des Westfälischen Friedens europäische Geschichte geschrieben wurde. Die Gruppenführung „Münster 1648 – Der Westfälische Frieden“ erzählt von Alltagsleben und Friedensdiplomatie und führt die Teilnehmer zu den Wohnungen der Gesandten (www.stadt-lupe.de). Die Tour „Münster 1648 – Historischer Rundgang zum Westfälischen Frieden“ skizziert die Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges. (www.stattreisen-muenster.de).

Um die beiden großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts dreht sich die Ausstellung „Stahl und Moral. Die Henrichshütte im Krieg 1914- 1945“. Vom 8. Mai bis 9. November 2014 stellt das LWL-Industriemuseum in Hattingen Besuchern die Frage: Stahl und Moral – passt das zusammen? Jeder Museumsgast kann selbst über diese Frage nachdenken, während er im Luftschutzstollen den Kopf einzieht oder in schwindelerregender Höhe den Hochofen erklimmt.

Beide Schauplätze der Hattinger Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg werden zu Ausstellungs- und Erinnerungsorten. „Stahl und Moral“ ist eine von sieben Begleitausstellungen zum Projekt „Über Unterwelten. Zeichen und Zauber des anderen Raums“ (www.unterwelten.lwl.org). Das Rheinland hat im Vorfeld wie im Verlauf des Ersten Weltkrieges durch seine geografische Lage, durch das hoch industrialisierte Revier an Rhein und Ruhr, durch seine Bevölkerungsdichte wie seine infrastrukturelle Ausstattung, aber auch mit aufstrebenden kulturellen Zentren der Moderne eine besondere Rolle gespielt. In dem Großprojekt „1914 – Mitten in Europa“ nimmt der Landschaftsverband Rheinland diese Rolle in Ausstellungen, Exkursionen, einem Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten unter die Lupe. Es finden unterschiedliche Veranstaltungen der beteiligten Akteure statt. Die Termine sind über das ganze Jahr 2014 verteilt (www.rheinland1914.lvr.de).

Kampf um Köpfe und Herzen

„Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ lautet der Titel einer Ausstellung im Sauerland, in der das Kreisarchiv des Märkischen Kreises vom 1. August bis 31. Oktober 2014 an die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Bevölkerung der damaligen Kreise Altena und Iserlohn sowie die kreisfreien Städte Iserlohn und Lüdenscheid erinnert. Der Kampf um die Köpfe und Herzen der Zivilbevölkerung wird in unbekannten Dokumenten, Fotos und Plakaten sowie regionalhistorisch interessanten Exponaten dargestellt (www.maerkischer-kreis.de).

Sogar unter Tage lässt sich in NRW Geschichte erleben: Im Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck bei Bestwig etwa fahren Besucher mit Helm und Schutzkleidung mit der Grubenbahn 1,5 Kilometer tief in den Berg ein. Dort machen sie sich ein Bild von der ehemaligen Arbeitswelt der Kumpel im Erzbergbau (www.sauerlaender-besucherbergwerk.de).

Überirdisch ist das Erlebnis im Museum „DampfLandLeute“ Eslohe. Hier erfahren Kinder und Erwachsene, wie eine Dampflok funktioniert – und können die Technik bei einer Fahrt durch das Sauerland selbst testen (http://museum-eslohe.de).

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