Friedenspreis ist jetzt richtig erwachsen

Von: Wolfgang Schumacher
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Herzlicher und langer Applaus für die Träger des 23. Friedenspreises, überreicht an Pfarrer Marco Arana aus Peru (links) und Pfarrer Austen Peter Brandt aus Duisburg-Walsum in der Aula Carolina. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Man kommt von dem Gefühl nicht los, dass der einst als Alternative „von unten” zum Karlspreis gegründete Aachener Friedenspreis ein „richtiger”, beinahe schon arrivierter Preis geworden ist. Das ist bei weitem nicht schlimm und kann nur Gutes bewirken.

Denn auch bei der 23. Verleihung an die Preisträger Marco Arana (international) aus Peru und den Duisburger Pfarrer Austen Peter Brandt kam des Öfteren ein Aspekt zur Sprache, der die Qualität des Preises in Aachen bezeichnet: Er bietet oftmals verfolgten, unterdrückten oder am liebsten mundtot gemachten Friedensarbeitern - werden sie in Aachen ausgezeichnet - international Schutz vor Gewalt und Repressalien.

So ist es auch ein Zeichen, dass zum ersten Mal vor etwa 500 Gästen in der Aula Carolina der Oberbürgermeister der Stadt Aachen ein Grußwort zur Preisverleihung am Antikriegstag, dem 1. September, sprach. Der vormalige Amtsträger hatte bislang noch ideologische Scheuklappen gezeigt.

Philipp dagegen sprach von der „enormen Ermutigung” des Preises, berichtete von den mitreißenden Gesprächen mit den Preisträgern im Rathaus und mahnte selbst „man hat den Eindruck, dass die Lehren des Zweiten Weltkrieges bis heute nicht begriffen wurden” und forderte Inhalte ein, wie sie in der Friedensbewegung vermittelt werden. Denn Frieden, so Philipp, „ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg”, das Bekämpfen von Hunger, Armut und verstärkte Bildungsarbeit müsse überall im Zentrum stehen.

Schutz brauchen heute noch Menschen wie Pfarrer Marco Arana, als sei es noch die Zeit des Frühkapitalismus vor 200 Jahren. So wies auch die Laudatorin Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, darauf hin, dass der Mann, der seit 20 Jahren gegen „den ausbeuterischen Abbau von Gold” und die Zerstörung der bäuerlichen Umwelt in der Region Cajamarca durch die US-Mining Corporation Newmont kämpft, aktuell mit Morddrohungen konfrontiert ist.

Held der Umwelt

Der Pfarrer sei friedlicher Aktivist und kämpfe mit seinem Zusammenschluss „Grufides” gegen die Umweltzerstörung, die durch den Raubbau für die Goldgewinnung „im Land der Azteken” betrieben werde, wie es damals bereits die spanischen Konquistadoren taten. Unter großem Beifall ermunterte Kortmann den „Held der Umwelt”, als der er im US-Magazin „Time” gefeiert wurde, den Weg durch die Institution „als eine politische Stellschraube” zu gehen, Arana will demnächst für das Präsidentenamt kandidieren.

Auch der Vorsitzende des Friedenspreises, Karl Heinz Otten, thematisierte die Schutzfunktion des Preises, Moderatorin Claudia Walther ebenso, als sie die stattliche Reihe der anwesenden ehemaligen und diverse Grußworte von Nichtanwesenden Preisträgern verlas, großen Applaus gab es dafür in der Aula Carolina.

Nun sollte man beim internationalen Kampf gegen die Ausbeutung nicht den tagtäglichen Kampf gegen den Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit im Inneren vergessen, und das oft damit verbundene Anrennen gegen den eigenen „inneren Schweinehund”.

Trainings gegen Rassismus

So war die Festgemeinde durchaus froh über einen Preisträger wie den ebenfalls als Seelsorger tätigen Austen Peter Brandt aus Duisburg-Walsum. Der farbige Pfarrer hat nigerianische Wurzeln, ist 1952 in London geboren und wuchs in Deutschland auf. Sein Weg, mit dem Zusammenschluss „Phoenix” durch individuelle Trainings gegen den gesellschaftlichen Rassismus vorzugehen, ist bestimmt von seinen Erfahrungen in einem Land, dass vor etwas mehr als 65 Jahren noch blind einer die Juden vernichtenden Rassenideologie folgte und auch in den 60er Jahren noch nicht viel von Schwarzen hielt. Er erinnerte an den „Nickneger in den Kirchen” oder den „Negerkönig von Taka-Tuka-Land” in den Kinderbüchern.

Auch Karin Kortmann beschwor die Vergangenheit: „Heute in 15 Tagen jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem der Reichsparteitag in Nürnberg das „Gesetz um Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre” verabschiedete - „Nie wieder”, so zitiert Kortmann die Antwort der „jungen Demokratie” auf die Rassengesetze Hitlers. Und dankte dem verein Phoenix, dass er seit Anfang der 90er Jahre konkrete Trainingseinheiten im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verbreitet.

So ganz erwachsen ist der Friedenspreis denn doch nicht geworden. Bei der Preisverleihung fehlten leider die Urkunden, sie hatte man bei den angeregten Gesprächen im Rathaus vergessen - was aber gar nichts ausmachte.
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