Finanzjongleur Norbert Ho.: Ich habe mich schuldig gemacht

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. „Wenn er noch irgendwo Geld haben sollte, dann verspreche ich Ihnen, dass wir für Rückzahlungen sorgen werden.” Das edle Versprechen von Verteidiger Rainer Dietz richtete sich an diverse Zuschauer, die mit drohender Haltung und laut murrend im Gerichtsaal saßen.

Die meisten von ihnen waren Geschädigte des Aachener Finanzjongleurs und mutmaßlichen Anlagebetrügers Norbert Ho. (59), der bis zu seiner Verhaftung in seiner luxuriösen Villa in Übach-Palenberg wohnte. Für den Angeklagten forderte Staatsanwalt Jost Schützenberg in seinem Plädoyern vor einer der Großen Strafkammern des Aachener Landgerichts fünf Jahre Haft wegen schweren Betrugs. Ein Strafmaß, dem erstaunlicherweise auch die Verteidigung nahe trat.

Für die Anklagebehörde ist Ho. ein ausgebuffter und skrupelloser Mann, der ohne Gewissensbisse und ohne jede Scheu beispielsweise seine Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft zu immer neuen Runden seines Geldkarussells benutzt habe, erklärte Schützenberg: „Er zeigte besonders hohe kriminelle Energie. Er hat Kirchenmitglieder und Gläubige mit seiner angeblichen Solidität getäuscht.”

Aufwändiger Lebensstil

Auch die Einrichtung eines Treuhandkontos sollte Seriosität vorgaukeln: „Ho. hat seine Anleger mit Sicherheiten geködert, die letztlich nichts wert waren”, sagte der Staatsanwalt. Von zirka zwei Millionen Euro ist die Rede, die in dem seit 1992 rollenden Schneeballsystem des Ex-Maklers verschwanden und mit denen er über Jahre seinen aufwändigen Lebensstil finanzierte. Er versprach Kunden, die nicht nur aus wohlhabenden sondern auch aus normal verdienenden Kreisen stammten, bis zu zehn oder elf Prozent Zinsrendite.

Der Staatsanwalt ist überzeugt davon, dass der mutmaßliche Betrüger „noch im Besitz von Geldern ist” und beantragte mit der Strafe vorsorglich „die Fortdauer der Haft”. Der weitere Verteidiger von Norbert Ho., Stephan Schmidt, zog die betrügerische Absicht seines Mandanten am Beginn der seit 1992 laufenden Vorgänge in Zweifel: „Die Blase platzte schließlich erst nach 15 Jahren”, meinte Schmidt.

In seinem „letzten Wort” sagte der Angeklagte: „Ich habe mich schuldig gemacht. Es war aber mein fester Glaube, allen Verpflichtungen nachkommen zu können.” Richter Wolfgang Bender wird am Montag, 9 Uhr, das Urteil verkünden.
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