FH Aachen: Maschinenbau-Bachelor beim Zugang zum Master benachteiligt

Von: Axel Borrenkott
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Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen.

Aachen. An der FH Aachen sorgt ein Thema seit einem Jahr für ein Reizklima zwischen einzelnen Fachbereichen und auch dem Rektorat, das die Hochschule offenbar nicht lösen kann. Im Kern geht es darum, dass es nur 75 Master-Studienplätze (MA) für weit mehr Bachelor-Absolventen im Maschinenbau (BA) gibt.

Und die kommen möglicherweise – genaue Zahlen kennt niemand – deshalb nicht zum Zuge, weil andere Fachbereiche, denen diese Master-Plätze auch offenstehen, ihren Absolventen im Vorfeld bessere Noten verschaffen. Und zwar völlig legal, aber sehr zum Ärger der Maschinenbauer.

Maßgebliches Kriterium für die Bewerbung auf die limitierten Master-Plätze ist die BA-Abschlussnote. Die aber kann dank der jeweiligen Prüfungsordnung flexibel gestaltet und damit – im Endeffekt – angehoben werden, wovon einige Fachbereiche Gebrauch machen, andere nicht. Das veranlasste Studenten des Fachs Maschinenbau im Mai vergangenen Jahres zu einem scheinbar paradoxen Vorstoß.

„Eine aberwitzige Situation“

Der Fachschaftsrat Maschinenbau und Mechatronik forderte damals von den Professoren seines Fachbereichs, dass im Bachelor-Studiengang Maschinenbau nicht mehr jede Note vom ersten Semester an zu 100 Prozent in die Endnote eingeht. Stattdessen sollten die Prüfungsnoten der ersten drei Semester am Ende nur mit 25 Prozent gewertet werden.

So handhaben es nämlich die Fachbereiche für Luft- und Raumfahrt sowie für Wirtschaft. Und da deren BA-Absolventen ebenfalls Zugang zu den Master-Studiengängen im Maschinenbau haben, sind sie prinzipiell gegenüber den strenger bewerteten Maschinenbau-Bachelors im Vorteil. Gerade in den ersten Semestern müssen nämlich sehr anspruchsvolle Prüfungen abgelegt werden, bei denen auch leistungsfähige Studierende oft nicht so gut abschneiden.

Während das aber bei den Luft- und Raumfahrern am Ende kaum noch eine Rolle spielt, drückt es bei den Maschinenbauern die Abschlussnote möglicherweise so nach unten, dass sie nicht zum MA-Studium zugelassen werden können – weder an der eigenen, noch an einer anderen FH.

„Eine aberwitzige Situation“, findet Mirko Hövekamp vom Fachschaftsrat Maschinenbau und Mechatronik, und wird deutlich: „Studierende, deren Eignung fraglich ist, bekommen einen Master-Platz, und wir, die eigenen Absolventen, schauen in die Röhre.“ Übrigens auch, wenn sich Bachelor von anderen Hochschulen mit „leichtgewichtigen“ Noten bewerben. Da wird unter der Hand zum Beispiel die FH Bochum genannt, die aber natürlich von sich weist, zu gute Noten zu geben.

Die damalige Forderung der Maschinenbau-Studenten wurde – und wird – von ihren Professoren zurückgewiesen. „Wir halten es ja selber nicht für sinnvoll, die Noten runter zu gewichten. Aber wir sehen uns gezwungen, das zu verlangen, um nicht bei den Master-Plätzen benachteiligt zu werden“, sagt Hövekamp. Denn eigentlich sind die Maschinenbau-Studierenden – wie ihre Professoren – ausgesprochen stolz darauf, dass ihr Studiengang in den bundesweiten Rankings stets ganz oben zu finden ist, und diesem hervorragenden Ruf wollen sie nicht durch eine „Inflation von guten Noten“ schaden.

Das Problem ist also schon lange bekannt, und die Benachteiligung der Maschinenbau-Studierenden wird an der FH Aachen auch von niemandem bestritten. „Wir haben das in den Dekanaten rauf und runter diskutiert“, sagen Rektor Marcus Baumann und Norbert Janz, Prorektor für Lehre, gegenüber unserer Zeitung. „Wir können sehr gut verstehen, dass das für die Studierenden ärgerlich ist, aber als Rektorat können wir keine Vorschriften machen.“

Das Problem sei überhaupt „unlösbar, zumindest auf Hochschulebene“. Nicht einmal landesweite Regelungen würden reichen, sondern nur bundesweit einheitliche. Tatsächlich werden Überlegungen, beim Zugang zum Masterstudium nicht allein die Note zu berücksichtigen, in der Kultusministerkonferenz erörtert, wie das NRW-Wissenschaftsministerium auf Anfrage mitteilt. Das hilft aber nicht weiter, denn: „Der zeitliche Rahmen für eine genaue Ausgestaltung oder gar Entscheidungen in dieser Frage sind derzeit nicht absehbar.“

„Dringender Handlungsbedarf“

Die FH Aachen, ihre Studenten, Professoren und Dekane müssen also mit dem „vertrackten, heißen Thema“ allein zurechtkommen. Wobei der Rektor Wert auf die Feststellung legt, dass „die Studierenden bei allen Gesprächen eingebunden waren“. Was immer das genützt haben mag.

Die Dekane der drei betroffenen Fachbereiche beantworten unsere Bitte um Stellungnahme jedenfalls recht formal und schriftlich sowie erst nach Abstimmung mit dem Rektorat.

So heißt es in der gemeinsamen (!) Erklärung der Dekane der die Noten runter gewichtenden Fachbereiche Luft- und Raumfahrt (Peter Dahmann) und Wirtschaft (Bernd Pietschmann): „Die Prüfungsordnungen werden durch den Fachbereich erstellt, in der FH juristisch geprüft und durch den Rektor per FH-Mitteilung in Kraft gesetzt. … Die Anforderungen für einen Masterstudiengang legt der jeweilige Fachbereich fest. … “

„Im Vergleich stehen die FH oder einzelne Fachbereiche keinesfalls besser oder schlechter als andere Hochschulen da. … Die geringeren Aufnahmekapazitäten und der externe Bewerbungsdruck führen leider immer wieder zur unvermeidbaren Abweisung sowohl fachbereichsinterner wie hochschulinterner Studierender.“

Andreas Gebhardt, der Dekan des Fachbereichs Maschinenbau, schreibt hingegen: Da Gesetz und Prüfungsordnung die individuelle Gewichtung der Noten zulassen, „resultieren bei gleicher Leistung unterschiedliche Noten. Ob die Studierenden einen Masterstudienplatz an der eigenen Hochschule erhalten, hängt deshalb derzeit weniger vom Fähigkeitsprofil im Bachelor ab als vielmehr vom gewählten Fachbereich und Studiengang.“

„Diese Situation“, so Gebhardt weiter, „die jedem Fachbereich an jeder Hochschule eine individuelle Lösung in Form von Noten-Gewichtungen erlaubt, ist kaum geeignet, die unbedingt notwendige Gleichbehandlung zu realisieren. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf für den Gesetzgeber.“

Bleibt die Frage, warum dieses Problem ausgerechnet an der FH Aachen für solche Aufregung sorgt und mancher vorsichtshalber mit seiner Meinung hinterm Berg hält.

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