Genug vom Lärm: Anwohner setzen sich gegen Motorradlärm zur Wehr

Von: Peter Stollenwerk und Carsten Rose
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Motorradfahren in der Eifel: Immer mehr Anwohner setzen sich gegen röhrende Maschinen und illegale Straßenrennen zur Wehr.
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Motorradfahren in der Eifel: Immer mehr Anwohner setzen sich gegen röhrende Maschinen und illegale Straßenrennen zur Wehr
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Motorradfahren in der Eifel: Immer mehr Anwohner setzen sich gegen röhrende Maschinen und illegale Straßenrennen zur Wehr.
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Motorradfahren in der Eifel: Immer mehr Anwohner setzen sich gegen röhrende Maschinen und illegale Straßenrennen zur Wehr.

Region. Geschimpft wurde schon immer über Motorradlärm in der Eifel, aber genützt hat das meistens nicht viel. Die Protestbewegung aber, die in diesem Sommer in der Gemeinde Simmerath mobil gemacht hat, hat mit ihren bisher zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen gegen Motorradlärm bereits eine hohe Wahrnehmung erreicht.

„Die Aktionen auf dem Parkplatz haben schon viel gebracht“, heißt es einhellig von Seiten der Organisatoren. Am 17. Juni und am 16. Juli hatten sich jeweils rund 30 lärmgeplagte Bürger aus den Orten Einruhr, Kesternich, und Dedenborn auf einem bei Bikern heiß begehrten Parkplatz an der B266 unterhalb des Anwesens „Schöne Aussicht“ eingefunden und die Fläche mit Privatfahrzeugen und einem Lkw für sich eingenommen. Noch eine schmale Zufahrt blieb frei. „Heute Ruhetag“ , „Lärm macht krank“ oder „Bike ja – Raser nein“ war auf Spruchbändern bei der genehmigten Aktion zu lesen. Die Bürger haben die Nase voll vom Lärm.

Lärm ist für die „Bürgerinitiative gegen Raser“ aus Hürtgenwald im benachbarten Kreis Düren, die es seit Frühjahr 2016 gibt, das geringste Problem. Etwa 20 Personen legen den Fokus auf die Gefährdung, die von einigen Motorradfahrern auf der sogenannten Panoramastraße zwischen Vossenack und Schmidt ausgehen würde. Anwohner Rolf Wenzler spricht von einem „kleinen Nürburgring“, wenn er an die Verhältnisse auf Straßen und Parkplätzen bei gutem Wetter denkt: „Es gibt quasi ein kleines Fahrerlager. Manche bringen auf Anhängern ihre Motorräder, da stehen welche mit Stoppuhren, und sogar Cheerleader sind dabei. Anderen liegen in Hängematten zwischen den Bäumen und schauen zu. Das ist eine Rennstrecke geworden, ein rechtsfreier Raum.“

Für die Anwohner ist klar, dass auf der Panoramastraße illegale Straßenrennen gefahren werden, die bislang auch nicht unfallfrei geblieben sind. Und weil illegale Straßenrennen per Gesetz seit Juni als Straftat gelten, will die Bürgerinitiative, dass die Staatsgewalt härter gegen das Treiben vorgeht. Sie wünscht sich auch, dass die Polizei des Kreises Düren ebenso Präsenz zeigt wie der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach bei den Protesten in Einruhr. Weinspach hat angekündigt, dass er sich auch einmal persönlich von der Situation vor Ort auf der B266 überzeugen möchte.

Mit Blick auf die vermeintlichen Rennen auf der Panoramastraße besteht jedoch zumindest das Problem, dass Cheerleader und Stoppuhren nur Indizien und keine Beweise für ein Rennen sind. Der Polizei ist die Strecke bekannt, fährt dort auch präventive Runden – die beschriebenen Zustände mit Cheerleadern und Hängematten hätten die Beamten aber noch nicht gesehen. Nach Aussagen von Wenzler und seinen Mitstreitern würden sich immer die gleichen Gruppen aus mindestens zehn bis 15 Personen (in der Spitze bis zu 50) treffen, aber „nicht die bösen Holländer“, sondern Ortskundige und Fahrer mit Kennzeichen aus ganz NRW. „Wir haben versucht, mit den Fahrern zu sprechen, aber das ist unmöglich. Wir trauen uns auch nicht, Fotos zu machen, weil die Leute schnell aggressiv werden. Wir haben Angst“, sagt Wenzler, der sich nach den Sommerferien mit der Protestbewegung aus der Nordeifel zusammensetzen will.

Die betont, dass im Fokus ihres Protestes „die Handvoll Leute steht, die abends ab 18 Uhr ihre Rennen veranstaltet“. Bis zu 40 Biker fänden sich dazu auf dem Parkplatz oberhalb von Einruhr ein. Hier habe sich eine regelrechte „Basisstation“ entwickelt. Wenn der Verkehr abnehme, gehe es auf die Rurseerunde. Ziel sei es, die rund zwölf Kilometer lange kurvenstreiche Berg- und Talstrecke „unter sechs Minuten“ zu bewältigen.

Diese Entwicklung war es letztlich auch, die bei vielen Bürgern das Fass zum Überlaufen und sie bewegte, auf die Straße zu gehen, den Sonntag zu opfern und in wechselnden Schichten den Tag auf einem Straßenplatz zu verbringen. Ihrer Beobachtung nach habe sich die Situation in den zurückliegenden Jahren verschärft. Mitglieder der Initiative notierten sich Kennzeichen und stellten fest, dass bestimmte Biker an einem Abend „bis zu 20 Mal“ auf und ab fuhren, um an ihrer Kurventechnik zu feilen.

Die Bürgerinitiative plant weitere Aktionen (unter anderem sollen alle Bürger zu einer Versammlung nach Einruhr eingeladen werden). Kurzfristig war auch eine Internetseite der Gruppe zugänglich, aber nachdem es heftige verbale Attacken gegen Mitglieder der Bürgerinitiative gab, wollte niemand mehr verantwortlich zeichnen und so ist die Seite derzeit nicht verfügbar.

Viele Emotionen

Die Bürgerinitiative hat mit ihren Aktionen erreicht, dass der für die Bewirtschaftung des Parkplatzes zuständige Landesbetrieb Straßenbau NRW sich die Situation vor Ort bereits angeschaut hat, und in Kooperation mit der Gemeinde Simmerath Überlegungen anstellt, wie man die Aufenthaltsqualität für Biker auf dem Platz verringern kann. Möglicherweise soll ein Schotterbelag aufgebracht werden, denn kleine Steinchen in den Profilen ihrer Reifen können Motorradfahrer überhaupt nicht leiden. „Die Maßnahme soll kurzfristig umgesetzt werden“, sagte Bruno Wilden, der Leiter des Simmerather Ordnungsamtes.

Letztlich wissen auch die Verantwortlichen der Initiative, dass, dass der Dialog schwierig ist, es nur wenig echte Lösungsansätze gibt und die Emotionen überwiegen, wie sich bei zahlreichen Gesprächen auf dem überfüllten Parkplatz zeigte. Viele Biker sind dialogbereit und haben auch Verständnis für den Ärger der Anwohner , aber teilweise fühlen sie sich auch regelrecht verfolgt und sehen ihre Persönlichkeitsrechte verletzt, wenn Anwohner hingehen würden und die Aktivitäten auf dem Parkplatz filmten. „Massive Verbote wie eine Streckensperrung werden wir wahrscheinlich nicht erreichen“, sieht die Bürgerinitiative den Rahmen ihrer Möglichkeiten begrenzt. Daher sei es umso wichtiger, „dass auch die Politik mitspielt“.

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