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Gegner von Tihange formieren sich neu

Von: Christian Rein
Letzte Aktualisierung:
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In direkter Nachbarschaft: Das Kernkraftwerk Tihange liegt vor den Toren von Huy, südlich von Lüttich, direkt an der Maas. Von Aachen ist es etwa 60 Kilometer Luftlinie entfernt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Seit Anfang Juni des vergangenen Jahres sind die belgischen Kernreaktoren Tihange 2 in der Nähe von Lüttich und Doel 3 bei Antwerpen wieder am Netz. Nicht nur für die Anti-Atomkraft-Bewegung, sondern auch für namhafte Wissenschaftler ist das unverantwortlich, denn die Ursache für die rund 8700 Risse im Druckbehälter von Doel 3 und die rund 2000 Risse im Druckbehälter von Tihange 2 sind aus ihrer Sicht längst nicht geklärt.

Auf einer zweitägigen Konferenz, die am Freitag in Aachen begonnen hat, wollen Aktivisten aus Deutschland und Belgien, Experten und Politiker sich nochmals kritisch mit den Argumenten für den Weiterbetrieb der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC und des Betreibers Electrabel auseinandersetzen.

Ziel ist ein umfassender Bericht, der unter anderem Widersprüche in der Argumentation, offene Fragen und konkreten Informationsbedarf zu technischen Details aufdecken soll. Mit diesem Bericht sollen dann etwa die FANC, die belgische Regierung, die Bundesregierung und die EU-Kommission konfrontiert werden. Kurz gesagt: Die Kernkraft-Gegner formieren sich, um einen neuen Angriff gegen Tihange und Doel auf der politischen Bühne zu starten.

„Der Betreiber behauptet, dass die Risse bereits bei der Herstellung entstanden sind“, sagte Ilse Tweer, Materialwissenschaftlerin, die sich seit Jahrzehnten mit Strahlenschäden an Kernreaktoren befasst. Sie ist eine von sieben Experten, die an der Konferenz teilnehmen. Dazu gehören auch der Risikoforscher Wolfgang Kromp oder Dieter Majer, der bis 2011 technischer Leiter der deutschen Atomaufsicht war.

„Der Betreiber muss natürlich so argumentieren“, sagte Tweer. „Wenn die Schäden nämlich im Betrieb entstanden wären, müssten die Reaktoren abgeschaltet werden.“ Tweer hält die Argumentation allerdings für eine Vermutung, denn einen Nachweis für ihre These blieben Electrabel und die FANC bislang schuldig. Die gemachten Tests seien nicht repräsentativ, brauchbare Vergleichsproben lägen auch nicht vor.

Politisch flankiert wird die Expertenrunde von Rebecca Harms, Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, und Oliver Krischer, Vize-Fraktionschef der Grünen im Bundestag. Harms betonte, die Energiewende müsse in europäischen Dimensionen gedacht werden. Sie griff EU-Energiekommissar Günter Oettinger scharf an, der weiter für die Kernenergie eintrete: „Es ist wichtig zu verstehen, dass die Stresstests von Herrn Oettinger nur Alibi-Tests sind, die dazu dienen, längere Laufzeiten von Atomkraftwerken zu ermöglichen.“

Hoffnungen setzen Harms und Krischer hingegen in die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die auch für den Bereich Reaktorsicherheit zuständig ist. „Bislang war es Haltung der Bundesregierung, dass Tihange und Doel eine Sache Belgiens sind“, sagte Krischer. „Frau Hendricks wird das nun möglicherweise etwas anders in Brüssel thematisieren.“ Aber auch eine Initiative aus Nordrhein-Westfalen schloss Krischer nicht aus.

Der Bericht der Tihange-Gegner soll in den nächsten Wochen vorgestellt werden.

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