Geiselgangster Rösner streitet mit JVA Aachen

Von: Wolfgang Schumacher
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1988: Rösner während der Flucht im Interview. Seit Juni 2013 sitzt er in der JVA Aachen. Foto: Archiv/dpa

Aachen. Eigentlich darf Rösner raus, aber er will nicht, jedenfalls nicht so. Hans-Jürgen Rösners Name ist untrennbar mit dem Geiseldrama von Gladbeck verbunden, 1988, drei Tote, drei Tage Flucht, zum Teil live im Fernsehen übertragen. Seit Juni 2013 sitzt er im Aachener Gefängnis (JVA), seine Haft könnte bald beendet sein, im August 2016 ist Haftprüfungstermin.

Auf die mögliche Entlassung muss jeder Häftling vorbereitet werden, Rösner auch, so steht es im Gesetz. Aber so, wie die Aachener JVA sich das vorstellt, will Rösner es nicht. Möglich, dass bald ein Gericht über Rösners Ausgang entscheidet.

Hans-Jürgen Rösner (57) steht im Ruf, ein Verweigerer zu sein, davon weiß JVA-Anstaltsleiterin Reina Blikslager ein Lied zu singen. Rösner hatte mit Dieter Degowski am 16. August 1988 eine Bankfiliale in Gladbeck ausgeraubt. Sie nahmen Geiseln und flüchteten durch NRW, Niedersachsen, Bremen und die Niederlande. In einer Fußgängerzone gab Rösner noch während der Flucht Journalisten aus dem Auto heraus ein Interview. Die Polizei versagte, Silke Bischoff, ein Polizist und ein 15-Jähriger starben. Einige Medienvertreter gerieten in argen Misskredit, zu Recht.

Der Streit zwischen Rösners Anwalt Rainer Dietz (Aachen) und der JVA entzündete sich auch 2014 am Thema Presse. Aus Angst, das bestätigte die Anstaltsleiterin Blikslager am Freitag gegenüber unserer Zeitung, der Ausgang Rösners werde vorzeitig publik, könne der Häftling nur kurz vor der Ausführung informiert werden und müsse direkt von der Arbeit weg seinen Ausgang antreten. In „völliger Heimlichkeit“, wie es in dem Schreiben der JVA an die zuständige Strafvollstreckungskammer des Aachener Landgerichts heißt. Zudem dürfe Rösner sich nur unter Bewachung in Freiheit bewegen.

Das kommt für Rösner alles nicht in Frage. Er müsse sich nach 26 Jahren Gefängnis auf die paar Stunden in der Außenwelt vorbereiten. „Er ist ein harter Typ. Aber auch er braucht Vorbereitung“, sagt Anwalt Dietz und beantragte in dem Fall eine richterliche Entscheidung. Dabei reiche es schon, so der Anwalt, dass man den Gefangenen „am Tag vorher“ informiere, schöner sei natürlich ein längerer Zeitraum. Nur so könne Rösner schließlich seine Schwester informieren oder Gespräche mit seinem Anwalt vereinbaren.

„Ein Tag vorher geht“

Rösner sei trotz seiner damaligen Prominenz „ein Gefangener wie jeder andere“ – und als solcher zu behandeln, sagt Dietz. Im Vordergrund stehe laut Landesgesetz die Resozialisierung der Straftäter. Rösner sei durchaus bereit, sich in Therapiegespräche zu begeben. JVA-Leiterin Blikslager forderte nochmals, Rösner müsse „selbst einen Anteil“ dazu beisteuern. Aber es sei sicherlich so, dass man ihn unmittelbar am Tag vor der Ausführung kurz informieren könne: „Ein Tag vorher geht“, sagte sie.

Hinweis: In einer vorherigen Version des Artikels war von zwei Toten die Rede. Richtig ist, dass bei der Geiselnahme drei Menschen starben.

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