Aachen/Krefeld - Geplanter Raubüberfall: Schönheitskönigin angeklagt

Geplanter Raubüberfall: Schönheitskönigin angeklagt

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Miss Krefeld
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben: Die Schönheitskönigin, ihr 22-jähriger Bruder und ein 51 Jahre alten Mann stehen im Verdacht, zwei Raubüberfälle am Niederrhein geplant zu haben. Symbolbild: dpa

Aachen/Krefeld. Bis zum 7. Mai lebte eine damals 20 Jahre alte Schönheitskönigin vom Niederrhein noch ihren Traum. Im April erst hatte sie einen „Miss“-Titel errungen, als nächstes wollte sie an der Wahl zur „Miss Germany“ teilnehmen. Auf ihrem Weg zur Prominenz soll sie eine Stelle als Kassiererin gekündigt haben, die Dinge liefen für sie in die richtige Richtung.

In der Nacht zum 7. Mai dann kam eine Spezialeinheit der Polizei, durchsuchte ihre Wohnung und brachte sie ins Gefängnis. Nun hat die Aachener Staatsanwaltschaft sie wegen der Verabredung zu einem Verbrechen angeklagt.

Neben der Schönheitskönigin, inzwischen 21, stehen ihr 22-jähriger Bruder und ein 51 Jahre alten Mann im Verdacht, zwei Raubüberfälle am Niederrhein geplant zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, ist es dem Einsatz von verdeckten Ermittlern des Landeskriminalamts zu verdanken, dass es nicht zu den Überfällen kam. Denn die Ermittler waren dem 51-Jährigen wegen einer anderen Tat auf der Spur: Er soll zusammen mit einem 48-Jährigen mehr als 2000 Menschen um 475.000 Euro betrogen haben. Auch diese Taten hat die Staatsanwaltschaft angeklagt.

Dass die verdeckten Ermittler von den geplanten Raubüberfällen erfuhren, war Zufall. Am 7. Mai waren alle vier festgenommen worden. Der 51-Jährige, der 48-Jährige und der 22-jährige Bruder der Schönheitskönigin sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Schönheitskönigin selbst musste im Juli nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln vorübergehend wieder freigelassen werden.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wollten die Schönheitskönigin und ihre beiden Mittäter einen Supermarkt in Krefeld und einen Juwelier in Willich überfallen. Als eine Spezialeinheit die Wohnungen der drei am 7. Mai durchsuchte, wurden unter anderem eine Maschinenpistole mit Munition, Fesselungsmaterial und eine Vollgummimaske gefunden. Der Überfall auf den Supermarkt soll unmittelbar bevorgestanden haben. Was die drei Angeklagten mit dem Geld vorhatten, ist nicht bekannt: Keiner von ihnen hat sich bislang zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler den Angeklagten über eine Internetseite. Auf der sollen der 51-Jährige und der 48-Jährige Privatpersonen um Kredite gebeten haben. Dies ist nicht unüblich: Für Privatpersonen ist ein solcher Kredit eine Möglichkeit, Erspartes besser zu verzinsen als auf dem Sparbuch oder dem Festgeldkonto. Die Kreditnehmer haben die Möglichkeit, günstigere Konditionen als bei einer Bank zu erhalten. Der 51-Jährige und der 48-Jährige jedoch sollen Urkunden gefälscht und unter falschem Namen Konten eröffnet haben.

Mehr als 2000 Menschen, von denen mehrere in der Region Aachen, Düren, Heinsberg leben, sollen den beiden Kredite gewährt haben – keiner von ihnen erhielt etwas zurück. Da die Schönheitskönigin bei ihrer Festnahme erst 20 Jahre alt war, würde der Prozess gegen alle vier Angeklagten vor einer Jugendstrafkammer verhandelt. Das Aachener Landgericht ist im Moment dabei zu prüfen, ob die Anklage zugelassen wird. In diesem Fall würde der Prozess in näherer Zukunft beginnen können.

Auf ihrer Facebook-Seite tut die Schönheitskönigin vom Niederrhein, als wäre nie etwas passiert. Sie stellt Fotos von sich selbst ein und postet Banalitäten. Am 16. Oktober, fünf Monate nach ihrer Festnahme, schrieb sie: „Einen Löwen interessiert es nicht, was Schafe über ihn denken!“

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