Flüchtlinge in Linnich: „Die Zäune müssen weg“

Von: Marlon Gego und Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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In der ehemaligen Polizeischule in Linnich sind rund 500 Flüchtlinge untergebracht worden. Foto: Guido Jansen

Linnich. Nach einer emotionalen Informationsveranstaltung für die Linnicher Bevölkerung in der vergangenen Woche haben Polizei und Stadtverwaltung reagiert. Wie Bürgermeister Wolfgang Witkopp (CDU) am Mittwoch erklärte, werde die Polizeiwache Linnich vorübergehend von zwei auf fünf Beamte aufgestockt, die Polizeipräsenz in der Stadt soll erhöht werden. Es seien allerdings nicht mehr Straftaten als im vergangenen Jahr registriert worden.

„Wir nehmen die Sorgen unserer Bürger ernst“, sagte Witkopp. Seit einigen Wochen leben etwa 500 Flüchtlinge in der früheren Polizeischule in Linnich, die mitten in der Stadt neben dem Krankenhaus und gegenüber dem Rathaus liegt. Mehrere Bürger hatten während der Veranstaltung vergangene Woche von Problemen mit den Flüchtlingen berichtet, die Rede war unter anderem von Pöbeleien, sexuellen Belästigungen, Diebstählen und Raubüberfällen.

Der stellvertretende Regierungspräsident Wilhelm Steitz hatte erklärt, noch nie eine solche aggressive Stimmung bei einer Informationsveranstaltung erlebt zu haben.

Der Leiter der in Linnich zuständigen Kreispolizei Düren, Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), stellte allerdings klar, dass die Sorgen der Linnicher sich nicht alle in der Kriminalstatistik widerspiegelten. Zwischen dem 11. Mai, als die ersten Flüchtlinge in der Polizeischule untergebracht wurden, und dem 23. Juli seien in Linnich 75 Strafanzeigen gestellt worden. Im selben Zeitraum des Vorjahres seien es 77 Anzeigen gewesen, sagte Spelthahn.

14 dieser 75 Anzeigen der vergangenen zweieinhalb Monate seien eindeutig den in der Polizeischule lebenden Flüchtlingen zuzuordnen: zwei Mal Zechbetrug, der Rest hauptsächlich Ladendiebstähle. Weder seien Sexualstraftaten, Raubüberfälle noch sonstige Verbrechen angezeigt worden, sagte Spelthahn.

Als wesentliches Problem haben Landrat Spelthahn und Bürgermeister Witkopp die Zäune ausgemacht, die das Gelände der früheren Polizeischule einfrieden. „Die Zäune müssen weg“, sagte Spelthahn am Mittwoch. „Durch Zäune entsteht Abgrenzung, Abgrenzung fördert Skepsis und Misstrauen auf beiden Seiten der Zäune.“

Es sei elementar, dass die zuständige Bezirksregierung Arnsberg reagiere und den Bürgern freien Zutritt zum Gelände der früheren Polizeischule ermögliche. Wenn kein Dialog mit den Bewohnern der Notunterkunft möglich sei, könne auch niemand eine schnelle Integration erwarten, sagte Spelthahn weiter.

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