Aachen - Filme machen: Der Traum dauert länger als 90 Minuten

Filme machen: Der Traum dauert länger als 90 Minuten

Von: Alexander Barth
Letzte Aktualisierung:
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Unterwegssein, Begegnungen, Augenblicke – Motive, die Marvin Meiendreschs in seinen Filmen thematisiert. So auch im Streifen „Travel“.

Aachen. Offenbar gibt es sie noch, die große Liebe, die schon während der Schulzeit entflammt, sich mehr und mehr festigt und schließlich fest in der Lebenswirklichkeit verankert. Im Fall von Marvin Meiendresch hat das allerdings nicht unbedingt mit romantischer Zweisamkeit zu tun.

Das Herz des 25-jährigen Aacheners folgt den bewegten Bildern. Das Filmemachen ist seine Leidenschaft. Jetzt will er mit einem Regiestudium die Grundlagen für ein großes Ziel schaffen: Einen eigenen Spielfilm.

Doch es ist längst nicht nur das Ziel „90-Minüter“, dass Marvin Meiendresch umtreibt. Es ist das Filmemachen selbst – die Kreativität und Vielfalt, die sich mit der Kamera ausdrücken lässt. „Ich habe schon früh gemerkt: das ist mein Ding, das will ich machen, so will ich leben“, zählt der 25-Jährige auf.

Mit einem Schulprojekt am Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium fing einst alles an. „Das ist jetzt gut 10 Jahre her. Damals habe ich im Rahmen einer Projektwoche mit ein paar Freunden eine zehnminütige Filmpersiflage auf die Beine gestellt“. Fast entschuldigend ergänzt er: „Was man eben so macht: Berühmte Streifen und Charaktere nachspielen und zitieren“. Die Anfänge eben.

Authentisch muss es trotzdem zugegangen sein. Wie sonst lässt sich ein Polizeieinsatz auf dem Schulhof des altehrwürdigen Gymnasiums erklären? „Das war schon was“, sagt Marvin. „Bei einer Szene haben wir mit einer Spielzeugpistole auf dem Schulhof gedreht. Ein Anwohner hat das gesehen und die Polizei gerufen.“ Die kommt prompt und mit Spezialkräften – und zwingt den vermeintlichen Waffenbesitzer erst in die Knie und dann in Handschellen.

Nach dem Abitur 2007 und dem anschließenden Zivildienst kann Marvin seine Liebe endlich ohne zeitliche Einschränkung ausleben. Er stürzt sich kopfüber in Praktika, insgesamt zehn an der Zahl. Das Grenzlandtheater ist eine regionale Station, ansonsten zieht es ihn quer durch das Land, zu verschiedenen Sendern und TV-Formaten.

Beim Kameraverleih Arri in München lernt Meiendresch den rein technischen Aspekt der Filmerei besser kennen. Wertvolle Erfahrungen, wie er sagt, „mein Respekt für die technischen Jobs beim Film ist seitdem riesengroß“. Parallel entstehen immer wieder eigene Kurzfilme, zusehends professioneller, die geknüpften Kontakte machen den Zugang zu professionellem Technikmaterial leichter. Das Ziel Regiestudium ist da längst in ihm gereift.

Mit der Aussicht auf weitere wertvolle Erfahrungen springt Marvin Meiendresch ab 2009 außerdem auf das Karussell der freien Mitarbeiter in der Film- und TV-Branche auf. Als Kamera-Assistent und Video Operator ist er beim Dreh von Kino- und Fernsehfilmen dabei, vom Streifen „Freche Mädchen 2“ bis zum renommierten Krimiformat „Polizeiruf 110“. Unruhige Jahre, wenn man es mit elterlichen Maßstäben misst.

Auch Marvin Meiendresch kennt das Sicherheitsbedürfnis, mit dem die Erzeuger ihrem Nachwuchs auf die Pelle rücken können. So beginnt er 2009 ein Studium der Kulturwissenschaften an der Fernuni Hagen, „auch, um zwischendurch nicht ganz ohne Abschlusspapier in der Hand dazustehen. Auch meine Eltern ließen sich durch das begonnene Studium ein wenig beruhigen“, blickt er mit einem Augenzwinkern zurück und spricht von purer Dankbarkeit, wenn er an sie denkt. „Meine Eltern unterstützen mich total.“

Ein harter Weg

Über allem steht aber nach wie vor der Wunsch nach dem Studium an einer Filmschule. Marvin will Regie führen, seine Ideen und Visionen vermitteln und umsetzen. Doch der Weg dahin ist hart. Je nach Standort werden von vielleicht 300 Bewerbern am Ende nur zehn genommen, weiß er. Für seinen Traum hat der 25-Jährige einen Kurzfilm nach dem Anderen gedreht. Immer wieder treibt es ihn an Kamera und Schnittplatz, immer gibt es neue Ideen oder etwas zu verbessern.

Eines der jüngsten Werke ist „Zeit zu werden“. Den Film hat er als Bewerbungsstreifen für die dffb, eine renommierte Filmschule in Berlin gedreht. „Eine professionelle Kamera, ordentliche Licht- und Tontechnik sowie ein paar Leute, die sich gut auskennen und genauso begeistert dabei sind wie ich“, beschreibt Meiendresch die Arbeit. Professionelle Schauspieler findet er nicht selten bei den Aachener Theatern. „Die Leute sind immer an Filmprojekten interessiert und sie sind neugierig auf die Erfahrung vor der Kamera. So haben beide Seiten etwas davon, denn Gagen kann ich natürlich nicht zahlen.“

Das Unterwegssein, die Begegnungen, die flüchtigen Augenblicke – Motive, die in Marvin Meiendreschs Filmen immer wieder eine Rolle spielen. Eher zufällig ist ein Streifen entstanden, der ihm jetzt eine Einladung zur Hochschule der Künste in Zürich eingebracht hat.

„Zusammen mit einem Freund bin ich im Bulli von Zagreb über Budapest, Wien und Bratislava nach Prag gereist. Die Kamera war natürlich dabei, ich habe meinem Kumpel immer aus der gleichen Perspektive filmisch über die Schulter geschaut und die Bilder dann in schneller Folge zusammengeschnitten.“ So ist ein zweiminütiges stimmungsvoll-bewegtes Reisetagebuch entstanden, „eher durch Zufall“, wie Meiendresch betont. Wenn es nach ihm geht, wird der Weg zu „meinen 90 Minuten“ über ein Roadmovie führen, „sicherlich gespickt mit dem ein oder anderen literarischen Motiv“.

Aktuell bereitet er sich in seiner „Home-Base“ Aachen auf den einwöchigen Trip zur Aufnahmeprüfung in der Schweizer Metropole vor. Trotz der verschiedenen Jobs im Filmkosmos und die in alle Richtungen gestreuten Bewerbungen hält Marvin Meiendresch „seiner“ Stadt Aachen bisher die Treue.

Dabei hätte sich ein Wohnortwechsel in eine der deutschen Filmstädte durchaus angeboten, wie er zugibt. Warum er überhaupt noch hier ist? „Eine wirklich gute Frage“, sagt der 25-Jährige lächelnd. „Aachen ist eine wunderschöne, kleine Stadt, ich habe hier meine Familie, meine Freundin und Freunde, die mir beim Filmemachen nach Kräften helfen.“

Außerdem beginnt jede Reise irgendwo und endet wieder an einem Ort, findet Marvin. „Ich komme gerne nach Aachen zurück, um mich wieder ganz neu auf Streuselbrötchen und die Stammkneipe zu freuen. Aber ich brauche einfach unbedingt auch dieses Unterwegssein, um klar zu denken, mich von Orten und unbekannten Situationen inspirieren zu lassen und um einfach ich selbst zu sein.“

Und welche Filmschule wäre ihm am liebsten? „Definitiv die erste, die mich annimmt“, sagt Marvin und lacht. „Das meine ich aber gar nicht mal so pragmatisch, wie es sich vielleicht anhört. Die Schulen habe alle ein gutes Standing und ich denke, es kommt später sowieso auf mich und meine Filme an und nicht darauf, welche Stadt auf dem Stempel im Abschlusszeugnis steht.“

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