Gasalarm: Was passiert, wenn es komisch riecht

Von: Elisa Zander
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Manfred Stolarski (links) und Siegfried Prökel sind in Herzogenrath mit dem Gasstörwagen unterwegs. Foto: Elisa Zander
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Alles im Blick: Heinrich Rothenberger überwacht an 20 Monitoren das Versorgungsgebiet der Enwor Foto: Elisa Zander

Region. Wenn es nach faulen Eiern riecht, dann rücken Manfred Stolarski und Siegfried Prökel aus, denn es besteht ein Verdacht auf Gasaustritt. Kein leichter Job – nicht nur wegen der Gefahr. Stolarski und Prökel bilden eines der Bereitschaftsteams des Energieanbieters Enwor.

Sobald in der Leitstelle an der Kaiserstraße in Herzogenrath das Telefon klingelt, ist Heinrich Rothenberger in Alarmbereitschaft. Er weiß nie, ob das der eine Anruf ist, der den gesamten Notfallplan auslöst: ein Gasaustritt. Dabei ist es egal, ob es sich um eine klare Gefahr oder einen Zweifelsfall handelt, jede Information wird mit der gleichen Dringlichkeit behandelt. Heinrich Rothenberger informiert den Bereitschaftsdienst, der mit seinem Einsatzfahrzeug direkt zur Gefahrenstelle ausrückt. Manfred Stolarski und Siegfried Prökel bilden ein solches Einsatz-Duo. Und diese beiden haben in ihren Diensten schon eine Menge erlebt.

Nicht, dass jeden Monat ein Gasalarm wäre. Im Gegenteil, jährlich gibt es gerade mal eine Handvoll Meldungen – und die meisten sind sogar Fehlinformationen. Aber es gibt Fälle, an die erinnern sie sich, als seien sie erst gestern gewesen. Damals in Kohlscheid zum Beispiel. Ein großes Feuer hatte die Einsatzkräfte auf den Plan gerufen, das offenbar durch einen Gasaustritt begünstigt wurde. „Wir blockten die Leitung, nahmen später die gesamte Anlage außer Betrieb“, erzählt Siegfried Prökel.

Strömungswächter

Oder an dem Tag, an dem ein Kollege bei einem Einsatz feststellen musste, dass ein Mietshausbewohner die wegen Zahlungsrückständen stillgelegte Gaszufuhr aufgebrochen und mit einfachen Gegenständen wieder angeschlossen hatte. Um der Manipulation der Gaszähler durch den Endverbraucher einen zusätzlichen Schutz vorzuschieben, sind mittlerweile in den Gashauptleitungen Strömungswächter eingebaut. Ein bundesweiter Sicherheitsstandard, nach dem sich alle Energieunternehmen richten müssen.

„Wir arbeiten immer zum Schutz der Menschen“, sagt Richard Schindler, Sachgebietsleiter Betriebsbüro Gas/Wasser beim Anbieter Enwor. Was aber nicht bedeutet, dass die Arbeit respektiert wird oder gar ein Dank zurückkommt. „Wenn etwas passiert, sind die Kunden eher verärgert als aufgeregt oder nervös“, ist die Erfahrung von Heinrich Rothenberger. „Sie sind der Meinung, dass wir die Störung schon behoben haben müssten, bevor sie sich überhaupt bei uns melden konnten.“

Beschimpft und sogar bedroht worden ist auch Richard Schindler schon. Da gab es diesen Fall in einem Restaurant. Gasgeruch war von Gästen bemerkt und gemeldet worden. „Wir mussten die Anlage stilllegen. Das gefiel dem Restaurantbetreiber gar nicht. Da mussten wir trotzdem ruhig bleiben und sind bei unserem Standpunkt geblieben, auch wenn er nicht kochen konnte. Aber es ging nicht nur um sein Geschäft, sondern auch um die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden.“

Aber wie stellt man einen Gasaustritt überhaupt fest? „Durch den Geruch“, sagt Richard Schindler. Erdgas ist zwar nahezu geruchsneutral, doch zugemischter Tetrahydrothiophen, eine gesättigte Schwefel-Verbindung, macht den Austritt schnell bemerkbar. „Das riecht stark nach faulen Eiern“, sagt Schindler. Wird ein Austritt gemeldet, entweder über die Störstelle, die dann auf einem der 20 Monitore in der Leitstelle angezeigt wird, oder durch einen Anruf, gibt Heinrich Rothenberger oder einer seiner Kollegen – die Leitstelle ist rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr besetzt – erste Anweisungen weiter: Sämtliche Zündquellen im Haus müssen vermieden, das Telefon möglichst aus dem Haus gebracht und die Klingel nicht mehr benutzt werden.

Währenddessen macht sich das Bereitschaftsteam auf den Weg, wenn notwendig auch mit Blaulicht. Der Fahrer vom Dienst entscheidet schließlich vor Ort die weiteren Maßnahmen. Grundlage ist das Ergebnis einer Methangasmessung mit einem Warntonleitgerät, mit dem die ausgetretene Gaskonzentration ermittelt wird.

Die Messgeräte „werden jeden Morgen vor jedem Einsatz justiert und geprüft“, erklärt Manfred Stolarski. Liegt der Wert 50 Prozent unter der Explosionsgrenze, darf nur noch die Feuerwehr unter Atemschutz das Gebäude betreten. Ist der Wert geringer, können auch die Energieversorgermitarbeiter eingreifen, etwa die Austrittsstelle orten, die beispielsweise durch eine undichte Verschraubung entstehen kann, und diese, wenn notwendig, stilllegen. „Das passiert aber maximal einmal im Jahr“, ist die Erfahrung von Siegfried Prökel.

Manchmal müssen die Experten aber auch die Gaszufuhr in der Leitung unterbrechen, etwa an einem Kanalschacht. Mit einem Doppelblasensetzgerät wird die Leitung gleich an zwei Stellen unterbrochen „Aber am liebsten ist uns natürlich, wenn wir gar nicht zu Notfällen fahren müssen“, sagt Siegfried Prökel. Das Geschäft mit dem Erdgas sei verantwortungsvoll, entsprechend gewissenhaft müsse man bei den Anschlüssen sein, von denen derzeit viele neu gesetzt werden, etwa, wenn Hausbesitzer ihren alten Heizkessel gegen effizientere Brennwertgeräte austauschen und in diesem Zusammenhang auch von Heizöl auf Erdgas wechseln.

Lückenlose Dokumentation

In dem Zusammenhang erinnert sich das Einsatz-Duo Prökel und Stolarski an einen Fall aus Düsseldorf. Auch dort war nach einem Gasaustritt ein Feuer entstanden, anschließend lag der Vorwurf in der Luft, die Anschlüsse seien von den Mitarbeitern falsch gesetzt oder Leitungen nicht sicher angeschlossen worden.

Später stellte sich heraus, dass der Eigentümer versucht hatte, einen Versicherungsbetrug zu begehen. „Da waren die Kollegen schon sehr erleichtert, als sich herausstellte, dass sie nicht Schuld waren, sondern es eine Manipulation durch den Eigentümer war“, sagt Stolarski. Darum sei die lückenlose Dokumentation ebenso wichtig wie die regelmäßige Fortbildung – und stets Mitarbeiter mit funktionstüchtigen Geräten in Bereitschaft zu haben. Denn wer weiß, wann Heinrich Rothenberger das nächste Mal anruft.

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