Geschenke für Lehrer: Das kann böse enden

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
Lehrer Geschenk
Kleines Geschenk, große Wirkung: Wer verbeamtet ist, darf keine Geschenke annehmen, sonst macht er sich strafbar. Foto: Colourbox

Aachen. Ein Schuljahr geht zu Ende, der Lehrer gibt die Klasse ab. Das ist eine Situation, bei der Eltern gerne Danke sagen. Denn im besten Falle haben die Kinder ihre Lehrerin oder ihren Lehrer geliebt, und es war eine gute Zusammenarbeit – manchmal für mehrere Jahre. Dann wird Geld für ein Abschiedsgeschenk gesammelt, und damit geht manchmal der Ärger los.

So geschehen 2011 in Berlin, wo die Eltern einer zehnten Klasse der Lehrerin eine kleine Skulptur zum Abschied schenkten. 189,95 Euro hatte die gekostet, dazu gab es einen Blumenstrauß für 20 Euro, das waren 15 Euro für jede Familie. Außergewöhnlich, aber kein Problem, sollte man meinen.

Doch Lehrer sind Beamte, sie dürfen keine Geschenke annehmen. Weder in Berlin noch sonst wo in Deutschland. Tun sie es doch, setzen sie sich dem Vorwurf der Vorteilsnahme oder sogar der Bestechlichkeit aus.

Das ist eine üble Sache, die unter Umständen so enden kann wie in Berlin: Dort kam es zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde, sogar zu einer Strafanzeige, und die Lehrerin musste 4000 Euro Strafe zahlen. So einen Fall hat es in der Region noch nicht gegeben. Und wird es auch nicht, wenn alle Beteiligten die geltenden Regeln beachten.

Was sagt das Gesetz?

Die Richtlinie der Bezirksregierung Köln, die die Schulaufsichtsbehörde für die Schulen in unserer Region ist, sagt dazu: Es gibt Geschenke, die „stillschweigend genehmigt“ werden, und es gibt es Geschenke, die genehmigt werden müssen. Zu ersteren gehören kleine Aufmerksamkeiten wie Kalender, Schreibblocks oder selbst gebastelte Geschenke von Schülerinnen und Schülern.

Wird ein Lehrer verabschiedet, dürfen Eltern oder Klassenpflegschaften ein Geschenk machen, das vom Wert und auch vom Gegenstand her angemessen ist. Bodo Klein, der Sprecher der Bezirksregierung, weist zudem darauf hin, dass die Schulleitungen gehalten sind, die Lehrer diesbezüglich immer mal wieder zu sensibilisieren. Auch auf Elternabenden sollte die Thematik angesprochen werden.

Was ist angemessen?

Auch da hat die Bezirksregierung klare Vorstellungen: Blumen oder Pralinen sind angemessen und werden „stillschweigend genehmigt“, Gutscheine oder Geldgeschenke nicht. Man darf auch mal einen Lehrer nach dem Elternabend zum Bier einladen oder ihn nach der Klassenfahrt mit dem Auto nach Hause fahren. Aber da hört‘s auch schon auf.

Wollen die Eltern dem Lehrer zum Beispiel ein Trikot seines Lieblingsfußballvereins schenken, darf er das streng genommen nicht annehmen. Er muss es dem Schulleiter aushändigen. Auch eine Einladung zum Essen muss ein Lehrer ausschlagen. Bodo Klein: „Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass das Geschenk als Vorteil im Gegenzug zu einer Leistung erscheint.“

Was sagt die Gewerkschaft?

„Wir reden über eine Wertschätzung des Lehrers, die diesem von Eltern oft zum Ende des Schuljahrs entgegengebracht wird“ sagt Rainer Siemund von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Deshalb hält er den Vorwurf der „Beeinflussung“ in den meisten Fällen für abwegig. Trotzdem sei es wichtig, die Angemessenheit zu beachten.

Sogar Geschenke der Kollegen untereinander müssten „im Rahmen“ bleiben, das seien zum Beispiel ein Buch oder ein Gutschein. Auch das Beispiel Elternstammtisch ist ein Thema: „Lehrer werden da oft standardmäßig mit eingeladen.“ Siemund empfiehlt Lehrern, eine solche Einladung nicht anzunehmen, denn: „Das ist ein Forum, wo Eltern mal über die Lehrer herziehen können.“ Und wenn ein Lehrer doch hingeht: „Dann bitte das Bier selbst bezahlen.“

Was sagen die Eltern?

Eltern dürfen Lehrer mit ihrem Geschenk auf keinen Fall in eine missliche Lage bringen. Das sagt Eberhard Kwiatkowski von der Landeselternkonferenz NRW. Deshalb darf es auch „grundsätzlich kein Geldgeschenk“ sein. Und keinesfalls dürfe ein Geschenk in den Ruf kommen, gar in Zusammenhang mit der Notengebung zu stehen. Wenn es um die nette Geste geht, reiche ein Blumenstrauß.

Auch selbst Gebasteltes der Kinder sei völlig unproblematisch. Viele Eltern wüssten über das Thema aber gar nicht Bescheid, vermutet Kwiatkowski. Seine Empfehlung: am besten die Geschenkfrage vorher abklären. Denn auch Eltern fühlten sich schnell vor den Kopf gestoßen, wenn ihr Geschenk nicht angenommen wird.

Was sagen die Schulleiter?

AmErkelenzer Cusanus-Gymnasium gilt die Regel: Geschenke bis 25 Euro sind als Dankeschön erlaubt. Das entspricht einem Beitrag von etwa einem Euro pro Schüler. Direktorin Rita Hündgen findet, das sei „guter Ton und normal“. Johannes Stollenwerk, Direktor der Anne-Frank-Gesamtschule in Düren, pflegt einen professionellen Umgang mit Geschenken. Die Thematik wird im allgemeinen Jahresbrief regelmäßig angesprochen.

Ein Dankesbrief und ein gemeinsames Grillfest auf dem Schulgelände, so wird an der Anne-Frank-Schule Lehrern Danke gesagt. Sich bei der Grundschullehrerin zu bedanken, ist einfach: kleine Basteleien kommen ebenso gut an wie ein Geschenk von der Klassengemeinschaft zum Abschied. „Was zählt, ist der ideelle Wert als Ausdruck der Wertschätzung“, sagt Rektorin Petra Gier von der Grundschule Laurensberg in Aachen.

Wie sieht es mit Spenden aus?

Größere Zuwendungen materieller oder finanzieller Art dürfen dankbare Eltern jederzeit gerne dem Förderverein der Schule ihrer Kinder machen. Da kann man getrost fragen, was denn die Schule so braucht und sich damit der Schulgemeinschaft erkenntlich zeigen.

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