Aldenhoven - Für Forschung und Entwicklung: Aldenhoven Testing Center eröffnet

Für Forschung und Entwicklung: Aldenhoven Testing Center eröffnet

Von: Thorsten Pracht
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NRW-Wirtschaftminister Garrelt Duin erkundete das Aldenhoven Testing Center in einem Porsche GT3. Im Hintergrund die Steilkurve mit einer maximalen Querneigung von 72 Prozent. Foto: Harald Krömer

Aldenhoven. Der Wunsch des Ministers wurde selbstverständlich erfüllt. Als Garrelt Duin seine Rede anlässlich der Eröffnung des Aldenhoven Testing Centers (ATC) am Freitag beendet hatte, fügte er noch einen kurzen Satz hinzu: „Ich bewerbe mich freiwillig für den Porsche.“ Und in den stieg der NRW-Wirtschaftsminister dann auch, als es nach dem offiziellen Teil zur Testfahrt auf die einzelnen Teilstücke der Anlage ging.

Auf dem Gelände der früheren Zeche Emil Mayrisch im Aldenhovener Ortsteil Siersdorf ist auf einem 40 Hektar großen Areal ein einzigartiges Automobil-Testgelände entstanden. Der Kreis Düren (51 Prozent) und die RWTH Aachen sind die Teilhaber der ATC GmbH, insgesamt 16,5 Millionen Euro wurden am Fuße der Kohlehalde verbaut. Die Europäische Union und das Land NRW steuerten 7,6 Millionen Euro Fördermittel bei.

„Für uns war es immer ein großer Traum, Fahrzeuge nicht nur in der Theorie zu betrachten oder auf dem Prüfstand zu testen, sondern irgendwann ein eigenes Testgelände zu haben“, erklärte RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Sowohl die RWTH als Ganzes als auch die Institute für Kraftfahrzeuge (ika), Verbrennungskraftmaschinen (VKA) und Regelungstechnik (IRT) haben sich am ATC direkt finanziell beteiligt. Neben Sicherheit und Energieeffizienz stehen vor allem das Thema Vernetzung von Fahrzeugassistenzsystemen ganz oben auf der Agenda.

Für Unternehmen offen

Das neue Testzentrum wird aber nicht nur zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt – im Gegenteil. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sollen die Strecke künftig unter die Räder nehmen – egal ob Fahrwerksentwickler oder Firmen aus dem Bereich Elektronik. „Wir werden mit Anfragen überhäuft“, sagt Maciej Foltanski, Geschäftsführer der ATC GmbH. Anfragen gebe es aus allen Bereichen, die etwas mit Automobilität zu tun haben. Dabei erhalte jeder Nutzer dieselben Konditionen.

Die bereits im Jahr 2009 eröffnete Fahrdynamikfläche im Innenfeld wird seit Freitag um eine zwei Kilometer lange Ovalbahn, diverse Bremsflächen mit unterschiedlichem Reibwert, einen Handlingkurs und einen Steigungshügel (maximale Steigung: 30 Prozent) ergänzt. Auch die sogenannte „Filmautobahn“, auf der seit 2005 regelmäßig Dreharbeiten stattfinden, befindet sich auf dem ATC-Gelände. Ehe NRW-Wirtschaftsminister Duin im Porsche GT3 um den Kurs flog, würdigte er das Projekt in den höchsten Tönen: „Hier ist etwas ganz Entscheidendes für die Zukunft des Landes NRW und für die Region entstanden“.

Der SPD-Politiker verwies auf die Diskussionen der vergangenen Wochen um das geplante Ende des Tagebaus Garzweiler II. Die Region unterliege damit erneut einem massiven Strukturwandel. „Wir werden als Landesregierung in Zukunft massiv in diese Region investieren“, versprach er. Das Testgelände sei ein Paradebeispiel dafür, neue Möglichkeiten in die Region zu holen, lobte Schmachtenberg: „Sollte die EU demnächst ein Referenzprojekt suchen, dieses hier dürfte eins sein.“

Hoffnung ruht auf Galileo

Speziell in Verbindung mit dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo ruhen große Hoffnungen auf dem neuen Testzentrum. „Ohne Galileo wären wir heute nicht hier“, umriss Professor Dirk Abel, Leiter des Institut für Regelungstechnik der RWTH. „Wir haben in Galileo die Pole Position“. Konkret gehe es darum, Satellitensignale sicherheitsrelevant im Fahrzeug zu verarbeiten. Auf dem ATC können Verkehrssituationen simuliert werden, um diese Funktion zu testen.

Dazu solle in Siersdorf sämtliche auf der Welt verfügbare Kommunikationstechnik aufgebaut werden, kündigte Professor Lutz Eckstein, Direktor des Instituts für Kraftfahrzeuge der RWTH an. „Wir denken auch über autonomes Testing nach“, fügt Foltanski an. Wo einst von 4000 Bergleuten auf Europas modernster Zeche bis zu 1,6 Millionen Tonnen Steinkohle jährlich gefördert wurden, sollen bald Autos ohne Fahrer den Weg finden – das kann man wirklich Strukturwandel nennen.

Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren, blickte bereits in diese Zukunft: „Es gibt rund um das Testing Center große Potenziale zur Ansiedlung weiterer Unternehmen. Wir haben genug Fläche zur Verfügung“, warb er für einen „Transport des Campus-Gedanken nach Aldenhoven“ und ging – ganz bescheiden – auf Duins Fahrzeugwunsch ein: „Wenn der Minister den Porsche nimmt, wähle ich einen Smart.“ Der war leider nicht im Angebot, sodass Spelthahn auf einen elektrisch betriebenen Tesla ausweichen musste – in Sachen Energieverbrauch eine weise Entscheidung.

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