Flüchtling springt aus Fenster: Streit über Hintergründe

Von: Patrick Nowicki
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Der Schwerverletzte musste notoperiert werden. Symbolfoto: obs/Asklepios Kliniken/Bertram Solcher

Eschweiler/Aachen. Mit einem Sprung aus dem Fenster im zweiten Stock eines Hauses an der Eschweiler Kaiserstraße hat am Mittwochmorgen ein Mann versucht, seiner Abschiebung zu entgehen. Dabei hat er sich so schwer an den Beinen verletzt, dass er notoperiert werden musste und noch länger im Krankenhaus bleiben muss.

Soweit die feststehenden Fakten. Wie es zu dem tragischen Vorfall kam, darüber bestehen widersprüchliche Aussagen. Das Café Zuflucht wirft der Ausländerbehörde massives Fehlverhalten vor. Die Städteregionsverwaltung wiederum, zu der das Ausländeramt gehört, bestreitet dies.

Das Café Zuflucht, Begegnungs- und Beratungszentrum für Flüchtlinge in Aachen, berichtet, dass die Mitarbeiter des Ausländeramts unerlaubt in die Eschweiler Wohnung eingedrungen seien, weil sie dort die in Aachen lebenden Verwandten vermuteten, die abgeschoben werden sollen.

Zur Familie gehöre auch ein 15-Jähriger, der kurz vor seinem Sekundarabschluss nach Klasse 10 stehe. Er habe sich auf Klassenfahrt befunden. Der Familienvater habe die Ankunft der Ausländerbehörde bemerkt und habe sich „aus Verzweiflung“ aus dem zweiten Stock gestürzt. Im Innenhof des Hauses wurde er von einer Nachbarin gefunden.

Andrea Genten, Vorstandsmitglied im Café Zuflucht, begleitet die Familie seit Jahren. „Das Vorgehen der Ausländerbehörde entspricht nicht der Erlasslage des Innenministers“, sagt Winfried Kranz vom Café Zuflucht. So habe man die Duldung der Familie am 2. Juni dieses Jahres verlängert und habe nicht auf die Abschiebung hingewiesen.

Dieser Behauptung widerspricht die Städteregion Aachen ausdrücklich: „Diese Aussage ist schlicht falsch. Die Duldung ist am 2. Juni ausgelaufen“, teilt sie in einem Schreiben mit. Auf die bevorstehende Abschiebung habe man zuletzt am 3. Juni in einem Schreiben an den Anwalt der Familie hingewiesen.

Dass der 15-Jährige kurz vor seinem Schulabschluss stehe, sei in der Aachener Städteregionsverwaltung nicht bekannt gewesen. „Bei Kenntnis der Sachlage wäre eine Abschiebung zu diesem Zeitpunkt nicht vollzogen worden“, heißt es in der Stellungnahme. Zudem sei die Ausländerbehörde in die Wohnung hineingebeten worden.

Am Freitag beschäftigte sich die Härtefallkommission in Aachen mit dem Fall, die nach der Abschiebung einer 19-Jährigen Ende 2011 eingerichtet worden ist. Ein Eilantrag der Familie liegt vor, bis zur Entscheidung bleibe die Familie geduldet, teilte die Städteregion mit.

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