Forum Schule: Was zählt, ist die Qualität des Unterrichts

Von: Sarah Maria Berners
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Debattierten beim Forum unserer Zeitung über die Zukunft der Schule (v.l.): Reinhard Granz, Leiter des Gymnasiums Herzogenrath, Schülersprecher Steffen Mingenbach, Schulministerin Sylvia Löhrmann, Redakteur René Benden, Peter Silbernagel, NRW-Philologenverband, Regine Schwarzhoff, Elternverein NRW, und Norbert Müller, Lehrergewerkschaft GEW.

Herzogenrath. „Kinder müssen nicht zu den Institutionen passen, sondern die Institutionen zu den Kindern”, sagt NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. Und damit formuliert sie eine Herausforderung, vor der die Schulpolitik steht. Der demografische Wandel und die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie erzwingen Veränderungen.

Umstritten ist aber, wie den sinkenden Schülerzahlen und den Schwächen im Schulsystem am besten begegnet werden kann.

Beim Forum Schule unserer Zeitung in Herzogenrath stand für die Schulministerin fest, dass der demografische Wandel auch positive Aspekte hat: Weil in den kommenden Jahren weniger Kinder eingeschult werden, sinken theoretisch die Kosten. Der dadurch entstehende finanzielle Spielraum soll aber nach Willen Löhrmanns den Schulen zugutekommen. „Die demografische Entlastung bleibt im System”, betonte die Ministerin. Sie bekannte sich zu dem Ziel, bis 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung zu investieren.

Große Verunsicherung

Bei der von den Redakteuren Margot Gasper und René Benden moderierten Veranstaltung wurde deutlich, dass der Reformstress der vergangenen Jahre und die bevorstehenden Veränderungen für die Zukunft zu großer Verunsicherung geführt haben. Klar wurde auch, dass die Diskussionsteilnehmer eine Debatte um Qualitätsverbesserungen nicht auf Strukturen beschränken wollten. Das Wichtigste sei - da waren sich alle einig - die Qualität des Unterrichts.

Dennoch schlug dem Konzept der Gemeinschaftsschule, das Löhrmann vor wenigen Tagen in die Testphase geschickt hat, Skepsis entgegen. Lehrer und deren Verbandsvertreter Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes, befürchten, dass die Ministerin mit der Gemeinschaftsschule die anderen Schulformen hinterrücks abschaffen will. „Wir schaffen keine Schulform ab, Herr Silbernagel. Sie müssten inzwischen wissen, dass ich nicht wahnsinnig bin”, entgegnete Löhrmann. Aber die Sorge, dass durch eine eventuelle Bevorzugung der Gemeinschaftsschulen der Wettbewerb verzerrt wird und andere Schulen langsam sterben, bleibt bei vielen.

Diese Befürchtung teilt Reinhard Granz, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath, nicht. Er macht sich über die Zukunft des Gymnasiums keine Sorgen: „Wir nähern uns beim Wechsel von der Grundschule der 50 Prozent-Quote.”

Eine Entwicklung, die Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternvereins Nordrhein-Westfalen, mit Skepsis betrachtet. „Das Abitur ist nicht für jedes Kind ideal, aber dieser Eindruck wird erweckt. Es wird suggeriert, dass ein Kind ohne Abitur nichts ist. Man lässt ihnen nicht die Zeit, sich in Ruhe zu entwickeln und zu lernen.”

Viel wichtiger sei eine angemessene Förderung. Die ist aber wohl - das zeigt die jüngste Pisa-Studie - noch nicht ausreichend. Damit Löhrmann ihr Ziel „mehr Kinder sollen mehr lernen” erreichen kann, reicht eine Strukturreform nicht aus. „Dafür müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden”, fordert Silbernagel.

Weniger Frontalunterricht

Auch Steffen Mingenbach, Schülersprecher des Herzogenrather Gymnasiums, machte bei der Diskussion unter all den Profis selbstbewusst deutlich, was Schüler wollen: „Das Wichtigste an einer Schule sind die Schüler. Und deshalb müssen wir endlich dazu kommen, sie in den Mittelpunkt des Interesses zu setzen. Schule muss ein Lebens- und Lernraum werden.” Dazu brauche es Material, Räume und Lehrer, die sich als Lernbegleiter verstünden.

Der Frontalunterricht, so Norbert Müller, stellvertretender Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in NRW, dürfe nicht mehr vorherrschendes Prinzip sein. Die Lehrer müssten lernen, anders zu lehren. Dazu sei eine strukturierte Fortbildung erforderlich. Zu bedenken sei auch, dass pädagogische Qualität in Klassen mit über 30 Schülern an Grenzen stoße.

Ein Fazit des Forum Schule war, dass es viele Veränderungsmöglichkeiten gibt, wenn man Schule verbessern und für die Zukunft fit machen will. Bei allem Druck für Veränderung betonte Schulleiter Granz aber auch: „Jetzt brauchen wir weniger neue Erlasse, sondern Zeit und Räume, die Ziele auch umsetzen zu können.”
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