„Freie Wirtschaft ist ein hartes Geschäft“

Von: Katharina Menne
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In der von Männern dominierten Modellbau-Welt hat sie sich ihren Stand erarbeitet: Maike Laumen-Theuerzeit (37) ist seit 2009 Geschäftsführerin des von ihrem Schwiegervater gegründeten Unternehmens in Erkelenz. Foto: Katharina Menne

Erkelenz. Staub liegt in der Luft. Es riecht nach frischer Farbe. In der Werkhalle des Modellbau-Unternehmens Theuerzeit in Erkelenz wird gefräst, gesägt, lackiert und geschliffen. Es herrscht geschäftige Betriebsamkeit. Und mittendrin steht Maike Laumen-Theuerzeit, die einzige Frau im Betrieb. Seit 2009 ist die 37-Jährige nun schon Geschäftsführerin des von ihrem Schwiegervater gegründeten Unternehmens – und das als gelernte Krankenschwester.

Wachsende Anfrage

Ein ungewöhnlicher Sinneswandel. „Es fing damit an, dass ich während meiner Elternzeit nach der Geburt unserer zweiten Tochter erste kleine Büroarbeiten übernommen habe, um meinen Mann zu entlasten“, erzählt die Geschäftsfrau. Der Modellbaumeister hatte das Unternehmen 1999 von seinem Vater übernommen und konnte aufgrund einer stetig wachsenden Auftragslage ein bisschen Hilfe gut gebrauchen.

Im Rahmen der Wirtschaftskrise wurde schnell deutlich: Um weiterhin auf hohem Niveau mit der Konkurrenz mithalten zu können, muss eine Umstrukturierung her. Maike Laumen-Theuerzeit nahm die Herausforderung an. Das Portfolio wurde vom Kleinmodellbau auf den Großmodellbau erweitert, aus vorher 350 Quadratmetern wurden 1500 Quadratmeter und aus dem kleinen Betrieb ein modernes, mittelständisches Familienunternehmen mit zwölf Angestellten.

Das Unternehmen, dessen Geschäfte sie jetzt mit Feuereifer leitet, ist ein europaweiter Spezialanbieter von bis zu 70 Tonnen schweren Gussformen aus unterschiedlichen Materialien, wie zum Beispiel Holz, Kunststoff oder Styropor. Zu den Kunden gehören Gießereien, Betonwerke, Designer und Kulissenbauer.

Für alles, was aus einem Guss hergestellt wird, wird eine solche Form benötigt. Es ist ein bisschen wie Sandkastenförmchen herstellen – nur größer. Die Produktpalette reicht von gefrästen Firmenschildern über Formen für die Automobilindustrie bis hin zu riesigen Mahlschüsseln für den Erzabbau oder Gehäuse für Schiffsmotoren.

Der Unternehmerinnenpreis

Im Jahr 2012 konnte sie die Jury des Vision-Plus-Unternehmerinnenpreises der Gründerregion Aachen von ihrem ungewöhnlichen Werdegang überzeugen. Dieser Preis wird alle zwei Jahre an besonders erfolgreiche Unternehmerinnen aus der Region Aachen, Düren, Euskirchen oder Heinsberg verliehen. Die Unterstützung des Unternehmerinnenpreises ist ein Puzzleteil von vielen, mit denen das „Kompetenzzentrum Frau und Beruf“ des Region Aachen Zweckverbands verschiedene Karrierekonzepte von Frauen fördern und publik machen möchte.

Darüber hinaus war Laumen-Theuerzeit Teilnehmerin an der ersten „Denkwerkstatt zur Karriereentwicklung von Frauen in der Region Aachen“ im Jahr 2014, bei der gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum und der Agentur für Arbeit Aachen-Düren Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen insbesondere in männerdominierten Berufen entwickelt wurden.

Als sich 2009 die Möglichkeit zur Selbstständigkeit abzeichnete, zögerte sie nicht lange. „Mich hat diese Freiheit immer schon gereizt“, sagt sie. „Man ist flexibler in seinen Arbeitszeiten und kann Familie und Beruf viel besser vereinen als im Angestelltenverhältnis.“ In ihrem alten Beruf, der Krankenpflege, kämen sogar noch Nacht- und Wochenendschichten dazu.

Das schaffe man mit zwei kleinen Kindern einfach kaum, sagt sie. Eingearbeitet in die Aufgaben der Geschäftsführung hat sie sich mit Hilfe ihres Unternehmensberaters. Manchmal fehle ihr dennoch ein wenig die Herzlichkeit, die für sie den Reiz der sozialen Berufe ausmacht. „Die freie Wirtschaft ist schon ein hartes Geschäft. Da darf man nicht zimperlich sein.“

Auch musste sie sich in der männerdominierten Modellbau-Welt erstmal ihren Stand erarbeiten. „Es hat schon etwas gedauert, bis man mir das abgekauft hat“, gibt sie zu. Das Vertrauen und der Respekt ihrer Mitarbeiter ist ihr sicher. „Ich glaube, es ist angenehmer, als Frau unter vielen Männern zu arbeiten als unter vielen Frauen.“

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