Gehen Belgiens marode Reaktoren 2015 noch ans Netz?

Von: Madeleine Gullert
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Gehen die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 schon 2015 wieder ans Netz? Foto: dpa

Lüttich. Die maroden Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 sollen noch in diesem Jahr wieder ans Netz gehen. Das melden mehrere belgische Medien, darunter der flämische Rundfunk VRT, und berufen sich auf „vertrauenswürdige“ Insider, die namentlich nicht genannt werden wollen.

Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC entscheidet darüber, ob die beiden Rissreaktoren den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. FANC-Sprecher Sébastien Berg sagte am Freitag gegenüber unserer Zeitung, dass es keine offizielle Entscheidung gebe. Diese werde erst in den kommenden Tagen fallen. Bis dahin werde man sich nicht äußern, auch nicht über eine Tendenz, wohin die Entscheidung geht. Berg dementierte die Insider-informationen aber nicht, was womöglich darauf hindeutet, dass die FANC dem Betreiber der beiden Atomkraftwerke, Electrabel, tatsächlich grünes Licht geben wird.

Reaktoren wohl betriebsbereit

Reaktorblock Tihange 2, der bei Lüttich und somit nur 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt, und Doel 3, der bei Antwerpen, also etwa 150 Kilometer von Aachen entfernt liegt, sind seit März 2014 abgeschaltet. Der Grund sind Tausende Risse in den Druckbehältern: 3149 in Tihange und 13047 in Doel. Im Februar dieses Jahres war bekannt geworden, dass die Risse in Doel bis zu 17,9 Zentimeter, in Tihange bis zu 15,4 Zentimeter lang sind. Seitdem untersuchten unabhängige Experten die Sicherheit der Reaktoren.

Am Donnerstag erst sei die Expertise der amerikanischen Wissenschaftler eingegangen, erklärte FANC-Sprecher Berg. Auch andere Ergebnisse lägen der Atomaufsichtsbehörde schon vor. Eine endgültige Entscheidung gebe es aber noch nicht. Womöglich hatten sich Menschen, die die Expertisen kennen, an die belgische Presse gewandt. Man wisse nicht, wer die Informanten seien, aber „das hat uns schon überrascht“, sagte er.

Laut der belgischen Tageszeitung „Le Soir“ soll Electrabel intern die Anweisung gegeben haben, alles für ein Wiederanfahren vorzubereiten. „In Tihange 2 und Doel 3 wird schon gearbeitet, damit die Reaktoren schnell angefahren werden können“, sagte Damien Ernst, Professor an der Universität in Lüttich, der Zeitung. Betreiber Electrabel dementierte dies auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir warten auf die Entscheidung der FANC“, sagte Electrabel-Sprecherin Anne-Sophie Hugé.

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte der Fraktionsführer der belgischen Grünen, Jean-Mac Nollet (Ecolo), dass eine Inbetriebnahme der beiden Reaktoren unmittelbar bevorsteht. „Solch eine Entscheidung ist skandalös und unverantwortlich“, sagte Nollet. Sobald es eine offizielle Entscheidung gibt, werde er Einsicht in die Dokumente der FANC einfordern.

In Belgien hatte es seit Tagen Irritationen darüber gegeben, dass weder Energieministerium noch Electrabel zügig Details zur Verlängerung von Doel 1 und 2 vereinbaren. Wenn ein entsprechendes Gesetz nicht bis Ende November verabschiedet ist, wird die Laufzeitverlängerung um zehn Jahre gekippt. Um einen Blackout zu vermeiden, hatte das Parlament einer Laufzeitverlängerung zugestimmt.

Doel 1 ist schon abgeschaltet, Doel 2 müsste im Dezember vom Netz, weil Akw in Belgien nach 40 Jahren Betriebszeit abgeschaltet werden müssen. Wenn nun aber die Pannenreaktoren Tihange 2 und Doel 3 ans Netz gehen, ist die Laufzeitverlängerung für die anderen beiden Reaktoren nicht mehr nötig. Tihange 2 und Doel 3 decken 15 Prozent des Strombedarfs.

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