Fragwürdiges Foto im Klinikum: ZDF-Reporter verurteilt

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
Klinikum Aachen
Der Angeklagte hatte am 17. Oktober 2014 in der Notaufnahme des Aachener Klinikums einen vermeintlichen Ebolapatienten ohne dessen Einwilligung fotografiert. Foto: Archiv/Krömer

Aachen. Wegen unerlaubten Verbreitens von Bildmaterial hat das Amtsgericht Aachen am Donnerstag einen ZDF-Reporter zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 50 Euro verurteilt. Die Richterin blieb damit weit unter dem Strafmaß, das der Staatsanwalt gefordert hatte: eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen.

Zur Urteilsbegründung sagte sie, dass der Angeklagte zwar im Sinne der Pressefreiheit richtig gehandelt habe, weil er über angebliche Missstände habe berichten wollen. Gleichzeitig habe er aber „gewissenlos“ an der Weitergabe eines Bildes festgehalten, das zur Bebilderung und Beweisführung nicht nötig gewesen wäre.

Der Angeklagte, der unter anderem für das ZDF-Magazin „Frontal 21“ arbeitet, hatte am 17. Oktober 2014 in der Notaufnahme des Aachener Klinikums einen vermeintlichen Ebola-Patienten ohne dessen Einwilligung fotografiert. Wenige Tage später war das Bild zunächst im Onlineauftritt einer Boulevardzeitung, einen Tag später in der Printausgabe erschienen. Der Reporter hatte das Bild zuvor unter anderem auch unserer Zeitung angeboten.

Im Prozess ging es nun um ein Abwägen zwischen den Persönlichkeitsrechten und der Pressefreiheit. Der Geschädigte, ein dunkelhäutiger Mann aus Eupen, hatte Strafantrag gestellt, weil er sich durch die Veröffentlichung des Bildes angeprangert und zum Objekt gemacht fühlte, so der Staatsanwalt. Der Angeklagte habe sich strafbar gemacht, weil er den höchstpersönlichen Lebensbereich des Mannes durch die Bildaufnahmen verletzt habe. Eine solche Verletzung der Persönlichkeitsrechte sei ihm aber egal gewesen, weil er von Anfang an die Veräußerung des Bildes im Sinn gehabt habe, sagte der Staatsanwalt. „Der Angeklagte hat das Bild Redaktionen zur Verfügung gestellt, obwohl er zwischenzeitlich wusste, dass der Mann auf dem Bild kein Ebola-Patient war.“

Die Richterin ging in ihrer Urteilsbegründung sogar noch einen Schritt weiter, in dem sie dem Angeklagten „Gewissenlosigkeit“ vorwarf. Er habe das fragliche Bild nach eigenen Aussagen zuerst dem ZDF-Magazin „Frontal 21“ und der Nachrichtensendung „Heute jounal“ angeboten, danach unserer Zeitung und der „Bild“-Zeitung. Wohl wissend, dass der Ebola-Verdacht längst ausgeräumt war, habe der Reporter das Bild verbreitet, und es nicht – wie die Verteidigung anführte – nur Personen angeboten, die er persönlich kannte.

Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass der Geschädigte nicht damit einverstanden war, fotografiert zu werden und dass dieser kein Ebola hatte. „Um über Missstände zu berichten, hätte es dieses Bild nicht gebraucht.“ Zumal es den Geschädigten in lächerlicher Pose zeige und dieser weder damals noch jetzt eine Person der Zeitgeschichte sei. „An dem Mann bestand und besteht kein öffentliches Interesse“, sagte die Richterin.

Das sieht der Angeklagte, der seit einem Jahr Hausverbot in der Aachener Uniklinik hat, anders. Er sei damals mit Recherchen zum Thema Ebola befasst gewesen und hatte bereits viele Informationen über die Risiken gesammelt. Deshalb sei er „absolut sensibilisiert“ gewesen, als hinter ihm in der Notaufnahme, die er selbst als Patient aufgesucht hatte, ein dunkelhäutiger Mann mit Mundschutz und Handschuhen stand und er Worte wie Fieber und Ebola hörte. Da er gewusst habe, dass die Aachener Uniklinik keine Isolierstation habe, habe er als Journalist „seine Schlüsse“ gezogen.

Der Verteidiger führte in seinem Plädoyer auf Freispruch am Donnerstag aus, dass sein Mandant im Rahmen seines Berufs gehandelt habe. Dabei sei es unerheblich, dass sich der Verdacht auf Ebola nicht bestätigte: „Entscheidend war die Risikosituation, und die war skandalös.“ 40 Leute in der Notaufnahme seien „sehr aufgeschreckt“ gewesen und voller Angst, sich anzustecken. „Mein Mandant ist seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen und hat der Klinikleitung sachliche Fragen in Bezug auf den Umgang mit Ebola-Verdachtspatienten gestellt.“ Die seien aber in der typischen Art und Weise beantwortet worden, die „Journalisten kennen: mit Verschleierung die Dinge kleinreden“. Außerdem habe er den Kollegen bei der Boulevardzeitung eindrücklich drauf hingewiesen, dass der Mann auf dem Foto unkenntlich zu machen sei. Eine „Prangerwirkung“ durch das veröffentlichte Foto sieht der Verteidiger nicht, weil der Patient „rein dokumentarisch abgebildet wurde“.

In den Zeugenaussagen, die von der Richterin verlesen wurden, stellte sich ein anderes Bild des Hergangs dar. Von der diensthabenden Oberärztin darauf angesprochen, ob er den Patienten fotografiert habe, habe der Angeklagte gesagt, nicht er, sondern ein Mitarbeiter habe das Foto gemacht. Er habe sich zudem in der Notaufnahme lautstark gebärdet und die Ärztin gefragt: „Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?“ Auch wegen eines falsch ausgestellten Krankentransportscheins habe er „getobt und rumgeschrien“. Der verurteilte Reporter hat bereits Revision angekündigt.

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