Geldautomaten-Sprengungen: Ermittler sprechen von organisierter Kriminalität

Von: ddp-nrw
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Düsseldorf. Es ist eine Serie, die der Polizei am gesamten Niederrhein Kopfzerbrechen bereitet: Seit einigen Monaten sprengen bislang unbekannte Täter nahezu wöchentlich gepanzerte Geldautomaten in die Luft. Die Ermittler sprechen von organisierter Kriminalität, die Spur führt nach Rumänien.

Schon einmal waren Täter aus dem südosteuropäischen Land am Werk und hatten Geldautomaten in verschiedenen Teilen Deutschlands, Österreichs und Italiens zur Explosion gebracht.

„Erstmals aufgetreten ist das Phänomen bei uns 2005”, sagt Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf. „Damals hatte es vergleichbare Taten in Bochum, Düsseldorf, Duisburg, Titz, Neukirchen-Vluyn, Moers, Mönchengladbach, Lohmar und Sinzig gegeben.” Die Täter hatten dabei laut Ermittlungen ein Gasgemisch ins Innere der Automaten geleitet und die Apparaturen auf diese Art und Weise zum Explodieren gebracht. „Anschließend haben sie das Geld aus den Automaten geraubt und sind blitzschnell vom Tatort verschwunden”, sagt LKA-Sprecher Scheulen.

Fast zwei Jahre lang habe man damals nach der Bande gefahndet, dann seien die Männer gefasst worden. Es habe sich um Rumänen gehandelt, die nach Deutschland ausschließlich eingereist seien, um hier Geldautomaten zu sprengen. „Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass auch jetzt wieder Täter aus Rumänien am Werk sind. Die Begehungsweise ähnelt stark den Taten aus der Serie von 2005 bis 2007”, sagt Scheulen. „Allerdings sitzen einige der Männer, die wir damals gefasst haben, noch in Haft.” Dementsprechend könnte es sein, dass die Hintermänner der „Geldautomaten-Bande” neue Täter instruiert haben, um ihre Beutezüge in Deutschland fortzusetzen.

Begonnen hatte die aktuelle Serie Anfang des Jahres in Siegen. Es folgten weitere Geldautomaten-Sprengungen in Banken und Sparkassen im Rhein Kreis Neuss, in Stolberg bei Aachen, Krefeld, Moers, Willich und dem niederländischen Roermond. Zur Höhe der Beute macht die Polizei keine Angaben. „Gehen Sie davon aus, dass sie jeweils beträchtlich ist”, erklärt ein Experte auf ddp-Anfrage und belegt diese Aussage mit dem Hinweis auf einen früheren Fall in Mönchengladbach-Wickrath: Damals hatten die Täter rund 100.000 Euro aus dem frisch aufgeladenen Automaten gestohlen.

„Dazu kommt jeweils auch noch der Schaden am Gebäude, der auch deutlich in die Zehntausende geht”, sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen. Die Täter würden sich selbst regelmäßig in große Gefahr begeben. Einmal sei eine Geldautomaten-Sprengung fast tödlich verlaufen. So sei einer der Täter bei einer Explosion in Sinzig in Rheinland-Pfalz vor drei Jahren schwer verletzt worden. „Seine Komplizen haben ihn daraufhin vor einem Krankenhaus abgeladen und sind geflüchtet”, so Scheulen.

Die Banken und Sparkassen haben auf die neue Serie inzwischen reagiert: Verschiedene Bankfilialen schließen nachts ihre Vorräume, damit die Täter gar nicht erst bis zum Automaten vordringen können. Andere denken über bessere Sicherheitsvorkehrungen nach. „Auf einem Gelände in Ostdeutschland gibt es Testsprengungen”, berichtet Bernd Küppers, Sicherheitsexperte beim Rheinischen Sparkassen- und Giroverband. Dort werde vonseiten der Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung auf einem speziellen Gelände getestet, wie man Automaten sicherer machen könne. „Allerdings kann man nicht von jetzt auf gleich alle Automaten in NRW auf den neuesten Stand bringen”, sagt Küppers. „Es gibt 5000 Geldautomaten, die können Sie nicht komplett austauschen.”

So wird die Polizei weiter versuchen müssen, der Automaten-Bande auf die Spur zu kommen. In einigen Regionen fahren die Ermittler bereits verstärkt vor Geldinstituten Streife. Eine heiße Spur gibt es allerdings noch nicht.
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