Forschungszentrum Jülich: Atommüll-Transport in die USA bleibt Favorit

Von: Amien Idries
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Der Transport in die USA könnte laut FZJ innerhalb von 38 Monaten abgewickelt werden. Foto: dpa

Aachen/Jülich. Knapp 200 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) und dem Zwischenlager in Ahaus. Bis zur Nuklear-Einrichtung „Savannah River Site“ (SRS) im US-Bundestaat South Carolina sind es 7100 Kilometer. Dennoch kann etwas von Jülich aus schneller in South Carolina als in Ahaus sein. Hoch radioaktiver Müll zum Beispiel.

Das steht zumindest in einem Konzept des FZJ, das seit Anfang Oktober bei der NRW-Atomaufsicht im Wirtschaftsministerium liegt.

Die Betriebsgenehmigung für das Jülicher Lager, in dem sich die knapp 290.000 Atomkugeln aus dem 1988 stillgelegten Versuchsreaktor Jülich befinden, ist abgelaufen, weil die Sicherheit nach dem Stand von Wissenschaft und Technik nicht mehr gewährleistet ist.

Derzeit lagert der Müll auf Basis einer atomrechtlichen Anordnung dort. Im Juli 2014 ordnete die Atomaufsicht die unverzügliche Entfernung der 152 Castoren an. Deshalb hat das FZJ der Atomaufsicht ein Konzept vorgelegt, in dem die drei Möglichkeiten, den genehmigungslosen Zustand zu beenden, durchleuchtet werden.

Die vom FZJ favorisierte, weil ihren Berechnungen nach schnellste Variante, wäre ein Transport der 152 Castoren in die USA, aus denen die 900 Kilogramm Uran stammen, die in den Brennelementen stecken. Rechtliche Basis ist die US-Nichtverbreitungspolitik („Non-Proliferation“) für hochangereicherte Brennstoffe. Eine Realisierung dieser Option würde laut FZJ-Konzept 38 Monate in Anspruch nehmen. Unsicherheitsfaktor ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung der USA, deren Ergebnis im Frühjahr 2015 vorliegen soll.

Deshalb hat das FZJ Variante zwei auch noch nicht aus den Augen verloren: ein Transport ins Zwischenlager Ahaus, weswegen das FZJ nun den dortigen Betreiber beauftragt hat, die Ende 2012 ruhend gestellten Genehmigungsanträge für den Transport und die Einlagerung der Brennelemente wieder aufzunehmen.

Diese Variante würde laut FZJ-Konzept mit 62 Monaten deutlich länger dauern als die Verschiffung in die USA. Grund dafür sind laut FZJ-Sprecher Jörg Kriewel Baumaßnahmen in Ahaus. Das wird dort auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Es gehe dabei um Maßnahmen der Terrorabwehr. Die Bauarbeiten würden vermutlich 2015 beginnen und führten zum Verzug bei der Aufnahme von neuem Atommüll.

Variante drei dürfte laut Konzept am längsten dauern. 102 Monate werden für den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich veranschlagt. Voraussetzung: ein Gutachten zur Erdbebensicherheit des bestehenden Lagers, das in der ersten Hälfte des Jahres 2015 vorliegen soll.

Das Konzept wurde bislang nicht veröffentlicht, jedoch hat Rainer Moormann, früherer FZJ-Mitarbeiter, es einsehen können. Er hat Zweifel, was den Zeitbedarf angeht. Vor allem die kurze Zeit für den Transport in die USA ließen angesichts von neun notwendigen Transatlantiktransporten mit Spezialschiffen eine einseitige Bevorzugung des USA-Exports erkennen.

Außerdem gehe aus dem Konzept hervor, dass jede Bewegung der Castoren vor November 2016 unmöglich sei, da die dafür vorgesehene Krananlage saniert werden müsse. FZJ-Sprecher Kriewel kommentierte dies nicht, kündigte aber an, dass eine detaillierte Zusammenfassung des Konzepts veröffentlicht werde, sobald die Atomaufsicht es geprüft habe. Dies wird laut Wirtschaftsministerium voraussichtlich gegen Ende des ersten Quartals 2015 sein.

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