Gelungenes Marketing: in Aachen preiswürdig

Von: Bernd Büttgens
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Hans-Willi Schroiff lehrt in diesem Wintersemester an der Tuck School of Business in Hanover, das liegt in New Hampshire. Der RWTH-Honorarprofessor (Lehrstuhl für Marketing), promovierter Psychologe, ist ein vielgefragter Experte. Er hat großen Praxisbezug, schließlich war er bei Henkel über lange Jahre weltweit für die Marktforschung verantwortlich. In diesem Jahr gründete er das Beratungsunternehmen „InnoChainge“.

Schroiff spricht in diesem Interview mit großer Leidenschaft vom erstmalig ausgeschriebenen Aachener Marketingpreis, den er als Juror mit Spannung begleitet.

Warum wird es allerhöchste Zeit, dass in Aachen ein Marketingpreis verliehen wird?

Schroiff: Der Marketing-Club Aachen hat sich als wirkliche Größe in der Riege der Marketingclubs in Deutschland etabliert. Und was liegt da näher, als diese Leistungen über die Region hinaus auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wer Gutes tut, darf auch drüber reden. Und da wird es allerhöchste Zeit – wie Sie ja schon gesagt haben.

Als Professor werden Sie sicherlich oft gefragt, was eigentlich gutes Marketing ausmacht. Gibt es eine Faustregel?

Schroiff: Ich bin da nicht nur als Professor, sondern auch als langjähriger globaler Marktforschungschef von Henkel der Meinung, dass „Marketing“ zweierlei ist. Zunächst natürlich eine Disziplin, wie man ein (gutes) Produkt in die Köpfe und Herzen der Verbraucher trägt – und die es dort auch behalten. Auf der anderen Seite ist „Marketing“ eine Einstellung oder Philosophie in einer Firma: nämlich das Bestreben von allen Unternehmens-Funktionen, den Kunden und seine Bedürfnisse immer an die erste Stelle zu setzen. Nur dann schaffe ich es auf Dauer, immer den entscheidenden Schritt voraus zu sein, zum Beispiel wenn es um die Generierung von konsumentenzentrierten Innovationen geht. Gutes Marketing ist, wenn der Konsument „Hurra“ schreit.

Wie ist es allgemein um die Marketing-Szene in Aachen bestellt?

Schroiff: Zunächst bleibe ich bei meiner Aussage, dass es um das Marketing in meiner Heimatstadt schon sehr gut bestellt ist. Aber selbst das Gute kann und muss immer noch besser werden. Und von daher setzen wir auch hier – wie beim CHIO – auf den Spaß am Wettbewerb als Stimulation für Fortschritt. Technologische Produkte könnten natürlich durchaus häufiger mit einer Marketing-Girlande behangen werden, vor allem, wenn sie von Endverbrauchern genutzt werden. Und wenn Sie mich so direkt indirekt fragen: Ich glaube, dass vor allem im Bereich des Stadtmarketings immer noch viel Luft nach oben ist. Das zeigen die Städte Düsseldorf und Hamburg, die sich intensivst um diese Themen kümmern und sehr erfolgreich agieren, was die Steigerung von Besucherzahlen angeht.

Der Preis wird in zwei Kategorien verliehen – für die beste Marketingleistung im Kammerbezirk und für die beste Marketingleistung aus dem Kammerbezirk für die Welt da draußen. Warum die Zweiteilung?

Schroiff: Bahnbrechende Marketingleistungen halten sich nicht an geographische Grenzen, erfolgreiche Konzepte werden rasch (inter)nationalisiert. Von daher wollen wir in Rechnung stellen, dass natürlich die Erfolge in der Region adäquat gewürdigt werden müssen. Aber wir wollen auch diejenigen Projekte berücksichtigen, deren kreative Dienstleistungen zwar vor Ort in der Region erbracht wurden, aber sich außerhalb des Kammerbezirkes wirtschaftlich niederschlagen. Und das ist damit auch eine typische Öcher Lösung – nämlich eine, mit der alle zufrieden sind.

Sprechen wir über Aachen. Was ist bei der Profilierung und Positionierung einer Stadt wichtig?

Schroiff: Eine Stadt ist wie eine Marke. Eine „Markierung“ im Kopf eben, von der man etwas weiß, aber für die man auch emotional etwas fühlt, auf die man beispielsweise stolz ist und mit der man sich vielleicht gerne zeigt. Aber wofür eine Marke in den Köpfen und Herzen der Menschen stehen soll oder steht, das muss man definieren. Das nennt man in der Fachsprache „Positionierung“. Und über deren professionelle Inszenierung erfahren Nicht-Aachener dann gezielt etwas darüber, wie schön und bedeutsam diese Stadt ist. Und dann werden sie sich nicht davon abhalten lassen, Aachen auch einmal auszuprobieren. Von daher halte ich es für konsequent, dass man von ganz oben darüber nachdenkt, wie man denn die Marke „Aachen“ profilierter positionieren und inszenieren kann.

So darf man die Auslobung eines Preises für das örtliche Standortmarketing auch als Botschaft verstehen?

Schroiff: Na klar, einen größeren Zaunpfahl gibt es ja praktisch gar nicht. Es ist aber überhaupt nicht kritisch gemeint, sondern eher nett motivierend. Sehen Sie, nach dem Markenpotenzial, das Aachen besitzt, würden sich die meisten Stadtmarketing-Verantwortlichen die Finger lecken. Das steht völlig außer Frage. Diesen Nibelungenschatz nicht zu heben, wäre fast so, als ob Bayern München den Ribéry eine ganze Saison auf der Bank sitzen lässt. Aber da bin ich tiefenentspannt. So was Wunderbares wie seine Heimatstadt lässt ein Aachener nicht auf der Bank sitzen. Und so sehe ich hier den Beginn einer wunderbaren Leidenschaft der Stadt für ihr Marketing.

Welche sind aus Ihrer Experten-Sicht die besten Aachener Werbebotschaften?

Schroiff: Aachen hat viele wunderbare Spannungsbögen zu bieten – von Kaiser Karl in der Vergangenheit bis hin zur RWTH, eine der Elite-Hochschulen der Gegenwart. Von diesem speziellen internationalen Dreiländereck-Flair hin zur Unverwechselbarkeit einer Region. Von einer Flora zwischen Zuckerrübe und Hochwald. Hier kann man heiße Bäder nehmen, sich zum Dr.-Ing. ausbilden lassen, Karnevalsprinz werden, den „Preis der Nationen“ gewinnen, im Elisengarten ein Bier trinken, vor dem großen Dom ganz klein werden, im schönsten Rathaus der Welt heiraten – und vieles, vieles mehr. Und nicht zuletzt die Printen, davon habe ich hier in den USA immer eine Notration. Und wenn das Heimweh kommt, dann hilft einem eine Aachener Kräuterprinte über die schlimmsten Stunden hinweg. Da wird sich doch wohl das eine oder andere Ankerthema fürs Marketing finden lassen.

Um es also auf den Punkt zu bringen: Was wollen Sie und Ihre Mitstreiter im Marketing-Club mit dem Marketingpreis erreichen?

Schroiff: Das, was bereits erreicht wurde, entsprechend würdigen und zu dem, was wir uns vorgenommen haben, auf Öcher Art motivieren: nicht mit tierischem Ernst, aber eben doch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert