„Ganz offen zu Werten wie Vielfalt und Respekt stehen“

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Organisiert die Kundgebung „Mir all sin Kölle“: Christoph Kuckelkorn, Vorsitzender des Festkomitees Kölner Karneval. Foto: Oliver Berg/dpa

Köln. Normalerweise ist der April für Karnevalisten Ruhezeit, die Session ist gerade vorbei, bis die nächste beginnt, dauert es. Aber wenn ein Parteitag der AfD in Köln stattfindet und die ganze Stadt einen Ausnahmezustand erleben wird, müssen oder wollen Karnevalisten auch im April mal ran.

Traditionskorps, Familiengesellschaften, Tanz- und Musikgruppen werden morgen unter dem Motto „Mir all sin Kölle“ im Grüngürtel aufmarschieren und für das bunte Köln demonstrieren. Auch Vertreter des Festausschusses Aachener Karneval wollen teilnehmen. Die Kundgebung sei nötig, um sich gegen eine Instrumentalisierung der Stadt zu wehren, sagt Christoph Kuckelkorn, Organisator und Vorsitzender des Festkomitees Kölner Karneval im Interview mit Madeleine Gullert.

Herr Kuckelkorn, die große Kundgebung der Kölner Karnevalisten richtet sich nicht explizit gegen die AfD, sondern bewirbt das bunte Zusammenleben, oder?

Kuckelkorn: Das ist richtig. Wir demonstrieren nicht gegen eine legitimierte Partei. Aber wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir mit diesem Tag, der die Stadt herausfordert, umgehen wollen. Das respektvolle Zusammenleben der Kulturen macht unsere Stadt aus. Das wird auch im Karneval viel besungen in Liedern wie „En unserem Veedel“. Dieses Gemeinschaftsgefühl wollen wir zeigen.

Warum ist das so wichtig?

Kuckelkorn: Es ist nötig, weil die Entscheidung, den AfD-Parteitag in Köln auszurichten, eine Provokation ist. Ganz sicher ist es kein Zufall, dass der Bundesparteitag ausgerechnet hier stattfindet. Unsere Stadt soll instrumentalisiert werden. Es war ja abzusehen, dass es einen Widerstand und viele Aktionen geben würde, das beschafft der AfD Öffentlichkeit.

Hätte man den Parteitag nach, sagen wir mal, Dresden gelegt, hätte es weniger Publicity gegeben?

Kuckelkorn: Genau. Wir wollen unsere Stadt gegen diese Instrumentalisierung verteidigen – im friedlichen und positiven Sinne.

Die Haie und der FC unterstützen die Aktion. Es gibt aber auch Stimmen in Köln, die sagen, dass sich der Karneval und der Fußball aus der Politik raushalten sollen.

Kuckelkorn: Das machen wir ja. Fußball und Karneval halten sich aus der Politik raus, deshalb steht am Samstag auch kein Politiker auf unserer Bühne. Ganz bewusst wird es kein parteipolitisches Statement geben. Bei uns werden Redner, Sänger und Bands aus dem Karneval wie Brings, die Bläck Fööss oder Kasalla auftreten.

Und die waren auch direkt von Ihrer Idee begeistert?

Kuckelkorn: Ja, ich musste keine Überzeugungsarbeit leisten, im Gegenteil. Gemeinsam mit Stefan Brings und Detlef Vorholt von den Paveiern habe wir uns die Aktion überlegt. Es ist an der Zeit, dass der Karneval ganz offen zu seinen Werten wie Vielfalt und Respekt steht. Deshalb haben wir die Kundgebung am Samstag unter das Motto „Mir all sin Kölle“ gestellt. Aber wir laden nicht nur Kölner Karnevalsgesellschaften und Jecken ein, sondern Menschen aus ganz NRW. Wir pflegen gute Kontakte zu den Karnevalisten in Düsseldorf, Bonn und Aachen. Ich möchte sie alle ausdrücklich noch mal für Samstag einladen. Es gibt außerdem ein großes Novum: Die Karnevalisten dürfen außerhalb der Session ihre Uniformen tragen.

Das ist ja eine kleine Revolution.

Kuckelkorn: (lacht) Ja, aber die bunten Uniformen und Kostüme geben sicher schöne Bilder und symbolisieren das bunte Köln.

Funktioniert denn das bunte Köln tatsächlich noch?

Kuckelkorn: Gerade nach den Vorfällen in der Silvesternacht 2015 steht Köln noch einmal anders im Fokus. Köln muss für vieles herhalten, politisch werden Stellvertreterkonflikte ausgetragen. Wir müssen vorsichtig sein, welches Bild unserer Stadt nach außen transportiert wird. Entgegen aller Diskussionen funktioniert Multi-Kulti in Köln insgesamt sehr gut. Im Alltag und im Karneval, der ja ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, klappt das Zusammenleben aller Nationalitäten und Religionen. Das Schöne am Karneval ist ja, dass alle gleich sind. Dieses Lebensgefühl wollen wir am Samstag ganz bewusst zeigen.

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