Aachen/Sinzig - Ganz und gar nicht auf dem Holzweg

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Ganz und gar nicht auf dem Holzweg

Von: Laura Beemelmanns
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Die Zukunft liegt in der Natur: Das zumindest preisen die Holzingenieure von Morgen an. Foto: dpa
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Holz ist sein Leben: Andreas Frenken hat als erster Absolvent an der FH Aachen den Studiengang Holzingenieurwesen abgeschlossen. Foto: Laura Beemelmanns

Aachen/Sinzig. Dass Andreas Frenken seine Leidenschaft zum Holz eines Tages zum Beruf machen würde, stand wohl schon in Kindertagen fest. Der Vater des 24-jährigen Heinsbergers arbeitete nebenberuflich als Zimmermann. Hin und wieder begleitete Frenken ihn und atmete so schon früh den Duft der Baustellen ein. Stahl, Beton und vor allem Holz – dabei würde er bleiben.

 Heute ist er der erste Absolvent für Holzingenieurwesen an der Fachhochschule (FH) Aachen.

Mit der auf zwei Jahre verkürzten Lehre legte der angehende Zimmermann den Grundstein für seinen Traumberuf. Schon während der Zeit auf dem Berufskolleg für Ernährung, Sozialwesen und Technik in Geilenkirchen belegte er das Fach Holz- und Bautechnik. Einer seiner damaligen Berufsschullehrer gab den entscheidenden Wink. Er legte Frenken das Bachelor-Studium zum Holzingenieur nahe. Der Zimmermann beschloss, erneut zu pauken.

Den Abschluss hat er seit dem Sommer in der Tasche und arbeitet inzwischen in Sinzig. Und für ihn ist das dort ansässige Ingenieurbüro Pirmin Jung der ideale Arbeitgeber für Zimmermänner, die Holzingenieurwesen studiert haben. Alle Mitarbeiter seien auch gelernte Zimmermänner, sagt Frenken. Der Firmenchef hat sich auf das Planen und Bauen mit Holz spezialisiert – in Sinzig und in der Schweiz. Frenken schrieb bereits seine Bachelor-Arbeit im Unternehmen und absolvierte vor seiner Festanstellung ein Praktikum in dem Ingenieurbüro.

Mittlerweile wohnt er in Bonn und wird wohl auch erstmal dort bleiben. Denn einen Master-Studiengang strebt er nicht an. Er will erst einmal praktisch arbeiten. „Zwei Jahre Berufserfahrung sind mir wichtiger als ein Master-Studium“, sagt der 24-Jährige, der schon durch seine Ausbildung auf ein wenig Erfahrung blicken kann. Manches Mal vermisst er die Zeit als Zimmermann. Damals war er es, der auf der Baustelle stand. Heute sitzt er am Schreibtisch und plant. Egal: Die Arbeit rund um den Werkstoff Holz ist eben sein Ding. Außerdem fühlt er sich gut gerüstet. „Früher gab es nicht so viele Holzingenieure. Die meisten haben sich später im Berufsleben noch Einiges selbst beigebracht. Durch das Studium sind wir nun besser ausgebildet“, sagt er.

„Im Holzingenieurwesen werden auch nach wie vor die klassischen Elemente des Bauingenieurwesens behandelt. Das Konstruieren mit Holz macht hierbei einen wesentlichen Anteil aus“, sagt auch Leif Peterson. Der FH-Professor ist einer der drei Dozenten, die in dem Studiengang den Holzbau lehren. „Holz ist vielseitig verwendbar und hat bei fachgerechtem Einbau durchaus eine lange Lebensdauer“, sagt er. Neben der Nachhaltigkeit zeichnet sich Holz durch eine Formvielfalt der Bauteile und ein geringes Eigengewicht aus. Dass der Studiengang ebenso gut ankommt wie der Werkstoff selbst zeigen die steigenden Anmeldungen. Ausgelegt ist Holzingenieurwesen in Aachen zurzeit auf rund 30 Studierende – es wurden aber auch Wege gefunden, um mehr Studenten unterzubringen. Denn zeitweise gab es mit 80 Studierenden einen wahren Ansturm auf diesen Studiengang, der Theorie und Praxis verbindet. Die Studenten lernen die wichtigen Grundlagen eines Bauingenieurs, aber auch die Besonderheiten des Holzes kennen. Zum Studium gehören unter anderem Baustatik, Stahlbau, Bauphysik, Grundlagen im Baurecht und auch der Brandschutz. Sie arbeiten zeitweise mit einer sogenannten Abbundmaschine, die CNC-gesteuerte Holzzuschnitte fertigt. CNC steht für die computergestützte numerische Steuerung und ist eine elektronische Methode zur Steuerung und Regelung von Werkzeugmaschinen. So können die angehenden Holzingenieure erste wichtige praktische Erfahrungen sammeln.

Für dieses Jahr haben sich 50 Studenten eingeschrieben, so dass sich die Anzahl der Studierenden nun wieder auf einen Mittelwert eingependelt hat. Und die können nach dem erfolgreichen Abschluss Architekten zuarbeiten oder finden einen Arbeitsplatz beim Statiker, bei Holzbaufirmen, in der Verwaltung oder aber in der Forschung.

Frenken hat sich dazu entschlossen, als Holzingenieur in einem entsprechenden Unternehmen zu arbeiten. Das Ingenieurbüro Pirmin Jung bietet ihm dabei alle Möglichkeiten. Für ihn steht fest, dass er so gar nicht auf dem Holzweg ist – im Gegenteil, auch sein eigenes Haus wird eines Tages aus Holz gefertigt.

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