G8: Nicht alle Verbesserungen ab August

Von: Madeleine Gullert
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Inhaltliche Konzepte zur Neugestaltung der Hausaufgaben: Die werden viele Schulen in Nordrhein-Westfalen erst im kommenden Schuljahr thematisieren. Es war einer der Verbesserungsvorschläge des Runden Tisches zu G8. Foto: Stock/Jochen Tack

Aachen. Schon ab dem kommenden Schuljahr sollten Gymnasiasten in Nordrhein-Westfalen entlastet werden. So hatte es das Schulministerium versprochen, als es die am Runden Tisch vereinbarten Verbesserungsvorschlägen zu G8, dem Abitur nach acht Jahren, präsentierte.

Was die Schüler entlasten soll? Schulen sollen beispielsweise Ergänzungsstunden, die als Förderstunden gedacht sind, nicht als reguläre Stunden nutzen, die Zahl der Klassenarbeiten und Hausaufgaben soll begrenzt werden, der Lehrplan entschlackt, vor allem aber der Nachmittagsunterricht reduziert.

In Köln melden laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ nun einige Gymnasien, es sei für das kommende Schuljahr nicht umsetzbar, dass Schüler der Klassen 5 bis 7 nur noch einen Nachmittag Unterricht hätten. Die Zeit bis zu den Sommerferien sei für die Planung einfach zu kurz, heißt es weiter.

Priorisierung einzelner Aspekte

Aber müssen Schulen die Verbesserungsvorschläge, die die Interessenvertreter und Schulministerin Sylvia Löhrmann(Grüne) im vergangenen Herbst am Runden Tisch ausgearbeitet haben nicht zum kommenden Schuljahr umsetzen? Dieser Anschein war nach Beendigung des Runden Tisches erweckt worden. Doch wie das Schulministerium und die Bezirksregierung Köln auf Anfrage erklären, müssen nicht alle Punkte umgesetzt werden – obwohl die geänderten Vorschriften zum neuen Schuljahr wirksam werden.

Alle Gymnasien seien zwar verpflichtet, noch vor den Sommerferien in den Schulkonferenzen über die Empfehlungen des Runden Tisches zu informieren und die weiteren Umsetzungsschritte zu vereinbaren, wie Barbara Löcherbach, Sprecherin des NRW-Schulministeriums, auf Anfrage mitteilt. Die Schulen können dabei aber „eine Priorisierung der einzelnen Aspekte vornehmen“.

Was heißt das genau? „Die Bezirksregierung erwartet, dass alle Gymnasien die Maßnahmen, die unmittelbar die ,äußere Unterrichtsorganisation‘ betreffen zum 1.August umsetzen“, sagt Dirk Schneemann, Sprecher der Bezirksregierung Köln. „Äußere Unterrichtsorganisation“ meint dabei die Reduzierung des Nachmittagsunterrichts, der Hausaufgaben und der Stundentafel. Die Entwicklung von Konzepten etwa zur inhaltlichen Gestaltung von Lernzeiten könne im neuen Schuljahr erfolgen, erklärt Schneemann weiter.

Spätestens zum zweiten Halbjahr 2015/16 sollten dann auch diese neuen Konzepte greifen. So der Plan. Dazu gehört auch, dass Schulen ihre Lehrpläne überprüfen sollen. Man wolle „weitere Möglichkeiten und Alternativen lehrplankonformer Reduzierungen inhaltlicher Ausdifferenzierungen darstellen“ erklärt das Ministerium.

Doch darüber, was sich jetzt schnell ändern lässt, herrscht bei den Verbänden Uneinigkeit. Eberhard Kwiatkowski, Vorsitzender der Landeselternkonferenz, hält beispielsweise die Reduzierung der Hausaufgaben für schnell umsetzbar: „Das kostet ja keine Ressourcen, sondern es braucht nur eine Absprache.“ Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW, schätzt das anders ein: „Was länger andauern wird, ist der Bereich der Hausaufgaben.“

Zudem herrsche eine große Verunsicherung bei den Schulen in dem Bereich. „Hausaufgaben sollen nicht ganz abgeschafft werden, sie sind sinnvoll“, mahnt Silbernagel. Man müsse aber versuchen, die Hausaufgaben in Lernzeiten zu integrieren.

Die angefragten Schulen aus unserer Region sahen tatsächlich in der inhaltlichen Ausgestaltung etwa des neuen Umgangs mit Hausaufgaben die größte Herausforderung. Sie waren sich aber sicher, wie von der Bezirksregierung verlangt, die organisatorischen Änderungen zum kommenden Schuljahr umsetzen zu können.

„Hinsichtlich Stundentafel und Unterrichtsverteilung“ werde das klappen, teilt Edith Körver, Schulleiterin des Gymnasiums Zitadelle in Jülich mit. Erst im kommenden Schuljahr aber werde man das Hausaufgabenkonzept, Förderkonzept und die Mittagsbetreuung an einem sogenannten pädagogischen Tag thematisieren. Solch ein zusätzlicher Tag steht „dem Kollegium in Absprache mit der Schulkonferenz zur Verfügung“, sagt Barbara Löcherbach.

Leidet der Inhalt?

Auch am Gymnasium Wirteltor in Düren wird man die formalen Verbesserungsvorschläge umsetzen, erklärt Direktor Wilhem Gödde. Dass Schüler nicht zwei Klassenarbeiten in einer Woche schreiben, erfülle man bereits seit Längerem. „Ein Konzept für die Hausaufgaben werden wir auch erst im kommenden Schuljahr erarbeiten, die sollen dann längerfristig sein, oder es könnte mehr Projekte geben“, sagte Gödde, der sich auch bei der Überarbeitung des Lehrstoffs Zeit lassen will. Man warte in dieser Sache auf die versprochenen Empfehlungen des Schulministeriums. Bei den Ergänzungsstunden werde man im kommenden Schuljahr noch nachjustieren – inhaltlich.

Das Thema Ergänzungsstunden wird bei manchem Fachlehrer kontrovers gesehen. Zurzeit nutzen viele Gymnasien die Stunden für Fachunterricht, etwa für Mathematik oder Englisch. Eigentlich sollten die Stunden aber der individuellen Förderung dienen. „Wie sollen wir den Stoff schaffen, wenn die Stunden aus formalen Gründen wegfallen?“, fragt ein Lehrer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dann müsse Stoff wegfallen. Dafür mpssen die Schulen noch neue Lehrplänen entwickelen.

„Die Schulen sollen die Dinge so umsetzen, wie sie es für sinnvoll halten“, sagt Silbernagel. Die Frage ist nur, ob das dem entspricht, was sich die Eltern vom Runden Tisch versprochen hatten.

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