Forscher fühlen Eiszeitjägern auf den Zahn

Von: dpa
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Die rund 14.000 Jahre alten Skelette eines rheinischen Eiszeitjäger-Paares liegen im Rheinischen Landesmuseum in Bonn. Mit Computertomograph, Isotopenanalyse, Gen-Untersuchung oder Knochen-Dünnschliff wollen Wissenschaftler unter anderem Auskunft über Krankheiten, Erbanlagen, Ernährungsgewohnheiten und gegen Ende der Eiszeit bekommen. Foto: Landschaftsverband Rheinland

Bonn. Im wörtlichen Sinne auf den Zahn will ein internationales Forscherteam jetzt den Jägern der Eiszeit fühlen. Die beiden rund 14.000 Jahre alten Skelette eines prähistorischen Paares aus dem Rheinland werden dazu in den kommenden Jahren mit den Methoden modernster Naturwissenschaften „durchleuchtet”.

Mit Computertomograph, Isotopenanalyse, Gen-Untersuchung oder Knochen-Dünnschliff wollen die etwa 30 beteiligten Wissenschaftler unter anderem Auskunft über Krankheiten, Erbanlagen, Ernährungsgewohnheiten, Wanderbewegungen oder gar mögliche „Heiratsnetzwerke” gegen Ende der Eiszeit bekommen. Dies sagten Prähistoriker des LVR-Landesmuseums Bonn am Donnerstag, wo die überraschend gut erhaltenen Skelette des rund 50 Jahre alten stämmigen Mannes und der grazilen, etwa 25-jährigen Frau aufbewahrt werden.

Das geheimnisvolle Paar, dessen Doppelgrab bei Steinbrucharbeiten gefunden worden war, gehöre als Zeitgenossen eiszeitlicher Höhlenmaler ohne jeden Zweifel zu den direkten Vorfahren heutiger Europäer, betonen die beiden Leiter des bis 2014 geplanten Forschungs-Projektes, Ralf W. Schmitz und Liane Giemsch. „Die Menschen der späten Eiszeit werden mit diesen Untersuchungen aus dem langen Schatten der Neandertaler treten”, meinen die beiden Experten. Aber immerhin: Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden hierfür sind an einem seit 1991 laufenden Neandertaler-Projekt zuerst erprobt worden.

Bislang rätseln die Forscher, ob das im Körperbau so unterschiedliche Paar vielleicht aus verschiedenen Regionen Alt- Europas stammt. Ein Test der Strontium-Isotope in den Zähnen wird zeigen, wo die beiden ihre Kindheit verbracht haben. Der
Die schon 1914 entdeckte Doppelbestattung von Bonn-Oberkassel zählt zu den wichtigsten prähistorischen Menschenfunden Europas.

Computertomograph des Leipziger Instituts für evolutionäre Anthropologie soll jedes Skelett in mehr als 150 000 „Scheibchen” virtuell zerlegen, um Knochenveränderungen durch Mangelernährung, Verletzungen, Stoffwechsel-Störungen oder gar Krebs zu dokumentieren.

Nicht nur eine Handvoll knochengeschnitzter Kunstwerke, sondern auch ihr Hund hat das Jäger-Paar ins Jenseits begleitet. Genproben des Tieres, das zu den weltweit ältesten je entdeckten Haushunden zählt, sollen seine wohl noch enge Verwandtschaft zum Wolf erklären. Außerdem erwarten die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über den langen Weg der Hunde zum Haustier und zur regionalen Herkunft des tierischen Gefährten aus dem Urzeit-Grab. „Hier geht es um die Frage, wie wir Menschen "auf den Hund gekommen" sind”, meinen Schmitz und Giemsch.

„Total gespannt” ist Urmenschen-Expertin Giemsch auch auf den Beitrag der Frankfurter Gerichtsmediziner, die dank der beiden gut erhaltenen Schädel dem Paar aus der Eiszeit das Gesicht zurückgeben können: „Wir werden so genaue und individuelle Porträts bekommen, dass ihre Familien sie wiedererkennen könnten”, ist sie sich sicher. Und: „Die beiden werden sich überhaupt nicht von uns unterscheiden!”

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