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Geflohener Vergewaltiger wieder hinter Gittern

Von: Ulrike Hofsähs, dpa
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Vergewaltiger Brühl
In dem Geschäft hat ein entflohener Vergewaltiger ein Fahrrad gekauft. Der von einem Großaufgebot der Polizei gesuchte Mann ist dann in Brühl bei Köln gefasst worden. Foto: Henning Kaiser/dpa

Brühl. Der Kunde trug Mütze und Brille, sein Schnäuzer ist abrasiert. Der große Mann kauft ein Fahrrad, eines mit einem tiefen Einstieg, bezahlt mit EC-Karte und fährt davon. Es dauert nicht lange, da ruft die Polizei in dem Fahrradgeschäft an und enthüllt die Identität des Kunden.

Der mit großer Öffentlichkeitsfahndung Gesuchte ist auf seinem neuen Rad unterwegs, als eine Polizeistreife ihn ohne Widerstand auf der Kurfürstenstraße in Brühl festnimmt.

Ein Verkäufer erzählt später, er und seine Kollegen hätten den entflohenen Mann nicht erkannt. Die Polizei erklärt, der Hinweis auf das Fahrradgeschäft sei am Samstag um 10.50 Uhr eingegangen. Offenbar verriet sich der verurteilte Vergewaltiger durch den Gebrauch seiner EC-Karte.

Drei Tage zuvor war der Gefangene der JVA-Aachen bei einem begleiteten Ausgang in Köln unter spektakulären Umständen getürmt. Der 1,88 Meter große Mann besuchte mit zwei Justizvollzugsbeamten ein Brauhaus am Kölner Dom. Inmitten des unübersichtlichen Gewimmels verschwand er beim Gang auf die Toilette. Über den Hergang gibt es unterschiedliche Angaben, jedenfalls erstattete die JVA Aachen Anzeige gegen die Mitarbeiter.

Der 58-Jährige wurde 1991 wegen Vergewaltigung zu neun Jahren Haft verurteilt. Seit 1999 war er in der JVA Aachen in Sicherungsverwahrung für gefährliche Straftäter. Eine Therapie habe er nicht machen wollen, erklärte das NRW-Justizministerium. Aber seltene, begleitete Ausgänge waren möglich.

Ein Großaufgebot der Polizei fahndete nach dem Mann. In Hamburg entpuppte sich ein Hinweis als Fehlalarm. In Bonn war ein Jogger sicher, dass er ihn unter einer Rheinbrücke gesehen hatte. Ob er wirklich dort war, ist nicht klar. „Wir überprüfen das”, sagt Ulrich Bremer, der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft. Wenige Stunden, ehe dem 58-Jährigen wieder die Handschellen angelegt wurden, wurde in der Region nachts eine 21-Jährige von einem Unbekannten brutal angegriffen und Opfer eines Sexualdelikts. Die Ermittlungen laufen.

Dem Haftrichter muss der Hüne nicht mehr vorgeführt werden, er ist ja rechtskräftig verurteilt. Von Kölner Ermittlern wurde er noch am Samstag vernommen, die Nacht verbrachte er in einer der 66 Gewahrsamszellen des Polizeipräsidiums. Dann soll er wieder ins Gefängnis kommen. „Vermutlich nicht nach Aachen zurück”, sagt der Sprecher des NRW-Justizministeriums.

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