„Fidget Spinner“: Heute noch Hype, morgen vergessen

Von: Leandra Kubiak
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Haben den „Dreh“ mit dem kleinen Spielgerät raus: Die Freunde (v.l.) Linus, Jurek und Paul aus Aachen. Foto: Harald Krömer
Fidget-Spinner
Klein, flach und meist in bunten Farben: ein „Fidget Spinner“. Foto: dpa

Region. Mit zwei Fingern umfasst Jurek das kleine flache Spielgerät, dreht es kräftig an und balanciert es auf seinem Mittelfinger. Dann wirft er die rotierende Scheibe ein kleines Stück in die Luft und versucht, sie bei der Landung geschickt auf einem anderen Finger zu platzieren. Das ist nur einer der vielen kleinen Tricks, die man mit einem „Fidget Spinner“ ausprobieren kann.

Das Spielzeug aus den USA ist zurzeit äußerst populär. Das Prinzip des „Fidget Spinners“ ist simpel: Er besteht aus drei gleichgeformten Flügeln, die meist mit Kugellagern oder kleinen Gewichten versehen sind. Auch in der Mitte des kleinen, flachen Objekts befindet sich ein Kugellager, das die schnelle Rotation ermöglicht.

Nimmt man den Spinner dann zwischen zwei Finger und setzt ihn in Bewegung, kann er ein hohes Tempo erreichen. Die Geschwindigkeit sei es auch, die das Spielgerät so populär gemacht habe, sagt Falk Itzerodt, Dozent am Institut für Erziehungswissenschaft der RWTH Aachen.

Denn der Hype um die bunten Plastikteile habe damit begonnen, dass im Netz Videos kursiert seien, in denen zu sehen ist, wie das Spielzeug in der Drehbewegung auf enorm hohe Geschwindigkeiten gebracht wird. Jugendphänomene wie dieses zu beobachten, ist Itzerodts Beruf. Gemeinsam mit seinen Kollegen forscht er im Bereich der Allgemeinen Didaktik mit dem Schwerpunkt der Technik- und Medienbildung. Der aktuelle Trend kommt aus den USA, ist aber längst auch in Deutschland angekommen. „Seit rund sechs Wochen haben wir das Gerät im Visier und beobachten die Nutzung zum Beispiel auf Schulhöfen“, sagt Itzerodt.

Im Unterricht tabu

Angekommen ist der Trend auch bei Jurek, Linus und Paul. Die drei Freunde sind elf Jahre alt und besuchen die fünfte Klasse des Einhard-Gymnasiums in Aachen. Das Spielzeug wird zum Beispiel schon mal auf dem Schulhof rausgeholt, im Unterricht ist es allerdings tabu. Einige Hersteller bewerben die Spinner damit, dass sie eine beruhigende Wirkung auf Kinder mit gewissen Störungen, wie etwa dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), hätten.

„Uns sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die das belegen“, sagt Ralf Gablik, Schulleiter des Einhard-Gymnasiums. Gäbe es einen Schüler, dem das Spielzeug aufgrund seiner Erkrankung helfen würde, dann könnte man darüber sprechen, ob die Benutzung im Unterricht erlaubt werden könnte. Grundsätzlich handhabe er es aber so wie bei jedem anderen Spielgerät auch: Im Unterricht ist es schlicht verboten. Den Trend „Fidget Spinner“ sieht man am Einhard-Gymnasium gelassen. „Das wird bald wieder vorbei sein“, meint Gablik. „Das viel größere Problem ist die Handynutzung an der Schule.“

Auch Wolfgang Gurzan, Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums in Aachen, kann nicht bestätigen, dass die Nutzung des Spielzeugs im Unterricht förderlich ist. „Das lenkt eher ab“, ist er überzeugt. Auch hier ist der Spinner deshalb im Unterricht verboten. „Das ist aber kein großes Problem, die Schüler akzeptieren das.“

Sehr lange wird die Schulen das Phänomen wohl nicht mehr begleiten, denn auch Itzerodt sagt: „Der Trend hat seinen Höhepunkt schon erreicht. Wenn solche Entwicklungen bei uns am Institut ankommen, ist der Hype meist schon wieder fast vorbei.“ Das liege mitunter auch daran, dass eine Sache für die Kinder und Jugendlichen längst nicht mehr so spannend und angesagt sei, wenn sie erst einmal bei den eigenen Eltern und Lehrern angekommen sei.

Verbreitung über Youtube

Hauptgrund dafür, dass sich die Zeitspanne von Jugendphänomenen drastisch verkürzt habe, sei das Internet, erklärt Itzerodt. Speziell der Kanal Youtube würde die Prozesse ankurbeln. Das erste Youtube-Video mit einem „Fidget-Spinner“ sei Mitte 2016 veröffentlicht worden, nur ein Jahr später sei der Trend nun international auf seinem Höhepunkt angekommen. „Früher hat das locker mal fünf Jahre gedauert, bis sich so etwas verbreitet hat“, sagt er. Die Vorteile für die Jugendlichen, Online-Kanäle zu nutzen, liegen auf der Hand: Eine weltweite Vernetzung ist möglich, Trends verbreiten sich viel schneller und es ist einfacher, ein positives Feedback – zum Beispiel für neue Tricks – zu bekommen.

Denis Fischer ist eigentlich auf Gesellschaftsspiele spezialisiert. In seinem Geschäft „Würfelkiste“ in Aachen verkauft er vor allem Brett- und Kartenspiele. Auf den Zug „Fidget Spinner“ ist er – so wie etliche Händler in der gesamten Region – trotzdem mit aufgesprungen.

Seit drei Wochen verkauft er die Spielzeuge in seinem Laden. Anfangs war es nur ein Standard-Modell in verschiedenen Farben, inzwischen sind Modelle mit integrierten LED-Lichtern, Spinner aus Metall und solche, die aussehen wie Ninja-Sterne, hinzugekommen. Die Abnehmer? Vor allem Schulkinder, sagt Fischer. Ab und an seien es aber auch junge Männer, meist Studenten, die den Spaß ausprobieren wollten.

Wer sich einen Spinner kaufen will, dem rät die Bezirksregierung Köln dazu, auf eine korrekte Kennzeichnung des Produkts zu achten. Sie sollte das CE-Kennzeichen und eine Artikelnummer enthalten. Dass der Hype noch lange anhalten wird, das bezweifelt Denis Fischer. „Solche Trenderscheinungen wachsen meist vier bis acht Wochen lang, dann wird es weniger“, sagt er.

Entstehen würden solche Spielzeug-Trends meist zufällig, sagt Itzerodt. Die Idee zum „Fidget Spinner“ ist auf die Amerikanerin Catherine Hettinger zurückzuführen, die das Gerät schon in den 1980er Jahren entwickelt hat. Damals hatte sie ein Patent auf das Konzept, dieses lief aber aus. Eins dürfte wohl schon jetzt sicher sein: Wenn der Spinner „out“ ist, kommt der nächste Trend bestimmt. Fischer hätte da schon eine Idee: Der „Fidget Cube“, eine Art Weiterentwicklung, ist bereits erfunden.

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