Geschäfte im Netz: Abzocke mit Drohanrufen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Ebay Abzocke Auktion
Abzocke im Netz: Auch in unserer Region mehren sich die Fälle. Foto: dpa

Aachen. Damit hatte Bernd K. (Name geändert) nicht im Traum gerechnet. Eigentlich lief alles prima, als der Alsdorfer via Ebay sein Auto verkaufte. Zügig fand sich ein Käufer. Der Mann aus Schwaben holte den Wagen bei K. ab. Doch dessen Freude über den Verkauf währte nur eine Woche. Dann klingelte sein Telefon...

Am Apparat: Ein Mann mit schwäbischem Dialekt. Das Auto, das im K. verkauft habe, müsse teuer repariert werden. 4500 Euro werde das laut Werkstatt kosten – und K. solle das Geld umgehend herausrücken. Damit nicht genug: Der angebliche Käufer bekundete, seine Familie komme aus dem Kosovo. Vor Gewalt schrecke man nicht zurück, wenn K. nicht spure. Komme das Geld nicht, werde man K. „den Kopf abschneiden“.

Man wisse ja, wo er wohne. Der Verkäufer bekam – wen wundert‘s – Angst. Weswegen er schon dazu neigte, Geld locker zu machen, wenngleich nicht die geforderte Summe. Es gebe nichts zu diskutieren, man werde ihm „den Skalp über die Ohren ziehen“, hieß es. K. erwiderte, dass er auflegen und die Polizei einschalte, wenn sich der drohende Ton nicht ändere. Der Anrufer kam ihm zu vor – und legte auf. Umgehend fuhr K. zur Polizei.

In ganz Deutschland aktiv

Am Draht hatte der Alsdorfer allerdings keinen mordwilligen Autokäufer, sondern einen skrupellosen Betrüger. Die beschriebene Masche gibt es schon länger, derzeit verbreitet sie sich rasant im ganzen Bundesgebiet. Auch in unserer Region mehren sich die Fälle. Laut Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei, hat es in der Städteregion jüngst vier Fälle gegeben. Stets haben die Opfer ihr Auto via Internet verkauft. Und immer kommt kurze Zeit später der Anruf des vermeintlichen Käufers. Immer werden angebliche Mängel des Fahrzeugs angeprangert. Die Gewaltandrohung ist ebenfalls allen Fällen gemein.

Und: Das Geld soll mittels „Ukash“ oder ähnlicher Systeme bereitgestellt werden. Das ist ein seriöses Online-Bezahlsystem, bei dem man Wertkarten etwa an der Tankstelle kauft und dann im Internet einen Code eingibt. Für den Nutzer hat das den Vorteil, keine Kreditkarteninformationen preisgeben zu müssen. In solchen Fällen bleibt der Täter jedoch ebenfalls anonym.

Mit ähnlichen Maschen werden seit Jahren auch ältere Menschen abgezockt, die von vermeintlich seriösen Anwaltskanzleien Inkasso-Verfahren angedroht bekommen. Vielfach führt der Betrug zum Erfolg. Zu den aktuellen Fällen wie jenem von Bernd K. sagt Paul Kemen: „Das geht richtig ans Eingemachte. Es geht um Nötigung, Bedrohung, Erpressung.“ Die Ermittlungen sind schwierig. Die Telefonnummern, von denen – offen und nicht unterdrückt – angerufen wird, existieren kurz darauf nicht mehr. Wie die Täter an die Daten der Verkäufer kommen, ist der Polizei bisweilen ein Rätsel. Bei Bernd K. war es einfach: Er hatte im Netz seine Adresse und Telefonnummer in die Verkaufsanzeige geschrieben – „ein großer Fehler“, wie er heute sagt.

Ermittlungen bei den eigentlichen Käufern sind bundesweit ins Leere gelaufen. Sie haben laut Kemen keine Verbindung zu den Tätern. Wie bei Bernd K.: Er hat schließlich noch den Käufer seines Wagens angerufen. Der ist hochzufrieden mit dem Gefährt. Es laufe wie am Schnürchen...

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