Gefängnisstrafe für Polizist: Urteil sorgt für Aufregung

Von: Leah Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Symbol Justiz Gericht Prozess Hammer Richter Richtertisch dpa
Notwehr oder versuchter Totschlag? Das Gericht in Maastricht befand den 30-jährigen Mann für schuldig. Symbolfoto: dpa Foto: dpa

Maastricht/Heerlen. Ein niederländischer Polizist ist in Maastricht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren wegen versuchten Totschlags verurteilt worden. Das Urteil sorgt für große Aufregung, Polizei, Staatsanwaltschaft und Politiker sind gleichermaßen entsetzt. Viele waren vor dem Prozess davon ausgegangen, dass der Polizist in Notwehr gehandelt hatte.

Der 30-jährige Polizist war im August 2013 Teil eines Sondereinsatzkommandos, das zum Coffeeshop „The Brothers“ in Heerlen gerufen wurde. Rund um den Coffeeshop hatte es zuvor bereits öfters Schießereien gegeben, bei denen unter anderem ein Deutscher getötet worden war. Das Sondereinsatzkommando sollte am 22. August auf dem Parkplatz des „The Brothers“ den Fahrer eines Wagens festnehmen. Er stand unter Verdacht, mehrere Überfälle verübt zu haben, bei denen er sich gewaltsam Zugang zu den Gebäuden verschafft hatte. Am Abend vorher sollte er in Simpelveld zugeschlagen haben.

Der Verdächtige versuchte zu fliehen und fuhr auf die Polizisten zu. Der 30-jährige Polizeibeamte fühlte sich, seiner Aussage nach, bedroht und schoss in Todesangst auf den Fahrer. Er traf allerdings den Beifahrer, der an Brustkorb und am linken Arm verletzt wurde, nur durch eine Notoperation wurde er gerettet.

Nachdem die Kripo und die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen in dem Vorfall eingestellt hatte, erzwang das Opfer über den Gerichtshof einen Prozess im Gericht von Maastricht. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Freispruch gefordert. Doch das Gericht entschied sich nun für eine Gefängnisstrafe. Das Urteil begründete der Richter damit, dass der Polizist unangemessen und unüberlegt gehandelt habe und sich nicht auf Notwehr berufen könne. Das Gericht beruft sich unter anderem auf Videoaufnahmen von der missglückten Aktion und eine Rekonstruktion durch ein gerichtsmedizinisches Institut.

Demnach sei das Polizeiteam nicht in Gefahr gewesen, weil der Wagen mit maximal 13 Stundenkilometern relativ langsam fuhr und sich außerdem nicht direkt auf die Polizisten zubewegte. Zu dem Zeitpunkt, als die Schüsse fielen, habe der 30-jährige Beamte sich neben dem Auto befunden und billigend in Kauf genommen, dass der Beifahrer getroffenen werden könne. Dass der 30-Jährige im Rahmen seines Berufes gehandelt habe, müsse man dabei außer Acht lassen, von Polizisten müsse man erwarten können, dass sie auch in extremen Stresssituationen überlegt handelten. Außerdem habe die Festnahme auf einem gut ausgeleuchteten Gelände stattgefunden und sei die Situation übersichtlich gewesen.

Für die Polizeigewerkschaft ist das Urteil nur schwer nachvollziehbar. In einem ähnlichen Fall in Brabant war einige Tage vorher ein Polizist lediglich zu Schadenersatz verurteilt worden. Die Gewerkschaft fürchtet nun, dass das Urteil einen negativen Einfluss auf die Arbeit der Polizei haben wird. Die Polizisten könnten verunsichert und in ihrer Vorgehensweise vorsichtiger werden.

Auch die Politikerin Ockje Tellegen (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie) findet, dass das Urteil Fragen aufwirft. Der höchste niederländische Polizeichef, Gerard Bouman, sicherte dem verurteilten 30-Jährigen seine volle Unterstützung zu. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (18)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert