Georg Helg: „Falscheste aller denkbaren Reaktionen”

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Lennet Kann
Lennet Kann gehört fest zum Programm der Ordensverleihung.

Aachen. Der Aachener Karnevalsverein (AKV) hat binnen eines Jahres seine zweite für die Öffentlichkeit frei zugängliche Straßenveranstaltung abgesagt. Nach der gestrichenen 150-Jahrfeier auf dem Katschhof im Frühjahr 2009 folgte gestern die Blitzabsage der für heute geplanten Prinzensitzung auf dem Aachener Holzgraben.

In einer Pressemitteilung des AKV werden „einige Vertreter der lokalen Presse” dafür verantwortlich gemacht, denen „eine bewusst destruktive und in Teilen inhaltlich falsche” sowie eine „einseitige, verzerrende und durchweg tendenziöse Berichterstattung” zur AKV-Festsitzung vorgeworfen wird. Dies habe „zu einem mehr als erheblichen Imageschaden mit durchaus negativen wirtschaftlichen Auswirkungen” geführt. Dagegen stehe „eine bundesweit positive Resonanz”.

Mit dieser Entscheidung machte der Elferrat unter Präsident Horst Wollgarten die öffentliche Bekanntmachung des Ergebnisses unserer Leserjury unmöglich, die in tausenden Einsendungen ihre Meinung zur Fernsehaufzeichnung der Sitzung kundtat. Das Votum gab der Ordensverleihung die schlechteste Bewertung seit Gründung der Jury im Jahr 1993: Note 3,08. Im Vorjahr lag die Bewertung noch bei 2,02.

Ein ratloser Prinz Dirk IV.

Die Ausladung des „närrischen Volkes” stößt bei vielen Beteiligten auf Unverständnis. Als „nicht nachvollziehbare, überzogene, von Selbstüberschätzung geprägte Reaktion”, die ein „Schlag in den Rücken aller Karnevalisten” sei, bewertet Wilm Lürken, Chef des Ausschusses Aachener Karneval, die Absage: „Der angerichtete Schaden ist erheblich.” Der betroffene Prinz Dirk IV. hadert: „Eigentlich ist das doch meine Sitzung, aber mit mir hat noch nicht einmal jemand über die Gründe der Absage gesprochen.” Er fügt ratlos an: „Aber was soll ich tun?”

Letzteres empfindet Prinzengardekommandant Markus Bongers genauso: „Wir mussten alle georderten Pferde wieder abbestellen.” Auch den betroffenen Musikgruppen „Köllepööetzer”, „Jonge vajjen Beverau”, „Öcher Originale” sowie Alleinunterhalter Danny Huppermans wurde keine Begründung mitgeteilt. Huppermans macht jetzt ein Ausfallhonorar geltend. Gustl Brammertz, Hofmarschall des Prinzen und Programmgestalter der Sitzung reagiert völlig perplex: „Kein Kommentar.”

Letzteren geben stattdessen die beiden AKV-Ehrenpräsidenten Georg Helg und Dirk von Pezold. „Ich bedaure die Absage. Der AKV sollte jede Gelegenheit nutzen, die Öcher auf seinem von ihm für richtig und zukunftsweisend angesehenen Weg mitzunehmen. Hier gibt es offensichtlich Nachholbedarf”, sagt Helg. „Ich halte eine solche Absage für die falscheste aller denkbaren Reaktionen, weil sie nur konfrontativ und nicht zielführend ist”, sagt von Pezold und erinnert an ein Zitat des legendären SPD-Fraktionschefs Herbert Wehner: „Meine Herren, wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen, und das wird bitter.”


Der AKV sei dabei, „die Basis zu zerstören”. Das wäre „in etwa dasselbe, wenn Alemannia den Tivoli verkaufen und signalisieren würde, wir brauchen kein Heimpublikum mehr”. Der Ehrenpräsident weiter: „Der Schulterschluss zu den Vereinen ist lädiert.” Damit meint er nicht nur die Prinzengarde, die zu ihrem 100-jährigen Jubiläum mitsamt Prinz aus der TV-Sitzung geschnitten wurde - zugunsten der „wie Taubstumme herumstehenden Kölner Ehrengarde”, so von Pezold.

Anders als zu seinen Präsidentenzeiten ist der AKV am Schneidetisch des Fernsehens nicht mehr vertreten. Weitere Folgen dessen: Die Begrüßung von Aachens neuem Oberbürgermeister Marcel Philipp fand genauso wenig in der ARD statt wie der Tanz und das Lied der Kinderprinzengarde: „Drei Werktage hintereinander mussten wir zwei Stunden fürs Fernsehen proben, samstags dann der Auftritt. Aus allen Himmelsrichtungen wurden die 40 Kinder von ihren Eltern hin- und herkutschiert”, stöhnt Wolfgang Radermacher, Chef des Aachener Kinderkarnevals über das Ergebnis aller Mühen - eine 20-Sekunden-Sequenz des märchenprinzlichen Gedichtes im TV.
 


Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert