Jülich - Forschungszentrum lagert Nuklear-Abteilung aus

Forschungszentrum lagert Nuklear-Abteilung aus

Von: René Benden
Letzte Aktualisierung:
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Das Forschungszentrum Jülich lagert die Nuklear-Abteilung aus. Eine neugegründete Gesellschaft mit 300 Mitarbeitern soll sich zukünftig um die Altlasten der Kernforschung kümmern. Foto: dpa

Jülich. Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) zieht sich weiter aus dem Geschäft mit der Kernkraft zurück. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte das Forschungszentrum, dass alle Mitarbeiter des FZJ, die heute noch mit dem Rückbau alter Forschungsreaktoren beziehungsweise der Einlagerung der Brennstoffe beschäftigt sind, in eine neue Gesellschaft unter dem Dach der Energiewerke Nord (EWN) ausgegliedert werden.

Hinzu kommen die Mitarbeiter der heutigen Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR). Dadurch entsteht eine neue Gesellschaft mit rund 300 Mitarbeitern. Die Aufsichtsräte von FZJ, EWN und AVR haben bereits entsprechende Beschlüsse gefasst. Nun müssen nur noch das Bundesfinanzministerium – als einziger Gesellschafter der EWN – und das Kabinett des Landes NRW zustimmen. Das gilt jedoch als reine Formalie.

Blick nach Hamm-Uentrop

Ziel der Ausgliederung sei es, die Kompetenzen, die in den vergangenen Jahrzehnten bei der Verpackung, Lagerung und Entsorgung nuklearer Altlasten in Jülich aufgebaut worden seien, auch über das Jahr 2022 hinaus zu erhalten. Dann nämlich enden voraussichtlich die umfangreichen Rückbauprojekte des ehemaligen Forschungsreaktors „Dido“ und des ehemaligen Hochtemperaturreaktors der AVR.

Hintergrund dieser Entscheidung ist gewiss auch die gewachsene Erkenntnis, dass sowohl die Entsorgung bundeseigener kerntechnischer Anlagen als auch der Rückbau nuklearer Hinterlassenschaften, die teilweise in kommunalen Händen liegen, noch Jahrzehnte dauern wird. So zeichnet sich beispielsweise am Horizont ab, dass der Kernreaktor in Hamm-Uentrop irgendwann abgebaut werden muss. Das wird zwar frühstens 2027 der Fall sein – solange befindet sich der Reaktor zum Abklingen im sogenannten sicheren Einschluss.

Doch weil der Reaktor zu 70 Prozent kommunalen Stadtwerken gehört, kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Kommunen selbst dazu in der Lage sein werden, ein solch gigantisches Rückbauprojekt, das wohl mehrere Milliarden Euro kosten dürfte, zu stemmen. Die Stadtwerke Aachen sind übrigens mit fünf Prozent am Kraftwerk Hamm-Uentrop beteiligt.

Doch zunächst soll sich die neue Jülicher Gesellschaft nur um die nuklearen Hinterlassenschaften in Jülich kümmern: den Forschungsreaktor „Dido“, den Hochtemperaturreaktor der bis auf unabsehbare Zeit noch in Jülich bleiben muss, sowie die Abfälle im derzeitigen Zwischenlager, die zum großen Teil aus den 152 Castorbehältern mit hochradioaktivem Inhalt bestehen.

Wie die neue Gesellschaft endgültig heißen soll, ist noch nicht klar. Zunächst soll sie unter dem Namen AVR firmieren. Doch ein neuer Name wird derzeit gesucht. Sobald er gefunden ist, wird die nicht unumstrittene AVR endgültig Geschichte.

Für die betroffenen Mitarbeiter im Forschungszentrum soll die Ausgliederung finanziell kein Nachteil sein. Viel mehr soll der Neustart in einer neuen Gesellschaft als Zeichen gesehen werden, dass die Arbeitsplätze für nukleare Entsorgungsspezialisten sicher sind. Nur so könne man auch in Zukunft ausreichend Fachkräfte für diese Branche gewinnen, hieß es aus dem Forschungszentrum.

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