Garrelt Duin: „Grenzlage im Dreiländereck bietet mehr Potenzial“

Von: André Schaefer
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Sieht noch Potenzial in der Städteregion: NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. Foto: imago/Rüdiger Wölk

Aachen. Technologieregion Aachen, Stadt der Wissenschaft, eine Region mit Spitzenforschung: Mit ihren Hochschulen und Forschungsinstituten hat die Städteregion Aachen eigentlich ideale Voraussetzungen, sich als starker Wirtschaftsstandort zu positionieren. Doch NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) zeigt im Interview auch die Schwächen der Städteregion auf.

Herr Duin, die Städteregion Aachen ist, gemessen an ihrer Arbeits-, Wirtschafts- und Kaufkraft, eine der schwächsten Regionen in NRW. Und das, obwohl sie mit ihrer Innovationskraft und ihren Hochschulen punktet: Überrascht Sie das?

Garrelt Duin: Nein, das überrascht mich nicht. Die Region Aachen ist räumlich und ökonomisch sehr heterogen: Die Städteregion Aachen mit der Stadt Aachen und den eher ländlich geprägten Kreisen birgt unterschiedliche Herausforderungen. Die Städteregion Aachen ist durch eine im Landesvergleich unterdurchschnittliche Erwerbsquote geprägt. Dies bedingt die vergleichsweise geringe Kaufkraft. Gleichzeitig verfügt die Wissenschaftsregion Aachen mit der RWTH Aachen als einer der leistungsfähigsten Technischen Hochschulen Europas und weiteren außeruniversitären Forschungsreinrichtungen über eine einzigartige Forschungsinfrastruktur. Auch bei der Breitbandversorgung steht die Städteregion Aachen sehr gut da. Die Grenzlage im Dreiländereck bietet hier noch mehr Potenzial für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und für ein Standortmarketing im internationalen Kontext.

Die Forschung gilt normalerweise als Pluspunkt der Region. Was ist dann aus Ihrer Sicht der Grund für das unterdurchschnittliche Abschneiden?

Duin: Ein Grund für das unterdurchschnittliche Abschneiden der Städteregion Aachen ist, dass die Innovation und Spitzentechnologie der Universitäten und Forschungseinrichtungen selten vor Ort bleiben. Das gilt auch für die Vielzahl der Wissenschaftler und Studenten, die nach dem Studium „in alle Welt“ ziehen und dort wirken – aber nicht in der Region. Die Aufwendungen der Unternehmen im ländlichen Raum für Forschung und Entwicklung sind noch stark unterdurchschnittlich: Hier setzen wir an der systematischen Anbindung der regionalen Wirtschaft an den RWTH Campus an.

Was kann das Land NRW tun, um die Entwicklung in der Städteregion zu unterstützen?

Duin: Wir müssen die Produktivitätstreiber in der Region identifizieren und systematisch für die Steigerung der Wirtschaftsleistung in der Region entwickeln. Die Landesregierung unterstützt die Regionen dabei, ihre Stärken durch eine intelligente Spezialisierung weiter auszubauen. Jede Region in Nordrhein-Westfalen verfügt über Merkmale und Ansatzpunkte, die ihr eine solche spezifische Wachstums- und Entwicklungsperspektive ermöglichen. Die im Rahmen des ressortübergreifenden Aufrufs „Regio NRW“ geförderten Projekte üben somit im Idealfall eine Hebelwirkung für die Standortentwicklung in den Regionen aus. Darüber hinaus bieten wir mit dem regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm gemeinsam mit dem Bund Förderangebote für die gewerbliche Wirtschaft und für Projekte im Bereich der wirtschaftsnahen Infrastruktur in der Städteregion Aachen und auch im Kreis Heinsberg.

Wie funktioniert aus Ihrer Sicht in Aachen die Zusammenarbeit zischen Forschung und Mittelstand?

Duin: Das Wirtschaftsministerium fördert unter anderem das Projekt „Science-Link“ aus Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Mit diesem Kooperationsprojekt von Agit, Stadt und Städteregion Aachen sowie RWTH, FH und Forschungszentrum Jülich soll der Zugang zur regionalen Forschungslandschaft für den Mittelstand erleichtert werden. Ziel ist, die interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur stärker regional zu nutzen, die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen und der Forschung voranzutreiben und sie auch überregional besser zu vernetzen. So soll mehr Innovation in der Region bleiben und dort Arbeitsplätze schaffen oder sichern.

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