Städteregion - Flugplatz Merzbrück: Wenn die Millionen fließen, wird gebaut

Flugplatz Merzbrück: Wenn die Millionen fließen, wird gebaut

Von: Jutta Geese
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Die Genehmigung zur Verlängerung und Verschwenkung der Start- und Landebahn auf dem Flugplatz Merzbrück ist da, doch wann mit den Arbeiten begonnen wird, steht in den Sternen. Nach den Sommerferien soll den fünf Gesellschaftern zunächst ein Finanzierungsvorschlag für den Ausbau vorgelegt werden. Foto: Jutta Geese
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Als Dezernent Ende August im Ruhestand, als Geschäftsführer des Flugplatzes in Merzbrück weitere vier Jahre im Amt: Uwe Zink.

Städteregion. Elf Jahre liegen zwischen dem Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Flugplatzes Merzbrück im Jahr 2006 und dem Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Düsseldorf. „Das zeigt, wie lange Planungsverfahren in Deutschland dauern“, sagt Uwe Zink.

„Zu lange für eine Wirtschaftsnation wie unsere“, fügt er hinzu. Dauert es jetzt noch mal elf Jahre, bis die ersten Flugzeuge von der dann von 520 auf 1160 Meter verlängerten und leicht südlich verschwenkten Start- und Landebahn abheben?

Zink hofft, dass es jetzt schneller geht. Eine Prognose wagt der Baudezernent des Städteregion und Geschäftsführer der Flugplatz Aachen-Merzbrück GmbH (FAM), die den Flugplatz betreibt, jedoch nicht. Weniger, weil zwei Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss eingerecht wurden, eine davon von der FAM selbst.

Denn beide Klagen wurden „fristwahrend“ eingereicht, vorsorglich also, nur für den Fall, dass unterschiedliche Interpretationen von Auflagen im Planfeststellungsbeschluss – der ein 334 Seiten starkes Buch mit detaillierten Hinweisen zu Themen wie Lärmschutz, Sicherheit oder Umwelt ist – nicht in Gesprächen geklärt werden können. Wovon Zink aber ausgeht.

Gesellschafter sind am Zug

Spannend ist für Zink die Frage der Finanzierung des Ausbaus. Will heißen: Sind die Gesellschafter bereit, ein paar Millionen Euro auszugeben? Wie viele Millionen es sein müssen, hat Zink noch nicht ausgerechnet. Aber: „Die 4,6 Millionen, von denen wir 2006 insgesamt ausgegangen sind, werden wir nicht halten können.“ Die Kosten für notwendigen Grunderwerb und Planung waren in der damaligen Kalkulation enthalten. Die Grundstücke sind inzwischen gekauft, die Planung ist teurer geworden als damals gedacht, auch wegen der vielen Gutachten, die gefordert wurden.

Zink rechnet damit, dass jetzt allein für den Bau der Start- und Landebahn vier Millionen Euro gebraucht werden. „Wir müssen die Gesellschafter fragen, ob sie bereit sind, das Geld zu geben.“ Nach wie vor gelte der Grundsatzbeschluss von 2006, wonach die Gesellschafter 50 Prozent der damals veranschlagten Kosten zahlen, also 2,3 Millionen Euro geben, die anderen 2,3 Millionen sollten vom Land kommen. Doch dann änderte die damalige rot-grüne Landesregierung die Förderrichtlinien. Der Grundsatzbeschluss aber wurde nicht geändert.

Solange es keinen Planfeststellungsbeschluss gab, war das auch kein Problem. Aber jetzt, da gebaut werden kann, sind die Gesellschafter gefragt. Und das sind zu je 25,01 Prozent die Städte Aachen und Eschweiler sowie die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen, zu 14,97 Prozent die Städteregion und zu zehn Prozent die Fluggemeinschaft Aachen. Entsprechend ihrer Anteile an der FAM müssten sie sich an der Finanzierung beteiligen. „Wenn die Gesellschafter Nein sagen, dann können wir nicht bauen“, stellt Zink fest.

Doch das will er verhindern. Denn Zink, der Ende August als Baudezernent in den Ruhestand geht, aber kürzlich erst für vier weitere Jahre zum FAM-Geschäftsführer gewählt worden ist, sieht im Ausbau des Flugplatzes gleich mehrere Vorteile. So bedeute eine längere Start- und Landebahn mehr Sicherheit und weniger Lärm. „Die Flugzeuge werden anders als heute aufsetzen, und sie erreichen eine größere Höhe über der Wohnbebauung“, sagt er. Überhaupt: „Die stärkste Lärmbelästigung geht vom ADAC-Hubschrauber aus. Aber wir sind doch alle dankbar, dass es ihn gibt, weil er Leben rettet.“

Ein weiterer Vorteil sei, dass die neue Landebahn die Möglichkeit eröffne, das geplante Gewerbegebiet im Bereich zwischen Bundesstraße 264, Autobahn 44 und Start- und Landebahn komplett zu entwickeln. „Zurzeit blockiert die Bahn einen großen Teil.“ Dabei gebe es großes Interesse unter anderem von RWTH und FH Aachen, am Flugplatz Forschung zu betreiben. Konkret gehe es um die Entwicklung eines hybridgetriebenen Flugzeugs, sagt Zink. Und noch einen Grund führt Zink für den Bau der neuen Start- und Landebahn an: Der Elektrifizierung der Euregiobahn, die am Flugplatz vorbeifährt, stünde nichts mehr im Wege, weil die Flugzeuge dann künftig später aufsetzen.

All dies, weiß Zink, steht und fällt mit der Finanzierbarkeit des Projekts. In den Sommerferien will er deshalb ein Konzept entwickeln, das „der Politik die Entscheidung leichter macht“. Ins Detail gehen will er nicht. Nur so viel: Er schaue, ob „finanzielle Verbesserungen für die FAM erreicht werden können“. Was bedeuten würde, dass die Gesellschafter weniger zahlen müssten.

Fünf Gesellschafter unter einen Hut zu bekommen, fünf Gremienbeschlüsse zu erreichen, das dauert seine Zeit. Und selbst wenn es Zink gelingen sollte, die Gesellschafter zu überzeugen, werden bis zum Neubau der Start- und Landebahn noch einige Jahre vergehen. „Im ersten Schritt müssen wir nämlich Ausgleichsflächen schaffen. Auf Merzbrück brüten nämlich unter anderem Kiebitze und Rebhühner. Die müssen umgesiedelt werden. Und das braucht mindestens ein Jahr. Im zweiten Schritt erfolgen die Entwässerungsarbeiten. Dann erst können wir bauen. Das wird dann so 2019/2020/2021 sein.“ Vielleicht, sagt er, vielleicht erlebe er die Eröffnung dann ja noch als FAM-Geschäftsführer.

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