Düsseldorf - Forscher kritisieren Qualitätstest an NRW-Schulen

Forscher kritisieren Qualitätstest an NRW-Schulen

Von: Wilfried Goebels
Letzte Aktualisierung:
Schule
Nach massiver Kritik von Lehrerverbänden an den Überraschungsbesuchen der Schulprüfer hatte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) langfristig abgestimmte Unterrichtsbesuche beschlossen. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Qualitätstests an NRW-Schulen sind aus Sicht von Bildungsforschern „realitätsfern“ und deren Ergebnisse wenig transparent. Experten kritisieren, dass die Fakten der Qualitätstests nicht für alle sichtbar im Internet veröffentlicht werden.

Aus Sicht der Landeselternschaft sollten Schulkonferenzen beschließen können, dass Ergebnisse in nicht-anonymisierter Form einsehbar sein müssen, damit sich Eltern ein Bild machen können. Während Hamburg und Berlin Berichte im Internet veröffentlichen, hat sich NRW für eine „schulinterne Verfügbarmachung der Daten“ entschieden.

In Stellungnahmen für eine Anhörung im Landtag äußerte der Wuppertaler Bildungsforscher Jochen Krautz erhebliche Zweifel, dass Schulprüfer nach teilweise nur 20 Minuten Unterrichtsbesuch qualifizierte Bewertungen vorlegen könnten. Aus seiner Sicht müssten Prüfungen einige Stunden oder Tage umfassen. Die NRW-Vorsitzende von Lehrer NRW, Brigitte Balbach, hält Qualitätstests im Kern zwar für eine gute Idee. Die Umsetzung sei aber ungeeignet, weil sich Schulen nur auf die Besuche und die gewünschten Unterrichtskonzepte wie Gruppenarbeit vorbereiteten. „Danach geht es oft weiter wie vorher“, sagte Balbach.

Nach massiver Kritik von Lehrerverbänden an den Überraschungsbesuchen der Schulprüfer hatte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) langfristig abgestimmte Unterrichtsbesuche beschlossen. Dabei beurteilen die landesweit 90 Inspektoren Kernelemente des Unterrichts, Arbeitsklima und Führungskultur der Schule. Qualitätsprüfer testen auch das selbst gesteuerte Lernen, Partnerarbeit oder den Einsatz von Unterrichtsmedien. Balbach kritisierte, dass die Prüfer Konzepte wie Gruppenarbeit in der Analyse deutlich bevorzugten.

Der Kölner Bildungsforscher Matthias Burchardt kritisierte das „subtile Regime von Kontrolle und Steuerung“ von Qualitätsteams und Schulaufsicht über Lehrer und Schulleitung. Dies sorge für eine „Atmosphäre des berechtigten Misstrauens“. Der Dortmunder Bildungsforscher Hans-Günther Rolff bemängelte, dass die Schulprüfer bei den Bezirksregierungen angesiedelt seien. Andere Länder setzten unabhängige Agenturen ein. Martina Diedrich vom Hamburger Institut für Bildungsmonitoring sieht Schwächen, weil der Umgang mit Schulen, die Mindesterwartungen verfehlen, in NRW nicht definiert sei.

In einem Antrag haben sich SPD und Grüne im NRW-Landtag dafür ausgesprochen, dass Schulen in eigener Verantwortung entscheiden können, ihre Qualitätsberichte öffentlich zu machen. In jedem Fall müssten Daten Gegenstand der schulinternen Beratungen im Kollegium, mit Eltern und Schülern sein. Die NRW-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) begrüßte die Neuausrichtung der Qualitätsanalyse in NRW. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hielt die Analyse nur für sinnvoll, wenn Schulen bei Bedarf Unterstützung angeboten werde. Diese Hilfe sei „leider“ landesweit nicht ausreichend.

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