Für Contergangeschädigte nur ein Teilerfolg

Von: Christian Rein und Claudia Schweda
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Das Schlafmittel Contergan, das 1957 auf den Markt kam und Missbildungen bei Neugeborenen verursachte. Mehrere Conterganopfer-Verbände haben zum Jahreswechsel eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um ihre Forderungen nach zivilrechtlichen Entschädigungszahlungen durchzusetzen.

Aachen. Die eine Seite spricht von einem „ersten Meilenstein”, die andere von einem „Teilerfolg”. Es geht voran in Sachen Contergan. Aber am Ende des Weges, das wissen alle Beteiligten, ist man noch nicht. Dienstag überwies das Pharmaunternehmen Grünenthal die versprochenen 50 Millionen Euro in die Contergan-Stiftung.

Dort schlummerten weitere 50 Millionen im Stock, die bislang nicht verbraucht werden durften. Durch die Änderung des Stiftungsgesetzes ist das jetzt möglich. Das Grünenthal-Geld fließt nun in die neu formierte Stiftung.

Über 25 Jahre verteilt soll die Gesamtsumme an die in Deutschland noch lebenden 2800 Betroffenen nach Schädigungsgrad abgestuft ausgezahlt werden. Etwa 2500 Euro wären das im Schnitt pro Contergangeschädigtem pro Jahr. Maximal 3500 Euro, rechnen Grünenthal und der Bundesverband Contergangeschädigter vor, könnten zu der monatlichen Rente von 1116 Euro einmal jährlich hinzukommen. Die erste Auszahlung soll noch in diesem Jahr erfolgen, die zweite Anfang 2010.

„Das Unternehmen begrüßt, dass dadurch die finanzielle Situation der Contergan-Betroffenen deutlich verbessert werden kann”, teilte Grünenthal am MIttwoch mit. „Das ist für uns aber nur ein erster Meilenstein”, sagte Kira Goertz, Leiterin der Grünenthal-Unternehmenskommunikation gegenüber unserer Zeitung. Grünenthal bleibe weiter im Dialog mit Betroffenen und unterstütze aktiv, dass an weiteren Zustiftungen für die Contergan-Stiftung und einer noch besseren medizinischen Versorgung der Contergangeschädigten gearbeitet werde.

Auch Margit Hudelmaier, Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter, schlug am MIttwoch moderate Töne an. Dem Bundesverband mit seinen Mitgliedsverbänden sei an Teilerfolgen gelegen. Die Verdopplung der Rente im vorigen Jahr und nun die Sonderzahlungen seien „ein guter Schritt”.

Aber ihr Forderungskatalog sehe vor, dass rückwirkend pro Geschädigtem im Schnitt bis zu 100.000 Euro nachgezahlt werden müssten. Die jetzt von Grünenthal gezahlte Summe sei angesichts dessen nur ein Teilerfolg, weil die maximal 3500 Euro jährlich an Sonderzahlung pro Geschädigtem auf 25 Jahre gerechnet nur ein Teil dieser Summe sei: 87.500 Euro.

Deshalb, sagte die Bundesverbandsvorsitzende, habe man deutlich signalisiert, „dass der Kampf für unsere Rechte noch nicht beendet ist.” Das wüssten Grünenthal und die Politik aber auch. Hudelmeier: „Wir hören nicht auf zu kämpfen, aber es muss auch mal Zeit fürs Durchatmen sein.”
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