Köln - Für mehr Vielfalt: Der CSD in Köln lockt rund eine Million Menschen an

Für mehr Vielfalt: Der CSD in Köln lockt rund eine Million Menschen an

Von: Fabian Schäfer, dpa
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Der Kölner Christopher Street Day ist eine der größten Veranstaltungen der LGBTIQ-Community in Europa. Foto: dpa

Köln. Köln ist bunt, und am Wochenende des Christopher Street Day ist die Stadt noch bunter: Regenbogenflaggen so weit das Auge reicht, glitzernde Kostüme, farbenfroh gestaltete Trucks. Der CSD lockt laut Veranstalter rund 1,2 Millionen Menschen an. Die Polizei sprach von Hunderttausenden, die friedlich in der Innenstadt gefeiert haben.

Sie beweisen, dass eine Demonstration auch Spaß machen kann. Der Kölner CSD gehört zu den größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Europa. Manche nennen ihn deshalb auch Karneval im Sommer.

Dabei hat der CSD - anders als Karneval - eine politische Dimension. Das diesjährige Motto „Coming out in Deinem Style” soll die jüngere Generation in ihrer Identitätsfindung unterstützen. Die Selbstmordrate unter LGBTIQ-Jugendlichen sei siebenmal höher als die von gleichaltrigen Heterosexuellen, erklären die Veranstalter ihren Schwerpunkt.

Nachdem mit der Eheöffnung im vergangenen Jahr ein großer politischer Erfolg gefeiert werden konnte, stellt der Kölner CSD nicht weniger als 16 politische Forderungen. Die reichen von mehr Unterstützung für LGBTIQ-Geflüchtete bis zum Verbot von Konversionstherapien, die Homosexuelle „heilen” wollen.

Gleichzeitig ist die Community auch mit sich selbst beschäftigt. Lesbische Frauen fordern seit Langem mehr Sichtbarkeit, sowohl in der Gesellschaft als auch beim CSD. „Vielen ist der CSD zu schwul geworden”, sagt Maren Wuch. Die 53-Jährige gehört zu den Organisatorinnen des „Dyke March”, einer Demonstration am Vorabend der großen Parade speziell für frauenliebende Frauen.

Sowohl in der Organisation als auch in der Wahrnehmung nach außen würden schwule Männer dominieren, kritisiert sie. Patriarchale Strukturen seien eben auch in der Community sichtbar. „So blöd es klingt: Ich bin doppelt diskriminiert - als Frau und als Lesbe.”

Dyke ist ein englisches Schimpfwort für lesbische Frauen, das die Frauen sich angeeignet haben und so positiv besetzen wollen. „Mit dem Dyke March wollen wir zeigen, wie vielfältig das L in LGBTIQ ist”, erklärt Wuch. 3000 Teilnehmer in jedem Alter waren dabei. Bei der ersten Demonstration vor vier Jahren war es nur die Hälfte. „Wir scheinen einen Nerv getroffen zu haben”, sagt Wuch. Die Zahl der „Dyke Marches” in Deutschland steige mit jedem Jahr.

Doch gerade derzeit, das betont auch Maren Wuch, die jetzt lauter sprechen muss, weil nebenan die Frauen-Sambagruppe „Queerelas” auf ihren Trommeln übt, verändere sich etwas. Unter Jüngeren wachse die Sensibilität für lesbische Themen.

 

Christopher Street Day in Köln und wir sind mittendrin statt nur dabei! 🌈 Sonntag werden 800.000 Menschen zur Parade erwartet. #csd #csdköln #colognepride #pride #loveislove #westeck

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Das liegt sicher auch an einer vielfältigeren Medienlandschaft. Die Netflix-Serie „Orange Is The New Black” mit ihren lesbischen und transgender Charakteren ist in der Community besonders beliebt. Die jungen Fans konnten es deshalb kaum fassen, dass die drei Darstellerinnen Danielle Brooks (28), Natasha Lyonne (39) und Jackie Cruz (31) bei der Parade mitgefahren sind.

Schnell bildete sich eine große Traube vor dem Wagen, noch bevor die Parade überhaupt begonnen hatte. Die Schauspielerinnen signierten Regenbogenflaggen, posierten für Fotos und feierten ordentlich mit. „Die Serie ist ein Pionier, was Vielfalt angeht. Es ist toll, heute die Leute zu sehen, die uns unterstützen. Sie zeigen, dass sie nicht alleine sind”, sagte Cruz während der Parade. „Der CSD ist großartig.”

 

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