FH sucht die „gerechte” Krankmeldung

Von: Axel Borrenkott
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Lieber gesund: Krankheitsphän
Lieber gesund: Krankheitsphänome häufen sich an der FH Aachen und anderen Hochschulen meistens vor Prüfungen. Foto: FH Aachen

Aachen. Die FH Aachen will in Zukunft von Studierenden, die sich vor einer Prüfung krank melden, keine Atteste mehr mit einer Diagnose verlangen. Es sei aber auch bisher keine „gängige Praxis” gewesen, die Befunde von Ärzten anzuzweifeln. Das aber hatte die Studierendenschaft behauptet - und auch nicht zurückgenommen.

Die Verwaltung entwickelt derzeit in Kooperation mit dem AStA ein „gerechtes” Verfahren, wie im Krankheitsfall die Prüfungsunfähigkeit belegt werden kann.

Ende März hatte das Studierendenparlament der FH eine Aufsehen erregende Resolution verabschiedet, die erhebliche Kritik an der „gängigen Praxis der Prüfungsämter” der Hochschule öffentlich machte, „Atteste von zugelassenen Ärzten nicht zu akzeptieren und eine Befundtatsache zu fordern”. Mit der Befundtatsache ist die Diagnose gemeint, die ja bekanntlich auch ein Arbeitgeber bei einer Krankmeldung nicht erfahren darf.

Rechtlich einwandfrei

Die FH Aachen ist allerdings nicht die einzige Hochschule, die eine ärztliche Beschreibung der Gründe für die Prüfungsunfähigkeit verlangt. Die Hochschulen berufen sich dabei auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Danach muss „in der Regel” ein ärztliches Attest vorgelegt werden, das „für Nichtmediziner nachvollziehbar darlegt, warum Studierende nicht an einer Prüfung teilnehmen können”.

So verlangt auch die Rahmenprüfungsordnung der FH in § 22 eine solche „Befundtatsache und die Dauer der Erkrankung”. Dies müsse, fordern die Studenten, „sofort und ersatzlos gestrichen werden”. Ein Ansinnen, das etwa der Dekan des Fachbereichs Luft- und Raumfahrt Peter Dahmann klipp und klar unterstützt: „Kein Kollege maßt sich an, die Kompetenz eines Arztes infrage zu stellen. Die Befundtatsache sollte herausgenommen werden.”

Tatsache ist aber, dass zumindest der Fachbereich Maschinenbau ein Formular verwendet, das den Ärzten die „Darstellung der Befundtatsache” vorschreibt, wenn das Attest zur Abmeldung von einer Prüfung taugen soll. Und dass das Ganze insgesamt eine größere Dimension hat, zeigt sich schon daran, dass sich im vergangenen Jahr gezählte 1335 Studenten der FH (von über 10.000) 1758 Mal wegen Krankheit von einer Prüfung abgemeldet haben.

Die Vertreter der Studierenden, der AStA also, hätten allerdings vor Verabschiedung der Resolution die Verwaltung nie auf das Problem hingewiesen, sagt nun die Dezernentin für akademische und studentische Angelegenheiten Marion Steffen: „Die Prüfungsausschüsse zweifeln durchgängig die Atteste von Ärzten nicht an.”

„Es geht um Gerechtigkeit”

Man müsse sich aber auch vor „Gefälligkeitsgutachten” schützen. „Es geht schon um Gerechtigkeit und Chancengleichheit, es kann nicht sein, dass sich jemand einfach einer Prüfung entziehen kann, weil er etwa einen Arzt gut kennt.” Nach welchem Verfahren und mit welchem Dokument demnächst die Prüfungsunfähigkeit und akzeptabel belegt werden kann, werde sie nun mit den Studierendenvertretern „durchsprechen”, kündigt Steffen an.

Der AStA zeigt sich „für jedes Gespräch offen”, um „im Interesse aller Studierenden eine humane Lösung ohne Willkür zu schaffen”, teilt der Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Ulrich Helfer, mit. Falls sich die Zusagen der FH bestätigten, „hätten wir genau das erreicht, was wir wollten, und zwar die bedingungslose Streichung der Befundtatsache aus allen Prüfungsordnungen”.

Wann dies geschieht und wie bis dahin verfahren wird, ist offen. Konfrontationen wird man aber sicherlich vermeiden wollen.
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