Aachen - Fluchthaus wird für den Räuber zur Falle

Fluchthaus wird für den Räuber zur Falle

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
lotto_bu1
Fast zwei Stunden lang wurde die Hüttenstraße gestern Mittag abgeriegelt, weil ein Großaufgebot der Polizei nach einem Räuber suchte, der eine Lottoannahmestelle überfallen hatte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Leugnen war zwecklos, sein markantes Erscheinungsbild wurde ihm zum Verhängnis. Weil der 37-jährige Mann, der am Mittwoch eine Lottoannahmestelle in der Hüttenstraße überfallen hatte, einen blonden Ziegenbart trug und zudem eine auffällige Narbe im Gesicht hatte, konnte er von Zeugen sehr gut beschrieben werden.

Kurze Zeit später nahmen Spezialeinsatzkräfte den mutmaßlichen Täter fest, als er ein in der Nähe gelegenes Haus verließ, in das er sich geflüchtet hatte.

Gegen 11.30 Uhr hatte der Mann den Lottoladen in der Hüttenstraße betreten. Sofort bedrohte er die Angestellte mit einer Pistole und forderte die Herausgabe von Bargeld. Die Frau musste die Kasse öffnen und sich dann auf den Boden legen. Mit der Beute verschwand der Eindringling.

Er eilte dann die Hüttenstraße entlang und betrat das an der Ecke Berliner Ring gelegene Haus, in dem sich unter anderem eine Zahnarztpraxis befindet. Diverse Termine mussten an diesem Mittwoch ausfallen: Nachdem ein Zeuge den Aufenthaltsort des Mannes mitgeteilt hatte, holte die Polizei das ganz große Besteck raus: Das Haus wurde komplett umstellt, die Hüttenstraße mehr oder weniger abgeriegelt. Der Verkehr kam zum Erliegen, Passanten wurden nicht mehr durchgelassen. Spezialeinsatzkräfte aus ganz NRW waren vor Ort, „weil der Gefährdungsgrad nach einem solchen Überfall nicht einzuschätzen ist”, so Polizeisprecher Paul Kemen.

Nach einer Weile öffnete sich die Türe des Hauses und ein Mann trat hervor, auf den die Beschreibung der Zeugen exakt passte: etwa 1,70 Meter groß, Ziegenbart, fünf Zentimeter lange Narbe im Gesicht, bekleidet mit schwarzem Kapuzenpulli und schwarzer Hose. Er wurde auf der Stelle festgenommen, stellte aber entschieden in Abrede, den Überfall ein paar Häuser weiter verübt zu haben. Am Körper trug er nichts, was ihn hätte überführen können.

So sahen sich die Beamten gezwungen, das mehrstöckige Gebäude zu durchsuchen. Schließlich wurden sie in einem Flur fündig: Dort lagen die Beute, ein Teil der Kleidung und die Tatwaffe, bei der es sich um eine Schreckschusspistole handelte, die nach Polizeiangaben aber täuschend echt aussah. Gegen 13.30 Uhr konnte die Aktion in der Hüttenstraße beendet werden, die SEK-Leute packten ihre Ausrüstung wieder ein.

Per Haftbefehl gesucht

Derweil befand sich der 37-Jährige schon im Präsidium, wo er intensiv verhört wurde, aber „mauerte”, wie es hieß. Die Hinweise auf seine Täterschaft scheinen aber ziemlich erdrückend zu sein. Kemen: „Er wurde eindeutig identifiziert.”

Der Mann, der aus dem Nordkreis stammt, ist laut Kemen schon „zigmal” wegen ähnlicher Delikte in Erscheinung getreten und einschlägig vorbestraft. Mehrere Jahre soll er im Gefängnis verbracht haben, zuletzt drohte ihm die Sicherungsverwahrung. Mitte vergangenen Jahres soll er eine Therapie abgebrochen haben, seither wurde er mit Haftbefehl gesucht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert