Geballte Weiblichkeit: 30 Jahre Bonner Frauenmuseum

Von: Edgar Bauer, dpa
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Frauenmuseum
Das Werk „Frauen der Welt” der Künstlerin Martina Auweiler-Gewaltig wird im Bonner Frauenmuseum ausgestellt. Das erste Frauenmuseum der Welt feiert sein 30-jähriges Jubiläum mit einem Festakt unter dem Motto 30 Jahre investiert - jetzt wird geerntet!. Foto: dpa

Bonn. Für eine Frauenquote muss hier niemand streiten. Im Bonner Frauenmuseum sind die Fronten klar: Die Weiblichkeit allein hat das Sagen. Vor 30 Jahren wurde das Museum gegründet - als feministische Pioniertat. Es war das erste Frauenmuseum in Deutschland und zugleich auch in der Welt.

Längst wird das Haus nicht mehr als „Emanzen-Spinnerei” bespöttelt. Und auch Männer haben Zutritt.

Feminismus ist lebendiger denn je

In einen Abgesang auf den Feminismus mag Gründerin und Direktorin Marianne Pitzen (62) nicht einstimmen: „Der Feminismus ist lebendiger den je. Das zeigt auch die Diskussion um die Frauenquote. Man kann von den Frauen noch viel erwarten.” Und auch das Museum lebt, es ersinnt und positioniert sich immer wieder neu. Drohende Finanznöte durch Einsparpläne der Stadt sorgen bei Pitzen aber zur Zeit für Aufregung.

Eine Provokation ist das Haus im Krausfeld Nr. 10, in der Bonner Altstadt, heute nicht mehr. Da hat sich gesellschaftlich vieles eingerenkt. Die geballte Frauenwelt weckt aber doch unmittelbar Emotionen - das dürfte für beide Geschlechter gelten. Jährlich kommen rund 30.000 Besucher.

Das 1981 mit viel Idealismus gestartete Museum hat sich über regionale Grenzen einen Namen gemacht. Es wurde auch zum Vorbild für andere Einrichtungen. Inzwischen gibt es weltweit rund 50 Frauenmuseen.

Hauptfaden ist die Verbindung von Fragen der Zeitgeschichte und Politik mit der Kunst - natürlich alles unter Frauenperspektive. Ein Beispiel dafür ist die derzeit laufende Ausstellung „MONETA - Frauen & Geld in Geschichte und Gegenwart” (bis 3. April 2011). Es sei politisch und sozial notwendig, dass sich Frauen mit diesem heiklen Thema beschäftigen, erläutert Pitzen. „Die Frauen kommen auf jeden Fall reicher aus der Ausstellung heraus.”

Hort weiblicher Kunst und Einmischung

Das Bonner Haus verstand sich von Beginn an als kreativer Hort weiblicher Kunst und als Ort der Einmischung - gegen männliche Macht und Geringschätzung. „Wir werden weiter ein investigatives Museum sein”, sagt Pitzen.

Sie klagt zugleich über andere Museen und den Kunstmarkt: „In den etablierten Häusern werden inzwischen zwar mehr Künstlerinnen ausgestellt, aber ihre Werke werden nicht angekauft. Da gibt es eine riesige kunstgeschichtliche Lücke bei den 80er und 90er Jahren. Das fällt derzeit niemandem auf.”

Das Frauenmuseum selbst hat in den vergangenen Jahren rund 1500 Werke von Künstlerinnen angesammelt - alles Schenkungen. Mehr als 2500 Künstlerinnen aus aller Welt haben in den vergangenen drei Jahrzehnten ihre Arbeiten im Krausfeld ausgestellt. Es gab rund 600 Ausstellungen und mehr als tausend Veranstaltungen. Jährlich gibt es Kunstmessen. Rund 200 Kataloge wurden herausgegeben. Eine Bibliothek der Künstlerinnen umfasst rund 12.000 Kataloge. In hauseigenen Ateliers arbeiten mehrere Künstlerinnen.

Es geht nicht um Verklärung

In dem Hinterhofareal, in Räumen eines früheren Kaufhauses, geht es darum, was Frauen denken und fühlen, wie sie die Welt und die Dinge um sich herum sehen. Frauen spüren Frauen auf, Frauen spüren sich selbst nach. Der rein weibliche Ansatz in der Kunst und die Kombination mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sorgt immer wieder für erhellende Ausstellungen. „Weltreligionen und Frauen” und „Alleinerziehende Frauen” lauten Titel für neue größere Ausstellungsprojekte.

Um Verklärung gehe es nicht, sagt Pitzen, die selbst Künstlerin ist. Frauen seien eben „nicht nur Göttinnen oder Engel”. Das wurde in der Schau „Mythos Mutter” deutlich, wo neurotische und hexenhafte Schreckenswesen nicht ausgeklammert wurden. Pitzen selbst hält es mit „Magierinnen” - und zeigt sich seit Jahrzehnten stets als eigenes Kunstwerk gestylt: mit einer Spiralfrisur.

Für einen kleinen Wermutstropfen sorgte vor einem Jahr Yoko Ono. Die japanische Konzeptkünstlerin und Frau des verstorbenen Beatle John Lennon war 1993 hier und hinterließ als Leihgabe eine Installation. Vor einem Jahr habe sie das Werk zurückgefordert, weil es nur für eine eigene Außenpräsentation gedacht gewesen sei und nicht im Raum ausgestellt werden sollte, sagte Pitzen. Ein spätes Retour, das Pitzen aber leicht nimmt. „Wir haben noch andere kleine Sachen von ihr, sie hat Holzwände beschrieben, überall steht Peace drauf.”
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