Friedenspreis für Kämpfer gegen Frevel an Natur und Mensch

Von: Matthias Hinrichs
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Im Blitzlichtgewitter: Marco Arana Zegarra (r.) und Austen Peter Brandt erhielten gestern in der Aula Carolina den Aachener Friedenspreis. Links der Friedenspreis-Vorsitzende Karl Heinz Otten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Am Elisenbrunnen war es - neben dem DGB-Vorsitzenden Ralf Woelk und Karl Heinz Otten, dem Vorsitzenden des Vereins Aachener Friedenspreis - einem alten und einem sehr alten Mann vorbehalten, die brandaktuelle Botschaft zu transportieren.

Zum Antikriegstag redete der 88-jährige Gewerkschaftsveteran und Pazifist Hein Kolberg ganz frei - und ebenso beeindruckend - über seine persönlichen Erfahrungen mit dem Horror des faschistischen Terrors in Aachen und der Welt. Die Schauspielerinnen Katja Zinsmeister und Nadine Kiesewalter rezitierten einen berühmten Dialog aus dem antiken Antikriegsdrama „Antigone” von Sophokles.

Selten aber, betonten Woelk und Otten, bevor sich der Demozug mit rund 300 Menschen zur Verleihung des Friedenspreises Richtung Aula Carolina in Bewegung setzte, sei der Appell so notwendig gewesen wie jetzt: „Am 25. September wollen Faschisten in dieser Stadt demonstrieren. Treten Sie ihnen so zahlreich wie möglich entgegen und lassen Sie uns dafür eintreten, dass Gruppierungen, die Mord, Hass und Barbarei predigen, verboten werden”, rief Woelk der Menge unter großem Applaus zu.

„Sie stehen für die Achtung der Menschenwürde und die legitime Einklagung der Menschenrechte”, schlug Laudatorin Karin Kortmann in der Aula Carolina den programmatischen Bogen hin zum so unterschiedlichen Engagement der beiden Geistlichen Marco Arana Zegarra in Lateinamerika und Peter Austen Brandt in Deutschland, nachdem auch OB Marcel Philipp und Otten den mutigen Einsatz der Preisträger gewürdigt hatten. Mit seinem unablässigen Kampf gegen menschenverachtende Praktiken bei der Goldförderung im peruanischen Cajamarca habe der katholische Pfarrer Arana als „überzeugter Verfechter des friedlichen Weges” kaum zu überschätzende Zivilcourage bewiesen, sagte die ehemalige Staatssekretärin und Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

So habe der 47-Jährige den ohnehin von akuter Armut und Krankheit bedrohten Bauern im Umfeld der weltweit größten Goldmine eine starke Stimme gegeben, um sie vor weiterer Ausbeutung zu bewahren. Längst seien ehemals fruchtbare Landstriche im Nordwesten Perus durch die rücksichtslose Goldgewinnung zu Mondlandschaften verkommen.

Menschen und Tiere litten auch physisch unter den giftigen Abbaustoffen. Daher habe Arana nicht nur der mächtigen US-Gesellschaft Newmont Mining Corporation, sondern auch den elitären Zirkeln der Regierenden undÊ der Weltbank die Stirn geboten, die weiter einen unverantwortlichen „Raubtierkapitalismus im Gewand der Armutsbekämpfung” praktizierten. Nicht nur wegen seiner Bewerbung um die Präsidentschaft in Peru sehe sich der Preisträger derzeit sogar Morddrohungen ausgesetzt. „Aber Marco Arana gibt nicht auf.”

Ebenso unablässig kämpfe Austen Brandt gegen den allzu alltäglichen, vielfach nur mühsam verschleierten Rassismus, der auch vor und hinter bundesdeutschen Haustüren weiter spürbar sei. Mit seiner Initiative „Phoenix” habe der evangelische Pfarrer aus Duisburg, dessen familiäre Wurzeln in Kenia und England liegen, typischen mehr oder weniger verkappten Ressentiments in der „Mitte der Gesellschaft” den handfesten Kampf angesagt. So hat der 57-Jährige Anti-Rassismus-Trainings hierzulande etabliert, die Toleranz und Respekt zwischen den Kulturen auf zwischenmenschlicher Ebene vermitteln.

Aufrüttelnde Dankesrede

Brandt berichtete in seiner aufrüttelnden Dankesrede von seinen Erfahrungen mit offenen und versteckten Vorurteilen. Auch in Deutschland komme der „alltägliche Rassismus” keineswegs nur aus rechten Kreisen, sondern „aus der Sozialisation in der Familie, bei Gesprächen in der Nachbarschaft und unter Freunden”. Dem werde er sich weiter auf allen Ebenen entgegenstellen. Und Arana kennzeichnete eine an diesem Abend vielfach zum Ausdruck gebrachte Sehnsucht in einem bewegenden Appell gegen Materialismus und Raffgier: „Um miteinander in Frieden leben zu können, brauchen wir Frieden mit der Erde.”
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