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Funk-AG des Gymnasiums Herzogenrath spricht live mit der ISS

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Kontakt mit der ISS: Damit das klappen konnte, war jede Menge Hightech nötig. Die Schüler waren hellauf begeistert. Foto: Andreas Steindl

Herzogenrath. Als die Verbindung steht, ist es für einen Moment ganz still in der Aula, kein Rauschen, kein Gemurmel, keine Musik. Harald Metzen hebt seine Arme, öffnet den Mund, wartet einen Augenblick, und als die Stimme Edward Finckes klar und deutlich aus den Lautsprechern kommt, klatscht Metzen in die Hände.

„Hallo”, sagt Fincke, „ich kann Euch gut verstehen.” Und während Finckes Raumstation mit 26.000 Kilometern in der Stunde über das Baskenland Kurs auf die Südalpen nimmt, hackt Metzen in der Aula des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath schon wieder Befehle in seinen Laptop.

Ein bisschen unglaublich

Es hört sich ja wirklich ein bisschen unglaublich an, aber tatsächlich ist es so, dass Metzens Funk-AG des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath am Samstag neun Minuten lang Funkkontakt mit der Internationalen Raumstation ISS gehabt hat, mit Kommandant Edward Fincke.

Zwischen 11.37 und 11.46 Uhr. Nicht irgendwie zufällig, sondern geplant und mit „phantastischer Unterstützung” des Ortsverbandes G14 Herzogenrath des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC), wie Schulleiter Reinhard Granz angemessen feierlich betont.

20 Schüler haben auf der Bühne der Aula Position bezogen, um Fincke Fragen zu stellen, auf Englisch, Fincke ist ja Amerikaner. Wie man die Tage auf einer Raumstation so verbringen mag, welche Experimente man so durchführt, was passiert, wenn jemand ernstlich krank wird, diese Dinge. Fincke antwortet knapp und freundlich, hin und wieder sagt er: „Das ist eine gute Frage.” Fincke ist ein netter Astronaut.

Metzen und die Kollegen vom DARC wuseln unterdessen konzentriert herum, Frequenzen müssen gewechselt werden, die Rotoren der eigens auf dem Schuldach angebrachten Antenne werden ständig neu ausgerichtet, weil die ISS mit 20-facher Schallgeschwindigkeit ihre Erdumlaufbahn bereist. Metzen reibt sich die Stirn und raunt: „Gottseidank, es läuft.”

Um die Größe des Moments angemessen zu würdigen, hat Physiklehrer Manfred Klein mit Hilfe der halben Schule ein ambitioniertes Rahmenprogramm erstellen lassen. Die Schulband spielt, es gibt eine Caféteria, einige Schüler haben Referate vorbereitet, die die mehr als 300 Besucher in der Aula vor der Kontaktaufnahme über Wirken und Wesen der ISS ins Benehmen setzen. Und als dann klar ist, dass die Verbindung mit der ISS zustande gekommen ist, sehen viele aus, als seien sie von ihrer eigenen Ergriffenheit überrascht.

Applaus ins All

Schulleiter Granz ist nervös, ein bisschen jedenfalls, er läuft hin und her und auf und ab und bietet allerorten seine Hilfe an. Granz sagt, er sei doch der Meinung, dass viele Schüler „die Singularität des Ereignisses zu begreifen” in der Lage seien, dieser Tag, sagt er, sei ein großer für die ganze Schule.

Tatsächlich ist es ein großer Tag für die ganze Stadt. Schade, dass die Lokalpolitik daran keinen Anteil nimmt. Ein TV-Sender ist gekommen, ein Radiosender, die Presse sowieso. Minuten nachdem der Kontakt zur ISS abgebrochen ist, melden sich Funker aus der ganzen Republik, die das Gespräch der Schüler mit Fincke angehört haben, und gratulieren der Schule in deren Online-Gästebuch zu dem tollen Erfolg.

Als die ISS irgendwo über der Ukraine ist, endet der Kontakt. Die Aula schickt einen Applaus ins All, den man vermutlich noch in Würselen hört. Ob er auf der ISS angekommen oder im Rauschen des Orbits verschwunden ist, wird man kaum jemals erfahren.
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