Herzogenrath - Gemeinsame Weihnachtskisten-Aktion startet

Gemeinsame Weihnachtskisten-Aktion startet

Von: Angela Delonge
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Eine Lebensaufgabe: Dieter Lecher von der Herzogenrather Tafel bringt seine politische Überzeugung auf die Straße. Artikel 1 des Grundgesetzes steht auf dem Tafelauto. Foto: Markus Bienwald
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Waltraud Lecher ist das Herz der Tafel. Foto: Bienwald

Herzogenrath. Ibrahim Ataia kommt jeden Tag zur Herzogenrather Tafel. Dabei ist er gar kein Kunde. Ataia kommt als Freund und Dolmetscher. Der 68-jährige Mann aus Damaskus ist vor 15 Monaten nach Herzogenrath gekommen, seine Kinder leben und arbeiten schon lange hier – als Ärzte am Würselener Krankenhaus.

Jetzt sitzt Ataia bei Tafelchef Dieter Lecher im Büro und weint. Sein Haus in Damaskus ist zerstört, alles in der Heimat ist zerstört, da haben seine Kinder gesagt: „Papa, komm zu uns nach Deutschland.“ Für Waltraud und Dieter Lecher ist das ein Segen. Denn Ataia ist nicht nur ein wertvoller Helfer geworden sondern auch ein Freund.

Bei der Herzogenrather Tafel geht es nämlich um sehr viel mehr als um Essen. Hier geht es um Wärme und Liebe. Hier zählt alleine der Mensch und zwar jeder einzelne, unabhängig von seiner Herkunft und seiner Religion. Dieter Lecher, der die „Tafel mit Herz“ vor gut zehn Jahren gegründet hat, sagt es so: „Die einzigen Kategorien, die bei uns zählen, sind Gut und Böse.“

Für 1500 Menschen ist die Tafel längst eine Institution in Herzogenrath, und das Motto der Lechers ist nicht nur ein flotter Spruch sondern tatsächliche, innere Verpflichtung. Helfen ist für Waltraud und Dieter Lecher eine Lebensaufgabe, die Arbeit in der Tafel empfinden sie nicht als Arbeit sondern als Glück. Nicht von ungefähr fährt Dieter Lecher auf dem Tafelauto seine politische Überzeugung durch die Lande: Artikel 1 des Grundgesetzes – die Würde des Menschen ist unantastbar.

Dieser Satz gilt für die Lechers uneingeschränkt, gerade jetzt mehr denn je. Ein Drittel neue Kunden verzeichnet auch die Herzogenrather Tafel, viele von ihnen sind Flüchtlinge. Sie werden hier behandelt wie jeder andere, nämlich gut. Und dank der Hilfe von Ibrahim Ataia wird ihnen auch bei vielerlei Alltagsproblemen geholfen. Besser ist Integration von Menschen aus 35 Ländern wohl kaum vorstellbar.

Aber manchmal sorgen die Flüchtlinge auch für leichten Unmut unter den Altkunden. Sie haben dann das Gefühl, ihnen könnte etwas weggenommen werden, weil es ja jetzt viel mehr Bedürftige gibt, und weil Waltraud Lecher den Neuankömmlingen auch schon mal ein kleines Extra zukommen lässt. Dann fragen sie: „Waltraud, warum magst du die Ausländer?“ „Weil die noch viel mehr durchgemacht haben als ihr“, sagt Waltraud Lecher dann. Punkt. „Dann ist Ruhe“, sagt sie. Klare Worte bei einer Frau, die am liebsten ihr Herz sprechen lässt.

Denn Waltraud Lecher will eigentlich gar nicht erziehen, sie will geben. Sie ist das Herz der „Tafel mit Herz“. Und die Mama. Tatsächlich ist die Herzogenrather Tafel nicht nur ein Familienbetrieb, sie ist Familie. Für alle, die dort an vier Tagen die Woche um Essen anstehen. Und für einen Pauschalbetrag von je zwei Euro ihren Tagesbedarf an Lebensmitteln decken.

Was von den gespendeten Lebensmitteln übrig bleibt, spendet die Tafel wiederum dem Flüchtlingsheim in Merkstein. Vier mal die Woche. Denn wenn die Lechers eines nicht leiden können, dann ist es „Gleichgültigkeit gegenüber dem Elend anderer“.

Daher liegt Dieter Lecher auch die Weihnachtskistenaktion besonders am Herzen. 450 Kisten werden jedes Jahr an diejenigen verteilt, die die Tafel regelmäßig in Anspruch nehmen. Für die Lechers ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie Jahr für Jahr auch selber Kisten packen und verschenken. Jede gespendete Kiste stärkt ihren Rücken, denn die Lechers möchten „Zuversicht ausstrahlen“. Zu wenige Kisten gab es zum Glück noch nie bei der Herzogenrather Tafel.

Zu viele Kisten könne es gar nicht geben, sagt Waltraud Lecher: „Wenn etwas übrig bleibt, verteilen wir das im Januar. Sie glauben gar nicht, wie sehr es den Leuten dann an allem mangelt.“

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