Aachen - Front gegen „Schatzsuche“ in Ostbelgien formiert sich

Front gegen „Schatzsuche“ in Ostbelgien formiert sich

Von: Alexander Barth und Heiner Hautermans
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Nicht nur bei der Gemeinde Kelmis heftig diskutiert: Die Walzinc-Pläne für Probebohrungen. Foto: A. Barth

Aachen. Nach Bekanntwerden des Plans für Probebohrungen nach Bodenschätzen in Ostbelgien wächst in der Grenzregion der Widerstand. Mehrere Gemeinden, politische Parteien und Initiativen sprechen sich gegen die Pläne des Unternehmens Walzinc aus, nach seltenen Metallen und Mineralen zu suchen.

Walzinc, 2017 mit Firmensitz im wallonischen Wavre gegründet, hatte Anfang Oktober Pläne für einen Antrag präsentiert, der Bodenuntersuchungen vor allem auf den Gebieten der Flächengemeinden Plombières (dt. Bleyberg) und Kelmis vorsieht. Diese Region war bis in die 1930er Jahre ein Hauptstandort für den Abbau des Zinkerzes Galmei. Bereits auf einer ersten Informationsveranstaltung in der Gemeinde Plombières hatten Bürger ihren Unmut über die geplante „Schatzsuche“ geäußert.

Laut Medienberichten haben bereits rund 1900 Menschen eine Petition gegen die Probebohrungen in den betroffenen Gemeinden unterschrieben. Die Zeitung Grenzecho berichtete, dass sich die Gemeinde Lontzen ebenfalls gegen das Projekt positionieren will. In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, sprechen sich zudem die niederländischen Gemeinden Vaals und Gulpen-Wittem mit scharfen Worten gegen die angedachten Probebohrungen aus.

Der limburgische Fremdenverkehrsverein VVV befürchtet bereits negative Folgen für den Tourismus auf beiden Seiten der Grenze und bemängelt, dass das Vorhaben von Walzinc entgegen aller Vorschriften nicht den niederländischen Behörden zwecks grenzüberschreitender Umweltverträglichkeitsprüfung angezeigt worden sei. Der ostbelgische Verkehrsverein „Drei Grenzen“ hatte bereits Anfang Oktober Bedenken geäußert.

Die niederländische Visstand Beheer Commissie Geul (etwa: Kommission zum Schutz des Fischbestands), bestehend aus Angelvereinen, Wasser-, Landschafts- und Naturschutzverband, kündigte ebenfalls Widerstand an.

Sie befürchtet wie auch die Kelmiser Grünen, dass das empfindliche und wertvolle Göhltal, das sich von den Schädigungen durch Bergbau gerade erst erholt hat, wieder stark durch Schwermetalle beeinträchtigt wird. Dort wurden, begleitet von der Universität Namur, Zehntausende Lachse ausgesetzt, die dank der verbesserten Wasserqualität in der Geul wieder heimisch werden sollen.

Das 58 Kilometer lange Flüsschen entspringt bei Raeren in der Nähe von Aachen und mündet bei Voulwames in die Maas. In Belgien werden noch 7000 Haushalte in die Göhl entwässert, außerdem gibt es Belastungen durch Nitrate aus der Landwirtschaft. Nahezu alle Kritiker führen Umweltbelastungen als Argument gegen ein Wiederaufleben des Bergbaus an. Dabei lehnen etwa die Grünen aus Kelmis die Idee nicht grundsätzlich ab. Allerdings bestehe zuerst einmal reichlich Aufklärungsbedarf seitens Walzinc.

Bei der Stadt Aachen sieht man das Bergbau-Vorhaben jenseits der Grenze bislang gelassen – ganz einfach, weil es von keiner Seite irgendwelche Informationen oder Anfragen gegeben habe, erklärte Elmar Wieczorek, Leiter des Umweltamtes, am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung.

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