Gefängnis-Ausbruch: Vollzugsbeamter gesteht Hilfe

Von: Marc Pesch, ddp
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Aachen. Im Prozess um den Gefängnisausbruch der beiden Schwerverbrecher Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff hat der mitangeklagte Vollzugsbeamte und mutmaßliche Fluchthelfer ein Geständnis abgelegt.

Die Anwälte des 40-Jährigen verlasen am Dienstag vor dem Aachener Landgericht eine kurze Erklärung. Darin räumte der Beamte ein, den beiden Hauptangeklagten geholfen, ihnen Türen geöffnet und Waffen überlassen zu haben. Weitere Angaben dazu machte er nicht.

Zuvor hatte ein Polizist den mutmaßlichen Fluchthelfer schwer belastet. Der Leiter der zuständigen Ermittlungskommission hatte gesagt, auf den Videobändern der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen sei deutlich ein „Zusammenwirken zwischen den Gefangenen und dem JVA-Bediensteten” zu sehen gewesen.

Zudem habe die Auswertung von Handy-Verbindungsdaten ergeben, dass der angeklagte JVA-Beamte in den Tagen vor der Flucht intensiven Kontakt zu den beiden Ausbrechern gehabt habe. Er habe mit ihnen telefoniert und SMS-Nachrichten geschrieben.

Der 40-Jährige selbst habe im Polizeiverhör eingeräumt, dass die beiden Schwerverbrecher in ihren Zellen im Besitz von Handys gewesen seien. Wie Heckhoff und Michalski an die Mobiltelefone kamen, konnte der Ermittler nicht sagen, es sei aber nicht ungewöhnlich, dass das passiere. Nach Angaben des Ermittlers hatte der JVA-Beamte Heckhoff und Michalski unter den Namen „Günter” und „Peter” in seinem Handy abgespeichert.

Unklar blieb am zweiten Verhandlungstag, ob möglicherweise weitere Bedienstete aus der JVA Aachen an der Flucht beteiligt waren. So hatte die Polizei die Zellen der beiden Ausbrecher versiegelt, die Versiegelung sei jedoch einige Tage später aufgebrochen gewesen. Ob möglicherweise JVA-Bedienstete die Zelle durchsucht hätten, um eventuelle Spuren zu vernichten, konnte der Ermittler nicht sagen.

Nach der Aussage des Zeugen kam erstmals auch Heckhoff zu Wort. Er machte ausführlich Angaben zu seinem Lebenslauf. Unter anderem erklärte er, im Alter von elf Jahren erste Diebstähle begangen zu haben und mit 15 Jahren zum ersten Mal in Haft gesessen zu haben. Die Schule habe er abgebrochen und nach dem Motto gelebt „Discos, Saufen, Mädels, Kumpels”.

Zur Flucht und zur Rolle des JVA-Beamten will sich Heckhoff nach eigenen Angaben am Donnerstag äußern. Dann sollen auch weitere Zeugen gehört werden. Michalski hatte bereits am ersten Verhandlungstag am 20. Mai ein Geständnis abgelegt.

Heckhoff und Michalski waren Ende November 2009 aus der JVA Aachen getürmt. Auf ihrer Flucht hatten sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln genommen. Heckhoff war am vierten Tag der Flucht in Mülheim an der Ruhr gefasst worden, sein Komplize Michalski zwei Tage später auf einem Fahrrad in Schermbeck am Niederrhein.

Im Prozess wird den beiden Schwerverbrechern Menschenraub, Erpressung und Geiselnahme zur Last gelegt. Der mitangeklagte JVA-Bedienstete muss sich unter anderem wegen Gefangenenbefreiung und Bestechlichkeit und Beihilfe zum Raub verantworten. 17 Verhandlungstage sind angesetzt, das Urteil soll Mitte Juli verkündet werden.
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