Gegenseitige Beschuldigungen im Wassenberger Mordprozess

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Hauptangeklagte Janosch Wolfgang S. beim Betreten des Saals im Aachener Landgericht. Foto: dpa

Wassenberg/Aachen. Zwei Prozesstage lang plädierten die sechs Anwälte der drei Angeklagten im sogenannten Wassenberger Mordprozess, Janosch S. (67), Franky G. (37) und Norbert D. (47). Danach brachen im Aachener Schwurgericht wieder erhebliche Fronten auf zwischen dem Hauptangeklagten S. und dem erheblich jüngeren Franky G., der weitläufig mit S. verwandt ist.

Beide sind Mitglieder einer großen Roma-Familie im Wassenberger und Krefelder Raum, deren Oberhaupt Janosch S. ist. Beide belasten sich, am frühen Abend des 21. Oktober auf einem Wassenberger Waldparkplatz den aus Bonn stammenden Markus D., einen Bruder des Wassenberger Arztes Michael D., mit schweren Ziegelsteinen erschlagen zu haben.

Der dritte Angeklagte, Norbert D. aus Wegberg, soll dabei nach der Auffassung seiner Verteidiger keine Beihilfe geleistet habe, weil er bei der Tat selber nicht anwesend war und erst später, völlig überrascht, beim Verstecken der Leiche geholfen hätte.

Erst bei der zweiten Tat, später am selben Abend, als sich das Trio aufgemacht hatte, um angeblich auch den Bruder des ersten Opfers zu töten, den Arzt Michael D., sei er bewusst mitgefahren und habe damit Beihilfe zu einem versuchten Mord geleistet. Der Wassenberger Arzt konnte trotz Kopfverletzungen fliehen und der Polizei von der grausamen Tat berichten.

Die Verteidiger des jüngeren Franky G. führten aus, dass ihr Mandant von dem dominanten und manipulativ vorgehenden Familienoberhaupt Janosch S. über dessen eigentliche Pläne im Dunkeln gelassen wurde. Jener habe den Jüngeren geködert und eben nicht gesagt, dass es darum gehe, das Brüderpaar umzubringen.

Und G. habe das auch nicht getan. Die Familie der beiden Opfer hatte Janosch S. nach Angaben der Geschädigten bis zu zwei Millionen Euro Geld zu Anlagezwecken überlassen, von dem sie an diesem Abend einen Teil wieder haben wollte. Das Geld ist bis heute verschwunden.

Die Betrugstaten, erklärte der Verteidiger von S., Bernd Kretschmann, lägen auf der Hand und könnten nicht abgestritten werden. Über die Summen gebe es aber erhebliche unterschiedliche Auffassungen. Für die weitere Anwältin von S., Iris Stuff, sei ihrem Mandanten letztlich nur eine gefährliche Körperverletzung bei den Steinschlägen auf den Kopf des Arztes zuzurechnen. Sie forderte eine zeitlich begrenzte Strafe.

Demgegenüber hatte Staatsanwalt Sebastian Muhl eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und eine Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für S. beantragt. Auch für Franky G. fordert die Staatsanwaltschaft lebenslänglich.

Das Urteil soll am kommenden Mittwoch, 4. Dezember, um 15.30 Uhr gesprochen werden.

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