Für Sander Lutterbach ist jeden Tag „Rursee in Flammen“

Von: Peter Stollenwerk
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Auch die Fahrgastschiffe der Rurseeschifffahrt sind ein treuer Begleiter beim Rurseefest. Foto: Peter Stollenwerk
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Zuschauer warten am Paulusdamm. Foto: Peter Stollenwerk
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Ist seit 2008 Veranstaltungsleiter bei „Rursee in Flammen“: Sander Lutterbach. Die Großveranstaltung begleitet ihn durch das ganze Jahr. Foto: Peter Stollenwerk

Region. Vier Tage dauert das Rurseefest, aber für Sander Lutterbach hat das unter dem Motto „Rursee in Flammen“ weithin in der Region bekannte Volksfest inzwischen den Charakter einer Ganzjahresveranstaltung erhalten. Der Geschäftsführer des veranstaltenden Orts- und Verkehrsvereins Rurberg-Woffelsbach gönnt sich nach dem Fest, das vom 23. bis 26. Juli entlang des Rurseeufers in Rurberg steigt, nur eine kurze Pause.

Spätestens im September beginnen schon Vorbereitungen für „Rursee in Flammen“ 2016.Der 38-jährige gebürtige Rurberger ist seit 2008 Veranstaltungsleiter des größten Volksfestes der Nordeifel, das in diesem Sommer zum 50. Mal stattfindet. Im Hauptberuf Leiter Verkehrslenkung und Betriebssteuerung bei der Aseag in Aachen, bringt er ein gewisses Organisationstalent mit, aber das Rurseefest hat inzwischen Dimensionen angenommen, die einen strukturierten und durchdachten Organisationsablauf verlangen und als Nebentätigkeit für ehrenamtliche Kräfte deren ganzen Einsatz verlangen.

Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, wenn die 260 Freiwilligen ihre jeweils zugewiesene Position beziehen. Alles ist geregelt, von der Strom- und Wasserversorgung über die Verkehrsführung bis zur die Aufstellung der 100 Verkaufsstände. Dass in diesem Jahr das Organisationskomitee dank engagierter junger Leute aus dem Ort verstärkt werden konnte, ist genau der Weg, den Sander Lutterbach sich wünscht. „Rursee in Flammen“ solle ein Fest für die Bevölkerung und Vereine bleiben, das nicht auf kommerziellen Erfolg ausgerichtet ist.

So hängt ein gelungenes Rurseefest für ihn weder vom Wetter, noch von den Besucherzahlen, noch vom Kassensturz ab: „Ich freue mich, wenn organisatorisch alles gut gelaufen ist und wenn die Teamarbeit gut funktioniert hat.“ Die familiäre Atmosphäre ist für Lutterbach der eigentliche Wohlfühlfaktor beim Rurseefest. Daher scheut er sich jedes Mal auch wenig vor dem Spagat, dem Programm neue Impulse zu geben, ohne zu stark in das bewährte Konzept einzugreifen.

„Seit Monaten vergeht kein Tag ohne das Thema Rurseefest“, lacht Sander Lutterbach, der auch dann nicht den Spaß am Organisieren verliert, wenn etwa zehn Einzelgenehmigungen für die Veranstaltung einzuholen sind. Lutterbach mag diese Herausforderung, auf rein ehrenamtlicher Basis eine Riesen-Veranstaltung mit bis zu 50.000 Besuchern an vier Tagen zu stemmen, die manchen Profi ins Schwitzen bringen würde.

Allein mit Lars Harmens, der als Marketing-Berater erstmalig mit ins Boot genommen wurde, tauschte er in den zurückliegenden drei Monaten knapp 500 E-Mails aus, um allerlei Detailfragen abzustimmen. Lutterbach fühlt sich zudem seinem Heimatort Rurberg zutiefst verbunden. 2004 war er Karnevalsprinz, 2013 übernahm er das Amt des Ortsvorstehers.

„Ich bin mit dem Rurseefest groß geworden“, erzählt er, aber so richtig genießen konnte er das Fest nur selten. Schon von früher Jugend an war er in die Organisation eingebunden. Heute nun laufen die Fäden bei ihm zusammen. Zum Glück unterhält Lutterbach einen direkten Draht zur Gemeinde Simmerath, was viele organisatorische Aufgaben erleichtert. Die strengen Auflagen im Sicherheitskonzept aber machen ihm dennoch „das Leben schwer“.

Die Sicherheitsstandards bei Großveranstaltungen haben seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg vor fünf Jahren eine enorme Dynamik bekommen, und Sander Lutterbach benötigt inzwischen fachliche Unterstützung, um alle Feinheiten in den Auflagen zu erkennen. Als ehrenamtlich tätiger Feuerwehrmann kann er ein solches Konzept aber prinzipiell nur begrüßen, „weil es mir als Veranstaltungsleiter ein Gefühl der Sicherheit gibt“, denn im Falle eines Falles würde er auch privatrechtlich haftbar gemacht.

„Rursee in Flammen“ 2015 ist in mehrfacher Hinsicht eine ganz besondere Veranstaltung. Zum runden Geburtstag findet die Veranstaltung erstmals nur noch in Rurberg und nicht mehr in Woffelsbach statt, nachdem sich in den vergangenen Jahren immer deutlicher zeigte, dass die Aufteilung des Festes auf zwei Orte (auch mit zwei Feuerwerken) nicht der Weisheit letzter Schluss war und auch bei vielen Besuchern nicht mehr nachvollziehbar war.

Diese rasante Entwicklung des Rurseefestes hat in den Anfangsjahren wohl niemand zu erträumen gewagt. Anlässlich des goldenen Jubiläums hat der langjährige Rurseefest-Organisator Heiner Jansen einmal detailliert die Historie des Festes aufgearbeitet, das aus einer Privatinitiative heraus entstand. Ein Mitte der 1960-er Jahre in Rurberg tätiger Bauunternehmer namens Hans Küpper aus Wermels-kirchen-Dabringhausen wollte mit seinen Mitarbeitern und der Bevölkerung im Sommer 1965 im großen Stile Richtfest feiern, einschließlich Tagfeuerwerk. Das war quasi der Beginn des Rurseefestes.

Die Idee griff der geschäftstüchtige Rurberger Verkehrsverein auf und etablierte ein Jahr später dann ein jährliches Sommerfest mit Standkonzerten, Fallschirmabsprüngen und Segelregatta. Das ist im Grund bis heute so geblieben, nur bringen die Cover-Bands inzwischen 50.000 Watt-Anlagen mit, die Fallschirme wurden durch Hubschrauberrundflüge ersetzt, und auf dem Wasser finden jetzt ein „Standup-Paddling“ und eine „Crazy-Boat-Parade“ statt.

Schon 2016 im Blick

Und noch in einem weiteren Punkt hat sich „Rursee in Flammen“ bis heute nicht geändert. „Es war damals Maloche, und es ist heute Maloche“, zitiert Sander Lutterbach die damalige Geschäftsführerin des Orts- und Verkehrsvereins, Helene Breuer, die von 1966 bis 1989 das Rurseefest organisierte.

Für „Rursee in Flammen 2016“ hat Sander Lutterbach unterdessen schon die ersten Anregungen, Ideen und Entwürfe hinterlegt – in seinem I-Pad. Diese Art und Weise der Gedankenstütze hat sich in den zurückliegenden 50 Jahren allerdings gravierend verändert.

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