Teresa-Bock-Preis für Musikprojekt

„Freiheit“: Musikprojekt erhält Teresa-Bock-Preis

Von: Kristina Toussaint
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Alles selbst gemacht: Mit Hilfe des Einsatzes vieler Freiwilliger haben die geflüchteten Jugendlichen ein Musikprojekt mit Wiedererkennungswert entwickelt.
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Alles selbst gemacht: Mit Hilfe des Einsatzes vieler Freiwilliger (oben links) haben die geflüchteten Jugendlichen (unten links und oben rechts) ein Musikprojekt mit Wiedererkennungswert entwickelt.
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Alles selbst gemacht: Mit Hilfe des Einsatzes vieler Freiwilliger (oben links) haben die geflüchteten Jugendlichen (unten links und oben rechts) ein Musikprojekt mit Wiedererkennungswert entwickelt. Foto: Stephan Kreutz
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Alles selbst gemacht: Mit Hilfe des Einsatzes vieler Freiwilliger haben die geflüchteten Jugendlichen ein Musikprojekt mit Wiedererkennungswert entwickelt. Foto: Stephan Kreutz

Aachen. In ihren Texten geht es um Flucht, Heimat, Zugehörigkeit, Akzeptanz und das Recht, seine Meinung äußern zu können – darum eben, was Freiheit den Jugendlichen bedeutet. Ahmad, Mohammad und Ahmjad stellen ihre Mikros ein. Gregor verkabelt die Monitorbox. James rückt seine Drumbox zurecht. Abdul lockert die Lippen und beginnt zu beatboxen, James trommelt, die anderen beginnen zu rappen.

Die Jungs von „Freiheit“ sind mitten in der Probe. Dreimal pro Woche kommen sie im offenen Jugendtreff „Space“ in Walheim zusammen. Das Projekt hat gerade den Teresa-Bock-Preis der Caritas-Stiftung erhalten. Es ist ein soziales Projekt, das Jugendlichen hilft, sich mit dem, was sie auf der Flucht erlebt haben, auseinanderzusetzen. Es soll Raum schaffen, sich über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg einzuleben.

Für die Teilnehmer ist „Freiheit“ aber längst mehr als nur ein Projekt. Für sie ist es familiäres Netz, Ort gegenseitiger Akzeptanz und bietet die Basis, eigene Ideen und Wünsche einzubringen. Für viele ist es zum Mittelpunkt des Alltags geworden: „Hip-Hop und Rap ist die Hauptsache in meinem Leben“, sagt der 19-jährige Ahmad. „Freiheit ist sehr kostbar für mich. Für mich bedeutet Freiheit, singen zu können und meine Meinung zu sagen.“ In Syrien habe er das nicht gekonnt.

Die Texte der Jugendlichen, die sie zu Beginn noch vor allem auf Persisch und Arabisch verfasst haben, inzwischen aber vorwiegend auf Deutsch, sollen andere dazu anregen, über den eigenen Freiheitsbegriff nachzudenken. Inzwischen hat die Gruppe auch ein Theaterstück im Programm, das eine syrische Geschichte um einen unschuldig verurteilten – seiner Freiheit beraubten – Mann erzählt. „Partizipation ist, was ‚Freiheit‘ ausmacht“, sagt Projektleiterin Nadine Zillekens. Dadurch, dass die Jugendlichen ihre persönliche Geschichte mit einbringen, haben alle bearbeiteten Themen viel Gewicht und Tiefe.

Hinter dem Projekt stehen viele hochengagierte Ehrenamtliche: Wechselnd sind insgesamt rund 30 Freiwillige beteiligt. Sie helfen mit der Technik aus, entwerfen Flyer und Plakate oder bringen den Tanz als zusätzliches Element in die Auftritte mit ein. Dominik Grasser und Gregor Hüring von „Moviemotion“ haben einen Imagefilm für das Projekt erstellt, im Philipp-Neri-Haus konnten die Künstler professionelles Equipment für ihre Aufnahmen nutzen. Grafiker Ferhat Arslan hat Logo und Design für Werbematerial und T-Shirts entworfen. „Es gibt viele Projekte mit jungen Geflüchteten, aber das hier ist wirklich etwas ganz anderes“, sagt Arslan.

Kleine Träume erfüllen

„Wir sind extrem dankbar für die Unterstützung, die wir erfahren“, sagt Zillekens. „Es ist beeindruckend zu sehen, was alle Beteiligten gemeinsam auf die Beine stellen können.“ Das zweite große Konzert von „Freiheit“ im Aachener Musikbunker gemeinsam mit weiteren Hip-Hop-Künstlern aus der Region und ganz Deutschland habe das eindrucksvoll gezeigt. Menschen aus Aachen und der Region einen Raum zur Verfügung zu stellen sei eines der Standbeine des Musikbunkers, sagt Lars Templin, Geschäftsführer des Vereins Musikbunker. Man sei „super glücklich“ gewesen, nach dem Konzert zur Albumveröffentlichung im Vorjahr auch das zweite Konzert veranstalten zu können. Trotz großen Trubels habe vor rund 200 Zuschauern alles reibungslos funktioniert, erzählt Zillekens. „Natürlich bin ich auch mit Herzblut dabei und freue mich dann, wenn der ganze Aufwand zu so einem Erfolg führt.“

Mit den 10.000 Euro Preisgeld, die am Gewinn des Teresa-Bock-Preises hängen, soll Equipment für die Einrichtung gekauft werden. Zurzeit wird das meiste ausgeliehen, es muss dementsprechend aber auch vor und nach jeder Probe hin- und hergefahren werden. Außerdem ist eine gemeinsame Fahrt geplant – die könnte zum Beispiel nach Berlin gehen, wo ein vergleichbares Musikprojekt beheimatet ist. Entscheiden sollen die Jugendlichen letztlich selbst, worin sie das Geld investieren wollen.

„Einige Wünsche oder sogar kleine Träume sollten sich damit realisieren lassen“, ist Zillekens sicher. Vielleicht könnten Ahmad und seine Musiker-Kollegen das nächste Album dann im eigenen Studio aufnehmen.

Die Einnahmen, die bislang mit Konzerteintritten und CD-Verkäufen erzielt wurden, haben die Projektteilnehmer weitergegeben: Sie sind als Spenden an andere gemeinnützige Organisationen gegangen, die Geflüchtete unterstützen.

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