Freizeitbädern der Region droht übermächtige Konkurrenz

Von: Angela Delonge
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Einen Steinwurf weit entfernt und doch ein Gefühl wie in der Südsee: Die neue Thermen- und Badewelt in Euskirchen soll Ende des Jahres eröffnet werden und jede Menge Besucher anziehen. Den umliegenden Freizeitbäder droht dadurch übermächtige Konkurrenz. Foto: Wund Unternehmensgruppe
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Josef Wund: Der Investor vom Bodensee hat sein Bäderkonzept schon vielerorts erfolgreich umgesetzt.

Euskirchen. Es gibt Leute, denen schwillt der Kamm, wenn der Name Josef Wund fällt. Kai Steuernagel ist einer von ihnen. Für den Manager der Bädergesellschaft Monte Mare sind die riesigen Bäderwelten des Friedrichshafener Investors Josef Wund „Größenwahn“. Steuernagel ist seit 20 Jahren im Geschäft und glaubt überhaupt nicht an den Traum von Wunds wunderbarer Bäderwelt.

Er sagt es nicht, aber er meint, dass es sich eher um einen Alptraum handelt, der mit einem „vergifteten Umfeld“ für alle umliegenden Freizeitbäder endet. „Alle werden Not leiden“, sagt Steuernagel.

Denn Josef Wund, der Mann vom Bodensee, will im Rheinland Maßstäbe setzen. Mit einem spektakulären, 70 Millionen Euro teuren Bauprojekt am Rand der Eifel in Euskirchen. Dort wird gerade eine luxuriöse Thermen- und Badewelt gebaut, Eröffnung ab Ende 2014. Später kommen noch ein Hotel und das Spaßbad „Galaxy“ hinzu. Galaktisch – das ist Europas größte Rutschenanlage in der Tat: 20 Wasserrutschen, 1700 Rutschenmeter, das Ganze mit Cabriodach und in drei Spaßstufen – Family, Action, X-Treme.

Diese Anlage wird die Freizeitbäder ringsum das Fürchten lehren, da dürfte Kai Steuernagel Recht behalten. Sie alle werden den Atem von Josef Wund im Nacken spüren, prophezeit Steuernagel: seine Monte Mare-Bäder in Kreuzau und Rheinbach, das Eifelbad in Bad Münstereifel, die Mechernicher Eifeltherme Zikkurat, das Aquana in Würselen und sogar die Aachener Carolus Thermen. Wund-Bäder sind in Beton und Glas gegossene Wasserwelten der Superlative – eine Konkurrenz von übermächtiger Strahlkraft.

Es wird ein Kampf zwischen David und Goliath. Denn die hiesigen Freizeitbäder schwächeln eins wie das andere – das ist kein Geheimnis. Keines kann mit den Einnahmen die laufenden Kosten decken, alle werden mühsam mit Steuergeldern gepäppelt – aus den Etats ohnehin finanzschwacher Kommunen. Im Schnitt sind es 6,50 Euro, die der Steuerzahler für jeden Badegast drauflegt.

Mancherorts kratzen solche Zuschüsse schon locker an der Millionengrenze – wie in Würselen, Mechernich oder Bad Münstereifel. Oder liegen gar darüber – wie in Kreuzau. „Das ist normal“, sagt Christian Ochsenbauer von der Gesellschaft für Badewesen. Abschreibung und Zinsen seien praktisch nirgendwo gedeckt. Alle Lösungsmöglichkeiten – Eintrittspreise erhöhen, Betriebszeiten oder Wassertemperatur herunterfahren, neue Attraktionen – laufen letztlich ins Leere. Die Bäder sind und bleiben ein ewiges Zuschussgeschäft, ein Fass ohne Boden.

Und jetzt kommt auch noch einer wie Wund, Sohn eines Pferdekutschers, der einst auf eigene Rechnung den Deutschen Pavillon für die Expo 2000 baute, dafür 78 Millionen Mark Miete kassierte und seitdem die Republik mit gigantischen Badewelten überzieht. Privat finanzierten, wohlgemerkt.

Sein Erfolgskonzept: „Das muss das Tollste, Höchste, Weiteste und Verrückteste werden, sonst wird es ein Flop.“ Dass die Rechnung aufgeht, hat Wund bereits mehrfach unter Beweis gestellt – in Bad Wörishofen, Sinsheim, Erding. „Wir werden von den Besuchern geradezu gestürmt“, sagt Wund. Ob sein Plan auch an einem Standort wie Euskirchen aufgeht, muss sich noch erweisen.

Die Zuversicht ist auf allen Seiten groß: 950.000 zahlende Gäste pro Jahr sollen es in Euskirchen werden. Nicht ganz abwegig, diese Zahl, denn der Bäderkönig ist Eigentümer und Betreiber in einer Person und hat eine clevere Gesamtkonzeption ertüftelt: mit Spaßbad, Hotel und entsprechenden Busarrangements für Gruppen. Da bleiben die Gäste zwei bis drei Tage, und so soll es auch in Euskirchen werden. Die Stadt hat das Grundstück zur Verfügung gestellt, weil Wunds Konzept auch ein Sportbad fürs Vereins- und Schulschwimmen vorsieht. Dafür zahlen die Euskirchener 650.000 Euro pro Jahr. 25 Jahre lang, ohne Kündigungsklausel.

Allein die Wellnessanlage, die Ende des Jahres eröffnet werden soll, wird weit über die Region hinaus alles in den Schatten stellen: 400 exotische Bäume und Palmen aus Florida und Singapur sorgen für ein Gefühl wie im Regenwald. Zwölf Saunen, später bis zu 24, anfangs 180 bis 200 Mitarbeiter, mittelfristig bis zu 900. Wund prophezeit, dass er zu den größten Gewerbesteuerzahlern der Stadt zählen wird. Ein ordentlicher Millionenbetrag wie in Erding werde auf jeden Fall drin sein, verspricht er den Politikern.

Wann die Millionen fließen werden, weiß noch niemand so genau. Es ist eher so, dass mehrfache Bauverzögerungen und Kostensteigerungen (von 20 auf 70 Millionen Euro) den Stadtvätern einiges an Geduld abverlangen. Ein erstes Aufatmen dürfte es Ende September geben, wenn endlich das Sportbad für die Schulen und Vereine öffnet.

Nicht ganz unbeteiligt an den Verzögerungen war einer, den das Euskirchener Projekt ins Mark trifft: Kai Steuernagel und die Monte Mare Gmbh. Das Unternehmen sieht sich durch die Wund-Pläne einem künstlichen Wettbewerbsdruck ausgesetzt und ließ in Brüssel prüfen, ob das etwa „durch politische Initiativen forciert“ wurde. Gemeint ist eine Bürgschaft über 30 Prozent der Bausumme, mit der das Land NRW dem Investor aus Friedrichshafen auf die Sprünge half, es handele sich schließlich um ein „landesweit relevantes Projekt von öffentlichem Nutzen“, heißt es.

Doch auch ohne solch unerfreuliche Konkurrenz haben die Kreuzauer Monte-Mare-Leute schon genug um die Ohren. Der Badebetrieb läuft, aber wie überall nur mit Hilfe massig öffentlicher Zuschüsse. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen des letzten Jahres: 161.000 Besucher, 369.000 Euro Verlust. Und zusätzlich zahlt der Kreis Düren über eine Beteiligungsgesellschaft fast eine Million Euro für Zinsen und Abschreibung.

Um vieles besser steht das ehemals kommunale Freizeitbad Mosaqua im limburgischen Ort Gulpen da. Sowohl in finanzieller Hinsicht als auch vom Spaßfaktor her ist hier alles im grünen Bereich, wie Bertil Kaanen, Direktor des als Aktiengesellschaft geführten Bades, erläutert.

2013 zählte das nach eigenen Angaben „größte subtropische Badeparadies in der Euregio“ 330.000 Besucher und 1,8 Millionen Euro Einnahmen. Damit werden nicht nur die Betriebsausgaben bezahlt, sondern auch 500.000 Euro jährliche Rate, mit denen 30 Jahre lang der Sechs-Millionen-Kredit der Gemeinde für die Renovierung abgezahlt werden muss. Von der Gemeinde gibt es lediglich einen jährlichen Zuschuss von 120.000 Euro für soziale Aufgaben wie wie das Schulschwimmen.

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