Gas abgedreht: Stadtwerke fordern 200.000 Euro Zahlungsrückstand ein

Von: Burkhard Giesen
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gassperre düren
100 Mietparteien wurde an der Bismarckstraße das Gas abgedreht.

Düren. Der Fall ist ungewöhnlich und verworren: Seit weit über einem Jahr zahlt eine Gesellschaft aus Wohnungseigentümern ihre Abschläge für Strom, Wasser und Gas nicht mehr, oder nur teilweise. Bei den Stadtwerken ist ein Zahlungsrückstand im sechsstelligen Bereich aufgelaufen, der zum Handeln zwang.

Am Dienstag haben die Stadtwerke dem Gebäude in der Bismarckstraße, dem so genannten Provinzial-Hochhaus, den Gashahn zugedreht. Das trifft auch Mieter, die ordnungsgemäß ihre Vorauszahlungen an den Vermieter abführen.

Die Besitzverhältnisse in dem Gebäude sind kompliziert. Kamil Saylik von der Saylik Immobilienhandel GmbH aus dem Ruhrgebiet gehören seit Dezember rund 70 der etwa 100 Mietwohnungen, hinzu kommen etwa 25 weitere Besitzer von Eigentumswohnungen. Bei den Stadtwerken geht man davon aus, dass die Mieter zwar brav ihre Abschläge für Strom, Wasser und Gas an ihre Vermieter bezahlen - nur bei den Stadtwerken selbst kommt das Geld nicht an.

„Wir mussten jetzt handeln, damit uns kein weiterer Schaden entsteht. Für den müssten nämlich sonst alle Kunden aufkommen”, so Vertriebsleiter Ingo Vosen von den Stadtwerken. „Bisher hatten wir noch von einer Sperre abgesehen, um über die Heizperiode zu kommen”, so Vosen weiter. Immerhin gibt es schon seit zweieinhalb Jahren erhebliche Probleme mit der Zahlungsmoral. „Seit einem Jahr erhalten wir fast gar kein Geld mehr.” Das Problem: Die Stadtwerke haben einen Liefervertrag mit der Wohnungseigentümergesellschaft und nicht mit den einzelnen Kunden. Die WEG ist aber nicht pfändbar.

Wie kompliziert der Sachverhalt ist, macht Harald Fertig, Hausverwalter der WEG Bismarckstraße deutlich. Er, der von den Eigentümern angestellt ist, muss einen Teil der Eigentümer auf Zahlung der fälligen Beiträge verklagen. Fertig: „Die ersten Säumnisurteile liegen uns vor. Bei den ersten beiden Eigentümern lassen wir pfänden.” Dabei handelt es sich nach „DN”-Informationen Eigentümer, die selbst im Gebäude wohnen.

Auch der Mieterbeirat war in der Vergangenheit per Gericht schon gegen die Eigentümer vorgegangen. So musste man zum Beispiel eine Reparatur der Aufzüge in dem zehnstöckigen Gebäude per einstweiliger Verfügung durchsetzen. Jürgen Friedt vom Mieterbeirat: „Ich werde jetzt empfehlen, Mietkürzungen vorzunehmen, wenn nicht umgehend die Heizungen wieder laufen.”

Das ist mit ein Punkt, den die Stadtwerke einkalkuliert hatten. Denn: So lange Energie geliefert wurde, konnten auch die Mieter nichts unternehmen. Inwieweit der Vorgang strafrechtliche Aspekte beinhaltet, wollen die Stadtwerke noch klären lassen. Immerhin könnte es sich um Untreue oder Unterschlagung handeln, wenn die von Mietern gezahlten Abschläge für Strom und Gas vom Vermieter zwar verlangt, aber nicht weitergeleitet werden. „Mit Strom und Wasser werden die Mietparteien zunächst weiter versorgt”, so Jürgen Schulz von den Stadtwerken. Das Wort „zunächst” deutet an, was passieren könnte, wenn die Eigentümer bei ihrer bisherigen Zahlungsmoral bleiben.

Eine schnelle Abhilfe versprach am Dienstag Kamil Saylik. Er hatte nach der Übernahme des Wohnblocks im Dezember nach eigenen Angaben bereits Forderungen der Stadt Düren in Höhe von knapp 200.000 Euro kurzfristig bezahlt. Am Mittwoch will er nach Düren kommen und mit den Stadtwerken sprechen. Dem Vernehmen nach liegt deren Forderung ebenfalls bei 200.000 Euro.
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