Aachen/Köln - Geflohener Vergewaltiger: Flucht mit 30 Minuten Vorsprung

Geflohener Vergewaltiger: Flucht mit 30 Minuten Vorsprung

Von: Claudia Schweda und Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
Früh Köln
Bis den beiden Beamten das Verschwinden des Täters in einem Kölner Brauhaus auffiel, vergingen 30 Minuten. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen/Köln. Die beiden Aachener Justizvollzugsbeamten, denen wegen Gefangenenbefreiung der Prozess gemacht werden soll, haben die Flucht des in Aachen inhaftierten gefährlichen Sexualstraftäters im Januar erst nach fast 30 Minuten bemerkt. Das geht aus Details der Anklage der Staatsanwaltschaft Köln vor, aus denen das Amtsgericht am Donnerstag berichtete.

Demnach haben die beiden Beamten im Kölner Brauhaus „Früh“ den 58-jährigen Sicherungsverwahrten, den sie an diesem 21. Januar auf seinem Freigang durch Köln bewachen sollten, unbegleitet zur Toilette gehen lassen. Sie blieben am Tisch im hinteren Teil des Brauhauses sitzen. Das wäre ein Verstoß gegen die Dienstvorschrift, die vorsieht, den Freigänger „ständig und unmittelbar zu beaufsichtigen“.

Die Aussage der Beamten direkt nach der Flucht würde sich damit als eine glatte Lüge erweisen. Sie hatten damals behauptet, einer von ihnen habe den Häftling zur Toilette begleitet und ihn dort aus den Augen verloren, als er selbst die Gelegenheit zum Urinieren nutzte.

Die Toilette befindet sich im Keller des Brauhauses. Der Sicherungsverwahrte, ein gebürtiger Kölner, dürfte die Örtlichkeiten und mögliche Fluchtwege gekannt haben. In der Anklage steht, dass er die Flucht „von langer Hand geplant“ hatte. Die Ausführung in ein Kölner Brauhaus hatte er sich gewünscht. Da bei seinen vorherigen acht Freigängen etwa in Aachen oder Würselen alles glatt gelaufen war, hatte die Anstaltsleitung ihm diesen Wunsch erfüllt. Fußfesseln waren nie angeordnet worden.

Die beiden JVA-Beamten hatten den Mann schon mehrfach bei Freigängen begleitet. Ob dadurch ein unangebrachtes Vertrauensverhältnis entstanden war, darüber kann nur spekuliert werden. Fakt ist, dass den Bewachern erst nach fast 30 Minuten auffiel, dass der Gefangene nicht von der Toilette zurückkehrte. So verschafften sie ihm einen großen Vorsprung in seiner Heimatstadt.

Statt aber sofort die JVA Aachen und die Polizei über die Flucht zu informieren, versuchten die Beamten laut Staatsanwaltschaft zunächst alleine, den Entwischten wiederzufinden. Erneut verging eine knappe halbe Stunde. So wurde erst nach fast einer Stunde mit einem größeren Polizeiaufgebot die Suche nach dem Flüchtigen aufgenommen. Ergebnislos. Erst drei Tage später konnte er in Brühl wieder festgenommen werden.

Erleichtert wurde die Flucht auch dadurch, dass der Gefangene seine EC-Karte und 500 Euro in bar bei sich trug. Das hätte nicht sein dürfen, Geldmittel würden in der Regel von den begleitenden Beamten in Verwahrung genommen, heißt es beim NRW-Justizministerium. Dies sei nicht Teil der Anklage, so das Amtsgericht Köln. Der Prozess wird voraussichtlich noch in diesem Jahr beginnen.

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